Blies der lokalen Prominenz den Marsch: Hans Well und seine Wellbappn amüsierten damit beim Kabarettabend der Indersdorfer SPD 200 Gäste. Foto: hab

Herrlich derbe Wellbappn

Indersdorf - Es ist ein besonderer Gast. Einer, der den Ruf hat, jeden mit seinen Auftritten zum Lachen zu bringen. Zu ihrem Kabarettabend hat die Indersdorfer SDP den Ex-Biermösl Hans Well mit seinen Wellbappn eingeladen. Für ihn war der Abend eine Premiere, für die Indersdorfer „a irrsinnigs Schmankerl“.

Wenn Leute Sachen zum ersten Mal ausprobieren, weiß man nie, was man kriegt. Wenn Hans Well, Ex-Biermösl, Sachen zum ersten Mal ausprobiert, begeistert er damit 200 Zuschauer. Und am Ende des Abends hat einer ein Alphorn auf der Schulter.

Ganz in Sozi-Manier steht Hubert Böck, Ortsvorsitzender der Indersdorfer SPD, in roter Krawatte in Ried auf der Bühne. Er freut sich auf das, was gleich kommt: Ein Abend, bei dem einer den Saal unterhält, der weder ein Blatt vor, noch politisch Korrektes in den Mund nimmt. Hans Well schafft mit seinen Wellbappn (also seinen beiden Kindern Sarah und Jonas) etwas, das bei Indersdorfern eher selten ist. Sie lachen über sich selbst. Und zwar gscheit.

Well ist krachert, ehrlich und gradraus. Er weiß ganz genau, wieso er hier nur auftreten, aber nicht leben will - dort, „wo da Rektor Kroschewski koa Ganztagsschui mog - weil a dann wos arbeitn muissat am Nachmittog“. Oder „wo da Burgamoasta Jo Kreitmeir regiert und des Breitbandnetz stagniert“. Einer wie Well macht auch vor der Kirche nicht Halt und bemitleidet die Indersdorfer herrlich süffisant, weil man sich „beim Pfarrer Hauptmann froagt und wundert - stammt der ausm 16. oder ausm 17. Jahrhundert“.

Das Trio auf der Bühne ist sonst eigentlich ein Quartett - aber Schwesterchen Tabea fehlt heute zum ersten Mal. Sie spielt ihre Geige gerade nicht in Bayern, sondern lernt sie Slum-Kindern in Ecuador. „Ihr seid heut einfach unsere Versuchskaninchen“, erklärt Hans Well. „Wir probieren einfach ein paar Sachen aus und hoffen, dass sie auch zu dritt klappen“, meinte er.

Und wie’s klappt. Bei ihrem Musikkabarett springen die Wells zwischen politisch brisanten Themen und außergewöhnlichen Instrumenten fast im Minutentakt hin und her. Auf der Bühne sieht es aus wie in einem Musikladen nach einer neuen Lieferung. Von einem Kontrabass, der Papa Hans tierisch aufregt, weil er nirgends gscheit Platz hat, wechseln die Ausnahmetalente zwischen Ukulele, Posaune, Praxisgebühr, Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen, Akkordeon, Eurokrise, Schulreformen, Saxophon und stinkenden Biogasanlagen.

Das Publikum hat nicht wirklich Zeit, sich zwischen den Lachanfällen zu erholen. Versuchsabend hin, Versuchsabend her, die Indersdorfer sind begeistert. Vergangenes Jahr hatten die Sozis zu ihrem Kabarettabend einen da, der den Ude immitiert hat. Das Publikum hat Uli Bauer geliebt. Aber der Mann mit der roten Krawatte hat sich heute schon umgehört im Saal - den Hans Well und seine Wellbappn lieben die Zuschauer noch mehr. So sehr, dass Hubert Böck überlegt, ihn gleich nächstes Jahr wieder zu engagieren.

Falls die Musikerfamilie wieder improvisieren muss, wär’s auf jeden Fall vielversprechend. Das Publikum ist so begeistert von den Wells, dass es sie gleich zweimal und am liebsten dreimal zur Zugabe auf die Bühne klatschten.

Wer bis zu dem Zeitpunkt gedacht hat, die drei hätten heute schon jedes erdenkliche Instrument in der Hand gehabt, irrt. Aber gewaltig. Denn auf einmal ziehen Vater und Sohn zwei meterlange Alphörner hervor. Die sind so lang, dass sie Herren im Publikum schultern müssen. Und deshalb hat der Mann mit der roten Krawatte grade ein Alphorn auf der Schulter und grinst. Grinst, weil er genau weiß: So was sehen die Indersdorfer nicht jeden Tag.

Christiane Breitenberger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nachttischlampe löst Zimmerbrand aus
Am frühen Mittwochmorgen brannte ein Zimmer in einem Mehrfamilienhaus in der Talstraße in Sollern bei Peterhausen. Zwei Personen wurden leicht verletzt.
Nachttischlampe löst Zimmerbrand aus
DAH
Ein Schmankerl für die Zuschauer: Beim Vierkirchner Starkbierfest doubeln Theaterer Kommunalpolitiker
Nichts ist in Vierkirchen wie in anderen Gemeinden. Da wohl kein Gegenkandidat gegen Bürgermeister Harald Dirlenbach in den Ring steigen wird, inszenierten die Theaterer …
Ein Schmankerl für die Zuschauer: Beim Vierkirchner Starkbierfest doubeln Theaterer Kommunalpolitiker
Grausamen Tod einfach verhindern: Können so Rehkitze gerettet werden?
Junge Rehkitze ducken sich ins Gras - und sind in Lebensgefahr. Damit sie bei der Mahd nicht getötet werden, verleihen Jägerverein und Maschinenring Rehkitzretter.
Grausamen Tod einfach verhindern: Können so Rehkitze gerettet werden?
Mit Tempo 50 durch die Hecke: Mann rast mit Bus ins Haus seiner Ex-Freundin 
Rasend vor Eifersucht bretterte ein Mann in Markt Indersdorf mit einem Kleinbus in das Haus seiner Ex-Freundin. Nun steht er wegen versuchten Mordes vor Gericht.
Mit Tempo 50 durch die Hecke: Mann rast mit Bus ins Haus seiner Ex-Freundin 

Kommentare