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Hebertshauser Gemeinderäte diskutieren kontrovers über moderne Lichtinstallation an der Aussegnungshalle

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Von: Petra Schafflik

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 An der langen Außenwand der Aussegnungshalle (links) soll der Schriftzug „Das Leben geht – die Liebe bleibt“ angebracht werden. 
 An der langen Außenwand der Aussegnungshalle (links) soll der Schriftzug „Das Leben geht – die Liebe bleibt“ angebracht werden.  © Petra Schafflik

Passt eine moderne Lichtinstallation als Kunstwerk zum Ensemble von Sankt Georg? Mit dieser Frage setzte sich der Hebertshauser Gemeinderat auseinander.

Hebertshausen –In seiner ersten Sitzung im neuen Jahr hat der Gemeinderat von Hebertshausen intensiv über eine Lichtinstallation an der Außenwand der Aussegnungshalle von Sankt Georg diskutiert.

Dass ein Kunstwerk dort an der Aussegnungshalle angebracht wird, ist Teil des Gesamtprojekts „Sankt Georg“, erinnerte Bürgermeister Richard Reischl (CSU). Dieses inzwischen abgeschlossene Vorhaben, bei dem Erzdiözese und Gemeinde eng zusammengearbeitet haben, umfasste die Sanierung von historischem Gotteshaus, von Kirchmauer und -treppe wie auch Leichenhaus, das in die Friedhofsmauer integriert wurde. Genau dort, an der langen, nüchternen Außenwand der erneuerten Aussegnungshalle, soll nun eine Lichtinstallation des Künstlers Alexander Stern angebracht werden.

Vorgeschlagen wurde diese Kunstform wie auch der im niederbayerischen Mitterfels ansässige Künstler von Diözesanbaumeister Hanns-Martin Römisch, der auch die Sanierung des denkmalgeschützten Gotteshauses betreut hat. „Die Gemeinde hat sich da stark zurückgehalten, das ist eher Sache der Kirche“, so Reischl.

Wie die Lichtinstallation aussehen könnte, erläuterte der Künstler den Gemeinderäten. Blau eingefärbte Lichtröhren bilden nach seinem Entwurf den mäandernden Schriftzug: Der Körper geht – die Liebe bleibt. Die beiden Halbsätze sollen, so die Idee von Stern, zwei Bögen samt Kreuz verbinden, die Bezug nehmen zum christlichen Umfeld und zum Alpenpanorama, das sich vom Kirchberg aus bietet. Die Schrift ist durch die farbigen Röhren tagsüber auf der weißen Wand gut lesbar und wird im Dunkeln leuchten.

Ein Vorschlag, der Fragen wie auch Widerspruch auslöste. Wie lange die Schrift nachts leuchten solle, fragte Caroline Heinz (SPD). „Denn es gibt dort auch Anwohner.“ Sorgen wegen Vandalismus macht sich SPD-Fraktionsvorsitzende Marianne Klaffki.

Die Leuchtdauer lasse sich per Dämmerungsschalter und Zeitschaltuhr beliebig steuern, erklärte Stern. Die Schrift, die in etwa vier Metern Höhe angebracht würde, „lässt sich nicht schützen“, räumte der Bürgermeister ein. Aber in 20 Jahren und bei rund 50 Projekten habe es nur einen Fall gegeben, bei dem ein Bierkrug in einer Leuchtschrift gelandet sei, erklärte Stern. „Sonst ist nie etwas kaputt gegangen.“

Für inhaltlich gelungen hält Christian Michal (FBB) den Entwurf, doch der Schriftzug wirke „wie von einer älteren Person oder einem Grundschüler geschrieben“. Die Schrift soll wegen der Krümmung der Wand „mäandern“, so Stern. „Aber es muss nicht so zittrig bleiben.“ Moderne Kunst ja, aber eine Leuchtschrift am Friedhof, „wo nachts kein Mensch hingeht“, das hält Simone Stifter (CSU) für wenig sinnvoll. Inhaltliche Kritik äußerte CSU-Ortsvorsitzender Clemens von Trebra. „Der Körper geht – das stimmt mit der Theologie nicht überein.“

Auch anderen Räten missfiel diese Formulierung. Mehr Zuspruch fand die Alternative: „Das Leben geht –die Liebe bleibt“. Diese hatte Peter Wackerl vom Sankt-Georgs-Verein in einem Vorgespräch eingebracht, wie der Bürgermeister erklärte. Der Schriftzug „gefällt mir gut, aber das Blau wirkt kalt“, befand Johann Böswirth (CSU). Bei der Farbwahl habe er sich an den neuen, farbigen Glasfenstern von Sankt Georg orientiert, erklärte Künstler Stern. Nun soll nach dem Vorschlag von Böswirth ein wärmeres Blau gesucht werden, der Künstler sich vielleicht auf das historische Fenster im Leichenhaus beziehen.

Neben Kritik im Detail gab es auch grundsätzlichen Widerspruch. Denn einige Räte lehnen eine Lichtinstallation als unpassend ab. „Ein grell leuchtender Schriftzug an einer tristen Mauer, das gefällt mir einfach nicht“, erklärte Caroline Heinz, der eine andere Kunstform, „vielleicht ein Mosaik“, lieber wäre.

Die SPD-Gemeinderätin war mit ihrer Ablehnung nicht allein, wie die Abstimmung zeigte. Nur mit knapper Mehrheit von elf Stimmen entschied sich der Gemeinderat für eine Lichtinstallation als Kunstwerk. Der Schriftzug wird „Das Leben geht – die Liebe bleibt“ lauten. Der Künstler wird nun den Entwurf mit alternativen Farbvorschlägen überarbeiten.

Die kontroverse Debatte überraschte Bürgermeister Reischl nicht. „Kunst ist streitbar“, sagte der Rathauschef, dem von vornherein klar war, dass es keinen Vorschlag geben werde, der allen gefällt. „Es ist gut, wenn man sich daran stößt.“ Womöglich werde das Kunstwerk, einmal an Ort und Stelle installiert, doch noch die Kritiker überzeugen – und, so Reischl, „zur Versöhnung und Freude aller beitragen“.

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