Schwarzbau in Hebertshausen

Der Fremdkörper vom Eichenberg - Gemeinderäte sind gegen Projekt von Villenbesitzer

Der Hebertshauser Bauausschuss hat das ohne Genehmigung begonnene Vorhaben zum Umbau der Villa eines Unternehmers Am Eichenberg vom Tisch gewischt. Was zusätzlich herauskam: Der nachträglich eingereichte Bauantrag entspricht nicht den Tatsachen.

„Wie ein Fremdkörper“: Der Villenbesitzer ließ eine fast 20 Meter lange Stützmauer errichten und zahlreiche Bäume fällen – alles ohne Genehmigung. Unser Foto entstand vor knapp zwei Wochen.

VON PETRA SCHAFFLIK

Hebertshausen – Die Debatte im Bauausschuss war kurz, das Ergebnis einstimmig: Die riesige Mauer, der großzügige Freisitz und ein aus dem Hang herausragender Infinity-Pool – dieses Bauprojekt auf dem Hanggrundstück Am Eichenberg 26 lehnen die Gemeinderäte ab. Denn in der kleinen Wohnstraße fügt sich so ein massives Bauwerk nicht in die Eigenart der Umgebung, wie es das Baugesetz vorschreibt.

Das ungewöhnliche Vorhaben hatte in den vergangenen Wochen bereits für Unmut im Ort gesorgt. Denn auf dem Villen-Grundstück waren ohne Genehmigung bereits ein Kran aufgestellt, uralte Eichen gefällt und eine über vier Meter hohe Betonmauer gegossen worden. Nach einem Ortstermin hat das Landratsamt im September den Bau eingestellt. Die Behörde forderte vom Eigentümer einen Bauantrag, der nun den Gemeinderäten zur Beratung vorlag. Und prompt abgelehnt wurde. Allerdings: Das Veto aus Hebertshausen ist zwar ein klares Signal. Doch die endgültige Entscheidung über die Baugenehmigung wird als zuständige Behörde das Landratsamt treffen.

Schon vor der Sitzung trafen sich die Kommunalpolitiker am frühen Dienstagabend zum Ortstermin. Kritische Blicke gingen in der beschaulichen Wohnstraße hinauf zur wuchtigen Mauer, die mit über 19 Metern über die gesamte Grundstücksbreite geht. Der Bauplan ließ erkennen, dass das geplante Schwimmbad aus einer Aussparung in der Betonwand heraus noch über den Hang herausragen soll. Für Kopfschütteln sorgte dann der Hinweis von Bürgermeister Richard Reischl (CSU), dass der jetzt nachträglich eingereichte Plan nicht den Tatsachen entspricht. So werde die Abstandsfläche zum Nachbargrundstück nicht eingehalten, die Mauer ist tatsächlich 40 Zentimeter höher und der Hang viel steiler, als in der Planskizze vermerkt.

Doch zu entscheiden blieb, ob – abgesehen von den Fehlern im Plan – das Vorhaben grundsätzlich genehmigt werden könnte. Das Villen-Grundstück, Eigentümer ist der ortsansässige Unternehmer Josef Wörmann junior, liegt in einem Gebiet ohne Bebauungsplan. Bauvorhaben können dort nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs genehmigt werden, sofern sie sich „einfügen“. Doch das ist beim aktuellen Projekt nicht der Fall, so das Fazit der Bauverwaltung. Stützmauern dürfen im Umkreis maximal zwei Meter hoch sein. Die schon errichtete Wand, mehr als doppelt so hoch und fast 20 Meter breit, wirke „wie ein Fremdkörper“. Das Maß der baulichen Nutzung, so das Urteil der Baufachleute, „ist in Bezug auf die Höhe der Einfriedung nicht erfüllt“.

Diskussionsbedarf gab es nach dieser klaren Einschätzung im Gremium nicht mehr, allenfalls Erstaunen. „Da fallen mir keine Worte mehr ein“, sagte Martin Gasteiger, FBB-Fraktionssprecher und zweiter Bürgermeister. „Der Bauherr baut ohne Genehmigung und reicht dann einen Plan ein, der nicht stimmt.“ Johannes Böswirth (CSU) empfahl, „der Architekt sollte noch mal in die Schule gehen“.

Schade findet Florian Zigldrum (CSU), „dass der Eigentümer nicht vorab das Gespräch gesucht hat, mit der Gemeinde kann man immer reden.“ Er warnte vor dem falschen Zeichen, wenn jetzt ein Bau nachträglich genehmigt werde. Das könnte Nachahmer fördern, „das dürfen wir auf keinen Fall machen“. Rathauschef Reischl stimmte ihm zu. „Das wäre auch ein wahnsinniges Signal für die Umgebung.“ Denn erst kürzlich habe die Gemeinde zwei Bauherrn dort gezwungen, ihre geplanten Vorhaben „geringer auszuführen“. Das jetzt geplante Projekt füge sich nicht ein, „wir können nicht anders entscheiden“.

Entsetzt äußerte sich Elke Fiedel (CSU), „dass man überhaupt Baufirmen organisieren kann, die so was ohne Genehmigung machen“. Sie hoffe, „dass nun Gemeinde und Landratsamt eine Linie finden, dass das geheilt werden kann“.

Doch alles wird sich nicht wieder gut machen lassen. Denn im Zuge der Bauarbeiten wurden eine Baumreihe mit alten Eichen und weitere Gehölze entfernt, Buchen so gekappt, dass sie nach Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt (UNB) eingehen werden. Gerade die uralten Eichen sind enorm prägend in dem Gebiet, betonte Bürgermeister Reischl. Auch wenn die Fällungen den Tatbestand der Ordnungswidrigkeit erfüllen, wenn die Naturschutzbehörde bereits umfassende Neupflanzungen angeordnet hat: „Die Eingriffe in die Natur sind so massiv, das ist nicht zu heilen!“

Rubriklistenbild: © Habschied

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