Betretene Mienen: 2. Kreisvorsitzender Uwe Hasselhorst und der frühere Vorstand Helmut Horn, Hans-Dieter Cramer und Schriftführerin Renate Cramer (von links). sh

Krieger- und Soldatenverein stillgelegt

Haimhausen - Das Gespenst der Auflösung schwebte schon seit einem dreiviertel Jahr über dem Krieger- und Soldatenverein Haimhausen. Erneut wurde kein neuer Vorsitzender gefunden. Jetzt wurde der Verein vorerst stillgelegt.

Schon seit einem dreiviertel Jahr ist der Krieger- und Soldatenverein Haimhausen ohne Führung. Bei einer erneuten Versammlung zeigte sich abermals keiner der Anwesenden bereit, das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen. Die Auflösung des ältesten eingetragenen Vereins der Gemeinde wurde ernsthaft diskutiert und mit neun zu fünf Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt.

Eine Vereinsauflösung wäre nur möglich gewesen, wenn sich 80 Prozent der anwesenden Mitglieder dafür ausgesprochen hätten. Ohne Vorstand und ohne Auflösung ruht der Krieger- und Soldatenverein Haimhausen nun mit ungewisser Zukunft in einem Schwebezustand. Nach 144 Jahren Bestehen existiert er nur noch auf dem Papier, das Vereinsvermögen wird eingefroren, Mitgliedsbeiträge nicht mehr eingezogen. Ohne Vorstand gibt es niemanden mehr, der unterschriftsberechtigt ist. Dies bedeutet weiterhin, dass die Versicherungen gekündigt werden müssen, da keiner mehr zur Überweisung der Beiträge berechtigt ist. Ohne Versicherung kann aber weder eine Fahnenabordnung zum Kriegerjahrtag, zu Beerdigungen oder Festlichkeiten, wie Fronleichnam ausrücken. Ohne Zeichnungsberechtigung eines Vorsitzenden gibt es keine Sammlung mehr für Kriegsgräber und ohne Versicherung auch keine Böllerschüsse mehr. Die Patenschaften ruhen.

Der Verein besteht nur noch auf dem Papier. So entschieden sich die Mitglieder bei der Versammlung. Hans-Dieter Cramer, der 34 Jahre den Krieger- und Soldatenverein leitete, hat sein langjähriges Ehrenamt bereits im letzten Jahr aus gesundheitlichen Gründen abgelegt und hoffte intensiv auf einen Nachfolger. Enttäuscht zeigte er sich in Anbetracht der passiven Haltung der Vereinsmitglieder.

Nur 16 von 75 Mitgliedern erschienen überhaupt zu diesem wichtigen Termin. „Ihr wollt einen Verein, der weiterbesteht, aber keine Verantwortung übernehmen“, warf er den Anwesenden vor. „Was glaubt ihr, wie das jetzt bei einer Stilllegung weitergehen soll? Stimmt wenigstens für die Auflösung, dann können wir den eingetragenen Verein ordentlich zu Ende bringen.“

Auch der fast 90-jährige Michael Kranz zeigte sich als einer der letzten Zeitzeugen des 2. Weltkriegs enttäuscht. „Ich finde das Ganze sehr traurig.“ Seit vielen Monaten bemühten sich Bürgermeister Peter Felbermeier und Hans-Dieter Cramer in zahllosen Gesprächen mit dem Kreisverband, Mitgliedern und dem Patenverein um eine Lösung. Aber auch für einen vorübergehenden Kompromiss, die Vorstandsperiode auf ein Jahr zu verkürzen fand sich kein williger Kandidat. Der bisherige 2. Vorsitzende Helmut Horn war keinesfalls bereit, sein Amt ohne einen 1. Vorsitzenden weiterzuführen. Für Cramer war diese Situation mehr als deprimierend. Auch wenn Jürgen Schindler die Meinung vertrat, der Krieger- und Soldatenverein spreche nur noch alte Menschen, aber nicht mehr die Jugend an, sprach der Bürgermeister vor der Abstimmung eindringlich über die verantwortungsvolle Aufgabe des Vereins. „ Der Verein hält die Erinnerung an die Schrecken des Krieges wach, damit wir, die seit sieben Jahrzehnten glücklicherweise in Frieden leben dürfen, diese Mahnung niemals vergessen. Allein für den Erhalt des Friedens lohnt sich die Weiterführung mit einer neuen Vorstandschaft.“

Auch Uwe Hasselhorst als 2. Kreisvorsitzender der Krieger- und Soldatenvereine konnte die Situation kaum glauben und forderte die Haimhauser eindringlich zum Weitermachen auf. „Bildet eine neue Mannschaft! Ich unterstütze euch, wann immer ihr Hilfe braucht. Bitte gebt nicht auf. Dann gibt es keinen Verein mehr, der für den Frieden kämpft und diese Botschaft an die Enkel weitergibt.“

Irgendwie waren auch die Befürworter der Auflösung nur mit halbem Herzen bei der Abstimmung. Betretene Gesichter zeigten vor allem das Ehepaar Cramer, die über drei Jahrzehnte Energie und Freizeit in den Verein steckten und diesen lieber ordentlich aufgelöst hätten. Der Bürgermeister erinnerte eindringlich an die Leistung Cramers mit den Worten „Das haben die beiden nicht verdient.“ Nach Willen der Mitglieder ruht der Krieger- und Soldaten Haimhausen in einem Dornröschenschlaf, bis irgendwann irgendjemand den Willen und die Energie aufbringt, die dann noch vorhandenen Mitglieder zusammenzurufen und den Verein wieder aufleben zu lassen.

(sh)

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