Das Gebäude prägt das Ortsbild, aber es verfällt. Jetzt soll die alte Holzschleiferei im Zentrum Hebertshausens abgerissen werden.
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Das Gebäude prägt das Ortsbild, aber es verfällt. Jetzt soll die alte Holzschleiferei im Zentrum Hebertshausens abgerissen werden. Foto: ps

Hebertshauser Gemeinderat entscheidet sich in Sondersitzung mehrheitlich gegen den Erhalt

Alte Holzschleiferei wird abgerissen

Die ehemalige Holzschleiferei mitten im Dorf wird nicht saniert, sondern abgerissen.

Hebertshausen – Das hat der Gemeinderat Hebertshausen in einer Sondersitzung am Dienstag mit klarer Mehrheit entschieden. Für den Erhalt des alten Gebäudes hatten sich Clemens von Trebra, Johann und Michael Böswirth (alle CSU) sowie die mit zwei Räten anwesende SPD-Fraktion ausgesprochen.

Mit dem klaren Votum des Gemeinderats sind nun alle Vorgaben geklärt für den nächsten Schritt zur geplanten Entwicklung weitläufiger zentraler Flächen im Ort: ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für das 26-Hektar-Areal von der ehemaligen Kartonfabrik Schuster an der Amper bis hinauf zur Freisinger Straße. Teil des Verfahrens ist auch das zwei Hektar große Grundstück der ehemaligen Holzschleiferei, das zusätzlich in einem sogenannten Realisierungswettbewerb gleich deutlich konkreter geplant wird. Dieser Bereich soll als erster bebaut werden. Vorgesehen sind Wohnungen plus einige öffentliche Nutzungen wie Kita und Bücherei.

Leicht gemacht haben sich die Gemeinderäte die Entscheidung über Erhalt oder Abriss der ehemaligen Holzschleiferei nicht. Bei einer Beratung vor zwei Wochen hatten Experten die Kosten für eine Sanierung des arg heruntergekommenen Hauses, das massive Feuchtschäden aufweist, mit 2,5 Millionen Euro beziffert.

Nun ging es um die Frage, ob das Haus als Bauruine oder erhaltenswertes Zeugnis der Ortsgeschichte zu sehen ist. Tatsächlich wurde das Gebäude schon im 19. Jahrhundert und bis 1957 als Holzschleiferei genutzt, danach noch einige Zeit bewohnt. Es verfällt seit Längerem.

Ein klares Statement für den Erhalt kam von Christian Schiebel, dem Leiter der Abteilung Städtebau bei der Regierung von Oberbayern. Als Außenstehender sei er „fasziniert von dem Gebäude mit dem historischen Bezug zu Hebertshausen“. Schiebel warb mit der hohen 80-Prozent-Städtebauförderung, sofern der Bau nach der Sanierung kommunalen Zwecken dient. Um zu zeigen, dass sich ein saniertes Baudenkmal durchaus einfügen würde ins dort angedachte Wohnviertel, hatte Schiebels Mitarbeiterin Franziska Klepper einen „Testentwurf“ mitgebracht.

Überzeugt werden musste Marianne Klaffki (SPD) nicht, die schon in der vergangenen Sitzung für den Erhalt plädiert hatte. „Der Mensch braucht Kultur und Geschichte als Fundament für so etwas wie Identität.“ Als „bauliches Gedächtnis“ sei die ehemalige Holzschleiferei zu erhalten. Pro Sanierung äußerte sich auch Clemens von Trebra, zumal „ältere Gebäude nicht höhere Kosten verursachen, das ist falsch“.

Seine Meinung jetzt pro Sanierung geändert hat Johann Böswirth, seit der Weihe der herausragend sanierten Kirche Sankt Georg, wie er bekundete. Auch die Holzschleiferei sei „für einige Heimat“. Kommunale Nutzungen – Voraussetzung für hohe Städtebauförderung – ließen sich finden, etwa für Bücherei oder Vereinsräume als Dorfgemeinschaftshaus, so die Befürworter der Sanierung.

Doch die Skeptiker waren nicht zu überzeugen, allen voran Bürgermeister Richard Reischl (CSU). Eine besondere Ausstrahlungskraft lasse das Gebäude nicht erkennen, das er wie alle Hebertshausener der jüngeren oder mittleren Generation nur als Wohnhaus kenne. In den vergangenen Jahrzehnten „war da nie eine Mühle oder Holzschleiferei“. Historisch sei an dem Gebäude nichts mehr, „da wurde zigmal umgebaut“, sagte FBB-Fraktionssprecher Martin Gasteiger. Eine Bauruine nannte Stefan Ruhsam (CSU) das Gebäude, ein „Fass ohne Boden“ Florian Zigldrum (CSU). „Ich bin immer für Kulturerhalt, aber das ist ein Millionengrab“, mahnte Simon Wallner (CSU).

Die Sanierungsgegner fürchten eine teure Sanierung, bei der die prognostizierten 2,5 Millionen nicht reichen, plus hohe Folgekosten. Ein Risiko, das die Mehrheit nicht eingehen will.

Ideenwettbewerb startet
Der Ideenwettbewerb zur Entwicklung des 26- Hektar-Areals im Ortszentrum wird vom Münchner Büro Drees und Sommer betreut. Insgesamt 15 qualifizierte Planungsbüros werden zugelassen. Es gilt, Vorstellungen und Konzept für die zentralen Flächen in Hebertshausen zu entwickeln. Ausgangsbasis für diese Arbeit ist das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek), das Bürger, Kommunalpolitiker und Experten 2018/19 gemeinsam entwickelt haben. Ziele sind unter anderem die Nutzung innerörtlicher Potenzialflächen, die Schaffung vielfältiger Wohngebiete und Aufwertung der Freiräume. Dazu zählt auch die Öffnung des Mühlbachs, der mitten durch das Areal fließt und künftig mit teils geschützten, teils zugänglichen Zonen im Dorfbild präsent sein soll. Bereits im März 2021 sollen die Ergebnisse aus dem Ideenwettbewerb vorliegen, aus denen eine Jury dann einen Siegerentwurf auswählt. Dieser wird dann die künftige bauliche Entwicklung der Gemeinde auf Jahrzehnte maßgeblich prägen. ps

PETRA SCHAFFLIK

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