1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Hebertshausen

13 Fälle von drohender Obdachlosigkeit

Erstellt:

Von: Petra Schafflik

Kommentare

Isabel Saltzis leitet die 2020 gegründete Caritas-Fachstelle Wohnen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit.   
Isabel Saltzis leitet die 2020 gegründete Caritas-Fachstelle Wohnen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit.    © Petra Schafflik

Wer seine Unterkunft verliert, steht schnell auf der Straße. Diese Entwicklung beobachtet auch Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl mit Sorge.

Hebertshausen –- „Die Verhinderung von Obdachlosigkeit war früher für uns eine überschaubare Aufgabe, das hat sich in den zurückliegenden drei Jahren deutlich verändert“, erklärte Richard Reischl jetzt im Gemeinderat. Allein seit Januar 2020 registrierte die Gemeinde 13 Fälle von drohender Obdachlosigkeit, darunter waren drei Familien. „Jedes Mal ist es uns gelungen, die Obdachlosigkeit doch irgendwie zu verhindern.“ Doch diese Zahlen wertet Reischl als deutliches Warnsignal: „Wir müssen überlegen, diese Aufgabe in fachkundige Hände zu geben.“

Als kompetenter Ansprechpartner bietet sich im Landkreis die Caritas-Fachstelle Wohnen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit an, die mit Sitz in Markt Indersdorf seit September 2020 für sieben Kreisgemeinden tätig ist (siehe Kasten). Allerdings nicht für Hebertshausen, da sich die Gemeinde bisher nicht am Projekt beteiligt.

Leiterin Isabel Saltzis erläuterte den Gemeinderäten das Leistungsspektrum dieser Einrichtung, die ein niederschwelliger Ansprechpartner sein will für Mieter, die aber auch Vermieter oder das soziale Umfeld von Betroffenen berät. „Unser Ziel ist vorrangig natürlich die Verhinderung von Obdachlosigkeit“, erklärte die Sozialpädagogin. Aber es gehe auch darum, die Wohnung für die Bewohner dauerhaft zu sichern, Kompetenzen und Ressourcen zu bündeln.

Wenn es gelungen ist, etwa eine drohende Wohnungskündigung abzuwenden, kümmert sich die Fachstelle um die Nachsorge. „Oft ist die drohende Obdachlosigkeit nur die Spitze des Eisbergs. Wir gehen dann daran, in Kooperation mit anderen sozialen Anlaufstellen, die darunterliegende Probleme zu lösen.“   

Eine umfangreiche und qualifizierte Betreuung, die von der Gemeinde aktuell so nicht geleistet werden kann, wie der Bürgermeister erklärte. Sein Fazit: „Entweder wir bauen im Rathaus diese Kompetenz auf oder wir beteiligen uns an der Fachstelle.“ Mehr Engagement in diesem Aufgabenfeld werde aber in jedem Fall nötig sein. Das sieht auch Martin Gasteiger (FBB) so. „Die Problematik wird in Zukunft noch größer werden, da werden wir so nicht mehr zurechtkommen.“

9000 Euro Kosten jährlich

Falls die Caritas-Fachstelle sich auch um Bürger aus Hebertshausen kümmern soll, entstehen der Gemeinde Kosten in Höhe von 1,50 Euro je Einwohner, also rund 9000 Euro jährlich, informierte Leiterin Saltzis. Aber was ist der Mehrwert für Hebertshausen? „Werden Bürger aus Nicht-Mitgliedsgemeinden nicht beraten? Das kann ich mir bei der Caritas gar nicht vorstellen“, sagte Clemens von Trebra (CSU). Tatsächlich gab es seit Gründung der Fachstelle Wohnen bereits neun Anfragen aus Hebertshausen, so Leiterin Saltzis. Doch die umfassende und intensive Betreuung der spezialisierten Anlaufstelle erhält nur, wer in einer Mitgliedsgemeinde lebt.

Menschen aus anderen Gemeinden, wie bisher auch Hebertshausen, würden an den allgemeinen Sozialdienst der Caritas verwiesen, der aber nicht so umfangreich und fundiert helfen könne. Für Marianne Klaffki (SPD) steht daher fest: „Wenn ein sozialer Träger die geballte Kompetenz vorhält, ist die Entscheidung klar.“

Ob Hebertshausen sich tatsächlich der Caritas-Fachstelle Wohnen anschließt, wird der Gemeinderat in einer der nächsten Sitzungen entscheiden. Die kurze Diskussion im Gremium lässt erwarten, dass sich auch Hebertshausener Bürger schon bald bei Problemen mit dem Erhalt ihrer Wohnung an die spezialisierte Anlaufstelle wenden können.

Auch interessant

Kommentare