Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl
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Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl

Corona-Entscheidung um Kinder

„Superman Söder“: CSU-Bürgermeister wettert heftig - und will gegen „diesen Schmarrn ankämpfen“

  • Katharina Haase
    VonKatharina Haase
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Richard Reischl, Bürgermeister der Gemeinde Hebertshausen und CSU-Mitglied, ist äußerst unzufrieden mit der Corona-Politik seiner Partei. In einem Facebook-Post wird er nun deutlich.

Hebertshausen - Dass die Corona-Politik der CSU, angeleitet durch Ministerpräsident Markus Söder, durchaus Raum zur Diskussion bietet, ist nicht neu. Dass sie einen erfahrenen und bemühten Bürgermeister zu Überlegungen am Parteiaustritt anregt, ist allerdings bisher nicht vorgekommen. Bis gestern.

Richard Reischl (CSU), seit 2014 Bürgermeister der Gemeinde Hebertshausen im Landkreis Dachau und leidenschaftlicher Kritiker seiner Partei, machte am Mittwoch, 7. Juli, in einem langen und scharf formulierten Facebook-Post seinem Unmut über die Söder-Regierung Luft. Stein des Anstoßes war ein Thema, das in den letzten Tagen bereits in allen bayerischen Kommunen für rege Debatten gesorgt hatte: Die Anschaffung von Raumluftgeräten an allen bayerischen Schulen und Kitas, gefördert mit 200 Millionen Euro durch den bayerischen Staat. Ein Versprechen, das Reischl aus gleich mehreren Gründen wütend macht.

Corona: Bayern will Luftreiniger in allen Klassenzimmern - Bürgermeister wettert heftig gegen Entscheidung

So habe die Staatsregierung bereits im Vorjahr 50 Millionen Euro in Raumlüfter investieren wollen, jedoch seien nur wenige Geräte wirklich beschafft worden. Grund dafür sei, dass laut einhelliger Expertenmeinung das regelmäßige Durchlüften in Klassenräumen nicht durch solche Lüftungsanlagen ersetzt werden könne. Der Staat würde also 200 Millionen investieren und die Kinder am Ende trotzdem im Kalten sitzen, so Reischl in seinem Post. Zudem habe das Kultusministerium bereits angekündigt, dass trotz der teuren Raumlüfter Maskenpflicht und Wechselunterricht nicht pauschal aufgehoben werden könnten.

Die meisten Eltern seien maximal verunsichert, so Reischl, der selbst Vater zweier Töchter ist. Die Investition in Raumlüfter sieht er als einen Versuch, die erregten Gemüter zu besänftigen, um kurz vor der Bundestagswahl zu vertuschen, dass die CSU-Regierung mit der bisherigen Corona-Politik im Hinblick auf Schulen und Kitas eher „eine goldene Himbeere verdient hat, als einen Oscar“. Dabei sei der Nutzen nicht erwiesen, der Stromverbrauch hingegen enorm, vor allem, wenn mehrere Geräte pro Klassenzimmer benötigt würden. Auch die Kosten für eine regelmäßige Wartung blieben letztlich an den Kommunen hängen, bemängelt Reischl.

„Superman Söder“ und falsche Versprechen: Hebertshauser Bürgermeister macht seiner Wut auf die CSU Luft

„Superman Söder“ habe Luftreiniger in allen Klassenräumen versprochen - das seien weit über 200.000 Stück. Zugesagt haben Hersteller bislang rund ein Zehntel dessen, erläutert Reischl und wettert gegen den Ministerpräsidenten: „Wer mit der Angst der Menschen versucht Politik zu betreiben ist ein Zündler.“ Ohne Beweise für deren Wirksamkeit derartige Unsummen in die Luftreiniger zu investieren, hält er für falsch, da es seinem geleisteten Eid widersprechen würde, verantwortungsvoll mit den ihm übertragenen Aufgaben und Steuermitteln umzugehen. Mit seiner Meinung steht Reischl diesbezüglich bei Weitem nicht alleine da. Zahlreiche Landes- und Kommunalpolitiker hatten sich bereits öffentlich gegen die Beschaffung der Luftreiniger ausgesprochen.

Andere wiederum, wie Eijnder Mier, Experte für Luftreinigungsgeräte aus dem Landkreis Erding, halten die Anschaffung für sinnvoll. Auch Professor Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg gilt als starker Befürworter der Luftreiniger. Dass das reine Öffnen der Fenster genauso gut oder gar besser wirke, hält er „für totalen Unsinn.“

Parteiaustritt? Bürgermeister Richard Reischl will weiter gegen „Schmarrn“ der CSU-Regierung ankämpfen

Letztlich ruft Reischl die CSU dazu auf, sich endlich auf Taten zu besinnen, als falsche Versprechungen abzugeben. „Wir wollen keine Märchen, sondern a gscheide Politik“ so Reischl. Er selbst werde, trotz allen Unmuts, der Partei treu bleiben, da er nicht gehen wolle, wenn es schwierig wird, sondern „gegen diesen Schmarrn ankämpfen“. Er wolle erst aufgeben, wenn sich etwas ändert - oder er nicht mehr kann. Reischl selbst ist tatsächlich seit Langem für seine kritischen Äußerungen an seiner Partei bekannt. Bereits 2018 hatte er öffentlich mit dem Parteiaustritt gedroht, da ihm die Argumentation der CSU in punkto Asylpolitik zu fremdenfeindlich war. Auch mit der Bildungspolitik des Freistaats haderte Reischl bereits schwer. Im vergangenen Jahr schrieb er deshalb einen offenen Brief an Kultusminister Michael Piazolo. Schon vor seinem Amtsantritt als Bürgermeister im Jahr 2014 hatte Reischl bereits in einem Interview geäußert, nicht immer konform mit der Politik der CSU zu gehen. Dieser Einstellung blieb der engagierte Kommunalpolitiker bislang treu. Sein aktueller Facebook-Post trägt den Titel: „Damals wie Heute - Das hadern mit der CSU!“ kah

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