Alle paar Stunden gab es zu Beginn ein Fläschchen.
+
Alle paar Stunden gab es für Feldhasen-Baby Roger ein Fläschchen.

Tierischer Fund

Roger, das Osterwunder: Wie Familie Schlichenmayer aus Ampermoching auf den Hasen gekommen ist

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
    schließen

Am Gründonnerstag hat Jenny Schlichenmayer aus Ampermoching ihr kleines Osterwunder gefunden: Roger, ein Feldhasenjunges. Das wenige Stunden alte Wildtier zog bei den Schlichenmayers ein, wurde gehätschelt und mit Hilfe von vielen Nachbarn aufgepäppelt. Nun hieß es Abschied nehmen.

Ampermoching – Das kleine Häschen war 100 Gramm schwer und keine 24 Stunden alt, als Jenny Schlichenmayer es rettete. Seine beiden Geschwister, die im selben Nest auf einer Wiese lagen, wurden vor ihren Augen von Krähen geraubt. So kam „Roger“, der vielleicht auch eine „Rogerine“ ist, zur Familie Schlichenmayer nach Ampermoching.

Auf der Wippen-Waage gefiel es Roger offenbar.

Ein Nachbar wusste zum Glück, womit man kleine Feldhasen am besten ernährt (Katzenaufzuchtmilch), ein anderer Nachbar hatte einen Stall, der dritte stellte seinen Auslauf zur Verfügung. Roger zog aufgrund des kalten Wetters schließlich vom Keller ins Badezimmer um, das er nach und nach eroberte. „Am Anfang habe ich ihn alle paar Stunden zwangsernährt“, berichtet Hasenmama Jenny Schlichenmayer. Wöchentlich wurde er in einer Wippenwaage gewogen – „das hat ihm immer gefallen“. Irgendwann kamen die Zähnchen, dann knabberte Roger am Löwenzahn, fraß ein paar Haferflocken – aber auf ein Abendfläschchen bestand er weiterhin. „Er hat sich zur Fressenszeit immer schon auf den Hocker gesetzt“, berichtet Jenny Schlichenmayer.

Ein Bussi zum Abschied: Jenny Schlichenmayer mit ihren Findelkind.

Natürlich machte sie sich Gedanken, wie und wo sie Roger auswildern könnte. „Immerhin habe ich die Verantwortung übernommen, ihn großzuziehen, jetzt musste ich das auch tiergerecht zu Ende bringen.“ Dass der Hase wieder in freie Natur musste, war ihr klar. Er war zwar ihr gegenüber zutraulich, „er ist mir nachgelaufen wie ein Hund“, aber sobald jemand anderes ins Bad kam – vor allem Kinder waren begeisterte Roger-Fans – verkroch er sich.

Nach vielen E-Mails kam Jenny Schlichenmayer mit einer Tierärztin in Niederbayern in Kontakt, die von ihrem Grundstück aus schon viele Feldhasen ausgewildert hat. Vergangenen Montag zog Roger um: nach Aldersbach bei Passau. „Als er aus der Transportbox kam, ist er erst einmal zu mir auf den Schoß“, berichtet Jenny. Dann schaute er sich neugierig um. Von einer großen Vogelvoliere aus – mit Eulen als Nachbarn – wird der Ampermochinger Hase nun Stück für Stück in die freie Natur entlassen, in ein jagdfreies Gebiet. Die Tierärztin war von Roger und seinem Gesundheitszustand sehr begeistert und erkundigte sich, ob Jenny Schlichenmayer eine Außenstelle für Feldhasenaufzucht aufmachen wolle. Ihre Antwort: „Ich möchte nicht! Ich möchte mein Bad wieder!“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare