Hoffen, dass das Angebot in Schönbrunn von den Landkreisbürgern gut angenommen wird: Markus Tolksdorf, Rainer Wildgruber, Stefan Löwl und Andreas Simmnacher (von links).

Franziskuswerk Schönbrunn

Haus der Begegnung eingeweiht

Schönbrunn - Menschen mit und ohne Behinderung sollen in dem Haus der Begegnung zusammenkommen. Dass es gebaut werden konnte, ist einem Zufall zu verdanken.

Der 8. Dezember hat in Schönbrunn eine besondere Bedeutung: Es ist der Geburtstag von Viktoria von Butler, der Gründerin des Franziskuswerks: Sie war Haimhauser Gräfin und Frauenrechtlerin. Ihr Geburtstag gilt als Stiftungstag in Schönbrunn. Heuer kam an dem Tag ein dritter Grund zum Feiern dazu: nämlich die Einweihung des neuen Bürgerhauses in der Dorfmitte. Es bietet auf 800 Quadratmetern Platz für bis zu 120 Personen.

Dort wo einst ein landwirtschaftliches Gebäude stand, dominiert jetzt das Bürgerhaus mit Café und Bistro. Monsignore Michael Bartmann weihte das Haus im Beisein vieler Mitarbeiter und Betreuer ein. Eröffnet wurde das Bürgerhaus aus Kapazitätsgründen ein paar Stunden später vom Vorsitzenden des Stiftungsvorstands und Geschäftsführer des Franziskuswerks, Markus Tolksdorf mit Gästen aus dem ganzen Landkreis. Auch die Schönbrunner Schwestern gaben sich die Ehre. 

Tolksdorf kritisiert: Nur wenige Menschen mit Behinderung dürfen wählen

Tolksdorf betonte in seiner Eröffnungsrede, dass niemand künftig als Heimbewohner, Kunde des Franziskuswerks oder als Nutzer von sozialen Diensten in das Bürgerhaus kommt – sondern schlichtweg als Bürger. Der Bürgerbegriff sei deshalb so wichtig, weil er per Definition mit Bürgerrechten verbunden ist. Das Wahlrecht zum Beispiel, das vornehmste Bürgerrecht, werde übrigens auch in Schönbrunn nur den wenigsten Menschen mit Behinderung eingeräumt. Das sei in Tolksdorfs Augen ein Skandal. 

Das Haus der Begegnung - ein Haus für alle

Zu den Bürgerrechten gehöre auch das Recht auf volle und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Deshalb sei das Bürgerhaus kein Haus, das nur vom Franziskuswerk mit Inhalt bespielt werde. „Nein, dieses Haus stellen wir auch Vereinen, Organisationen oder Partnern zur Verfügung, damit gesellschaftliches und kulturelles Leben nach Schönbrunn kommt, hier mit neuer Selbstverständlichkeit stattfindet“, so Tolksdorf.

Daran sollen die Bürger in Schönbrunn teilhaben können, wo und wann immer sie wollen. Mit dem neuen Bürgerhaus „W5“ (Werkstättenweg 5) stelle Schönbrunn barrierefreien Raum zur Verfügung und stehe als Ansprechpartner für inklusive Veranstaltungen der Landkreisbürger zur Verfü- gung.

Doch wie kam es zu dem Bau des Bürgerhauses? 

Bei einem Gespräch im Sozialministerium erfuhr das Franziskuswerk, dass eine andere Institution 1,3 Millionen Euro im Haushalt nicht abrief. Tolksdorf habe daraufhin sofort eine Ideenskizze vorgelegt. Das war der Beginn der Planungen für das Bürgerhaus. Der Dachauer Architekt Siegfried Khuon und alle am Bau Beteiligten verdienen laut Tolksdorf besondere Anerkennung. 

Längst sei der Schönbrunner Beitrag zur Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins für die Rechte von Menschen mit Behinderung im Fokus des Franziskuswerks angekommen, so Tolksdorf. Mit dem Bürgerhaus wolle man etwas Neues zum Ausdruck bringen. Nach seiner Überzeugung drückt sich mit dem Bürgerhaus ein Alleinstellungsmerkmal von Schönbrunn aus: In Schönbrunn gibt es spezielle Unterstützungsangebote und Strukturen für Menschen mit Behinderung.

Es gibt viele Bewegungs- und Teilhaberäume im Bürgerhaus

Tolksdorf und dessen Mitstreiter stellen sich jetzt die Frage, wie sie das, was sie gut können, auch für andere Bürger zur Verfügung stellen können: Rainer Wildgruber leitet den neu geschaffenen Geschäftsbereich „Kultur und Gesellschaft“, zu dem auch das Bürgerhaus gehört. Er zeigte auf, dass das „Haus der Begegnung“ über ausreichend Bewegungs- und Teilhaberäume verfügt und dort auch öffentliche Kurse stattfinden können. Das schmucke Bistro mit 55 Plätzen und großer Terrasse schaffe auch Arbeitsplätze. 

Das Café und Bistro ist im Haus von Montag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. 

Im Obergeschoss des Hauses finden die Besucher barrierefreie Seminar- und Bewegungsräume sowie die Stabstelle fürs Ehrenamt und ein Atelier, das die Schönbrunner Malwerkstatt ablösen soll. Der Leiter des Infrastruktur-Managements, Andreas Simmnacher, kam zu dem Schluss, dass man nun über ein Haus verfüge, auf das alle, die daran mitgearbeitet haben, stolz sein können. Dem schloss sich Landrat Stefan Löwl an, der mit einer großen Pflanze gratulierte.

Josef Ostermair

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