Eine Frau im Rollstuhl fährt auf einem Weg.
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Mühsamer Weg zur Arbeit: Josefine Irlenborn legt jeden Tag mit ihrem Rollstuhl fünf Kilometer von Hebertshausen nach Dachau zurück. Von dort geht es dann barrierefrei mit dem Bus zum Bahnhof.

Aufzug an der S-Bahn-Station kaputt

Hebertshauser Rollstuhlfahrerin muss jeden Tag fünf Kilometer zur nächsten Bushaltestelle zurücklegen

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Die Hebertshauserin Josefine Irlenborn legt zur Zeit mit ihrem Rollstuhl eine Strecke von fünf Kilometern zur nächsten Bushaltestelle in Dachau zurück: weil der Aufzug am S-Bahnhof in Hebertshausen defekt ist.

  • Josefine Irlenborn aus Hebertshausen ist Rollstuhlfahrerin.
  • Jeden Tag muss sie fünf Kilometer bis zur nächsten Bushaltestelle fahren.
  • Und das nur, weil der Aufzug der S-Bahn-Station Hebertshausen defekt ist.

Hebertshausen – Der tägliche Weg zur Arbeit ist für Josefine Irlenborn seit einigen Wochen mühsam. Statt am S-Bahnhof in ihrem Wohnort Hebertshausen den Zug zu nehmen, legt die junge Frau, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, erst einmal fünf Kilometer in ihrem Rolli zur nächstgelegenen Bushaltestelle im benachbarten Dachau zurück. Erst von dort geht es dann barrierefrei im Linienbus zum Bahnhof der Kreisstadt und weiter mit der S-Bahn an ihren Arbeitsplatz in Sendling. „Grauenhaft“, sagt die junge Frau. Ursache für ihre tägliche Mühsal: In Hebertshausen ist der Lift zum Bahnsteig am S-Bahnhof defekt.

Seit 8. August können Fahrgäste, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, die S-Bahn dort nicht nutzen. Josefine Irlenborn ist nicht die einzige, die auf den Lift angewiesen sind. Auch Eltern mit Kinderwagen, Senioren und Bürger, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, benötigen die Aufstiegshilfe. Nun haben als Behindertenbeauftragte der Gemeinde, Tanja Patti und Yvonne Irlenborn, das Problem aufgegriffen. Beide sind Mütter von Kindern mit Handicap und setzen sich seit Mai ehrenamtlich in Hebertshausen für Menschen mit Behinderung ein. In Sachen Bahnhofs-Lift haben sie jetzt an die Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn geschrieben. „Denn uns erreichen täglich Anrufe mit der Bitte um Unterstützung von Bürgern, die sich alleine gelassen fühlen“, teilen die Behindertenbeauftragten mit. Dabei gibt die Deutsche Bahn in ihrer Broschüre „Reisen für alle“ eine umfassende Zusage: „Egal ob jung oder alt, ob körperlich uneingeschränkt mobil oder mobilitätseingeschränkt, die Bahn macht mobil, und zwar alle Menschen, ohne Ausnahme“, heißt es dort. Ein Versprechen, das für Hebertshausen offenbar nicht gilt.

Defekter S-Bahn-Aufzug in Hebertshausen: Es ist nicht das erste Mal, dass der Lift streikt

Denn es ist nicht das erste Mal, dass der Lift am S-Bahnhof dort streikt. Ganz im Gegenteil, Ausfälle sind an der Tagesordnung. Seit Jahren vergeht keine Bürgerversammlung, in der nicht über den unzuverlässigen Lift geklagt wird. Im vorigen Frühjahr gab es mehrere Störungen, verursacht durch Vandalismus, im Herbst blieb ein Servicetechniker im Aufzug stecken. Danach war der Lift acht Wochen lang außer Betrieb. Damals war der Unmut im Dorf so groß, dass Bürger eine Demo am Bahnhof organisierten.

Schon wieder seit Wochen defekt: der Aufzug am Bahnhof Hebertshausen.

Nun also wieder eine wochenlange Störung. Tatsächlich werde „der größte Teil aller Aufzüge innerhalb kürzester Zeit, meist noch am gleichen Tag, instandgesetzt“, teilt ein Bahnsprecher auf Anfrage der Dachauer Nachrichten mit. Auch in Hebertshausen habe im ersten Halbjahr „die Verfügbarkeit bei über 99 Prozent“ gelegen. Jetzt allerdings warten die Bahn-Nutzer schon vier Wochen auf die Reparatur. Ursache für die Störung, so der Bahnsprecher, seien „beschädigte Komponenten im Türbereich, die ersetzt werden müssen.“ Bahn-Techniker arbeiteten „mit Hochdruck an der Behebung“. Nach aktuellem Stand, so die Bahn, werde der Aufzug „im Laufe der nächsten zwei Wochen wieder in Betrieb genommen“.

S-Bahn-Aufzug in Hebertshausen seit Wochen kaputt: Informationsfluss der Deutschen Bahn ist unzufriedenstellend

Doch allein mit der Reparatur ist es nicht getan, finden Tanja Patti und Yvonne Irlenborn. Sie monieren auch den Informationsfluss seitens der Deutschen Bahn als „unzufriedenstellend“. Eine konkrete Auskunft, bis wann der Lift wieder funktioniert, ist nämlich für Reisende nicht zu bekommen, kritisiert Patti. Außerdem würden die Behindertenbeauftragten begrüßen, wenn die Bahn „Alternativangebote an die Hand geben würde“.

Der Tipp des Bahnsprechers, mobilitätseingeschränkte Reisende könnten den barrierefreien Bahnhof in Dachau zum Ein- und Ausstieg nutzen, hilft Betroffenen wenig. Denn ein Hinweis, wie die Reisenden mit Handicap dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf zumutbarem Weg nach Dachau kommen sollen, fehlt. Die Behindertenbeauftragten wollen daher auch wissen, ob die Bahn Kosten erstattet für einen Fahrdienst zum nächstgelegenen barrierefreien Bahnhof. Eine Antwort haben sie aber von der Bahn noch nicht erhalten.

Kaputter Aufzug an der S-Bahn-Station Hebertshausen: Grundlegende Veränderung sind nötig

Die auf den Rollstuhl angewiesene Josefine Irlenborn jedenfalls ist überzeugt, dass von empfindlicher Technik unabhängige Lösungen her müssten. Auch Behindertenbeauftragte Tanja Patti hält grundlegende Veränderungen für notwendig. „Es braucht ein robusteres, weniger störanfälliges System.“

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