Das alte Schulhaus in Prittlbach könnte Platz bieten für eine viergruppige Kita.
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Das alte Schulhaus in Prittlbach, erweitert um einen flachen Anbautrakt im Nordwesten in Richtung Dorfanger, könnte Platz bieten für eine viergruppige Kita.

„Die Kapazitäten sind erschöpft!“

Hebertshausen hat zu wenig Kinderbetreuungsplätze – Kita in Prittlbach geplant

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Junge Familien ziehen zu, die Geburtenzahlen steigen, mehr Eltern wünschen sich eine Betreuung für ihren Nachwuchs. Die Folge dieser Entwicklung, die der Hebertshauser Bürgermeister Richard Reischl jetzt im Gemeinderat mit aktuellen Einschreibezahlen und Daten aus dem neuen Kita-Bedarfsplan unterlegte: Alle Einrichtungen im Ort sind im neuen Kindergartenjahr voll belegt. Für Mädchen und Buben, die unter dem Jahr zuziehen, gibt es dann keinen Platz.

Hebertshausen/Prittlbach – Und für kommende Jahre zeichnet sich ein steigendes Defizit ab, besonders Kindergarten- und Hortplätze werden fehlen. „Die Kapazitäten sind erschöpft“, erklärte der Rathauschef. So eng war es in Hebertshausen bisher nicht, „wir hatten noch nie eine Warteliste“. Die Gemeinde will deshalb sofort reagieren. Sofern das notwendige Personal gefunden werden kann, wird wohl ab Januar eine Notgruppe eingerichtet.

Und Hebertshausen plant eine weitere Einrichtung. Mögliche Standorte hat Architekt Thomas Wallner bereits im Auftrag der Verwaltung untersucht. Das Ergebnis, das er den Gemeinderäten präsentierte: Zeitnah könnte in Prittlbach das alte Schulhaus mit einem Anbautrakt zur viergruppigen Kita umgebaut werden. Ein Vorschlag, der auf viel Zuspruch und ein wenig Skepsis stieß. Im Mai soll über das Vorhaben entschieden werden.

Im Gemeinderat war unumstritten, dass die Gemeinde handeln muss und einem ersten Projekt zeitnah ein zweites folgen muss, wie Marianne Klaffki (SPD) mahnte. „Der Bedarf kann exponentiell wachsen, die Realität wird uns da einholen.“ Auch Clemens von Trebra (CSU) pflichtet bei: Gleich nach der Einweihung einer sofort geplanten Einrichtung, „müssen wir uns rasch Gedanken machen, wie es weitergeht“. Unstrittig war auch, dass flexibel für Krippe oder Kindergarten nutzbare Räume gewünscht werden.

Zudem soll die neue Einrichtung inklusiv ausgelegt sein, betonte Bürgermeister Reischl. Denn in der Elternbefragung, die Teil des Bedarfsplans ist, fragten 16 Familien nach dieser Betreuungsform. „Aber wir haben bisher keinen einzigen Platz.“

Wo aber kann die dringend benötigte Kita entstehen? Vier Standorte hat Architekt Thomas Wallner untersucht: In Prittlbach wird das 1908 als Schule errichtete Gebäude frei, da die zuletzt dort untergebrachten Vereine ins neue Dorfgemeinschaftshaus umziehen. Alternativ könnte auch eine Kita neu gebaut werden, etwa im geplanten Wohngebiet am Hofanger oder auf dem Areal der alten Holzschleiferei, beide in Hebertshausen. Ein Verbindungsbau zwischen Schule und Kinderhaus wäre ebenfalls denkbar.

Für alle Optionen hat Wallner Kosten geschätzt, Parkplätze, Zufahrt und zeitliche Umsetzbarkeit bewertet. Als „Sieger“ ging aus dieser kleinen Machbarkeitsstudie die ehemalige Schule in Prittlbach hervor. Der zweigeschossige Altbau könnten mit einem flachen Anbautrakt Richtung Dorfanger ergänzt und mit einem Aufzug barrierefrei gestaltet werden. Die Kosten beziffert Wallner überschlägig mit 3,1 Millionen Euro. Die Kita wäre die erste im Dorf, die übrigen Einrichtungen der Gemeinde sind in Hebertshausen und Ampermoching angesiedelt. Wichtiger Trumpf: Anders als die übrigen Optionen könnte diese Kita schon Ende 2023 bezugsfertig sein.

„Großen Charme“ attestierte Marianne Klaffki (SPD) dem Umbau des alten Schulhauses. Als historische Chance und Aufwertung des Ortsteils bezeichnete Reischl die Variante. Gerade das dezentrale Angebot sei „perfekt, das freut mich für Prittlbach“, sagte Simon Wallner (CSU). Der ins abfallende Gelände integriert Anbau wirke „dezent und sehr gelungen“, betonte Clemens von Trebra (CSU).

Doch gerade die Gemeinderäte aus Prittlbach sind nicht überzeugt. Zu massiv könnte der Anbau wirken, befürchtet Lukas Pallauf (FBB). Damit werde das „idyllische Ensemble mit Schulhaus, Kirche und Dorfanger zerstört“, sorgt sich Monika Gasteiger (CSU). „Die Lage dort ist eine Oase.“ Lieber sähe sie eine Sanierung nur des Schulhauses für eine kleine Kita. „Der Anger in Prittlbach ist etwas Einmaliges“, pflichtete Gabriele Michal (FBB) bei.

Doch Prittlbach wachse, da werde auch soziale Infrastruktur notwendig, entgegnete Caroline Heinz (SPD). Und schon finanziell mache eine kleine Einrichtung keinen Sinn. Reischl warnte, die Idee „nicht im Vorfeld zu zerreden“. Sobald ein Entwurf vorliegt, werde der im Dorf präsentiert. Eines aber sei klar: „Den Luxus, nichts zu verändern, können wir uns nicht leisten.“

Schon im neuen Kindergartenjahr wird’s eng

Schon im neuen Kindergartenjahr wird es erstmals eng mit Betreuungsplätzen in Hebertshausen: Danach sind ab September im Waldkindergarten alle 20 Kindergarten- und zehn Krippenplätze belegt. Es gibt eine Warteliste mit je drei Familien von außerhalb.

Der Kindergarten St. Georg kann alle Kinder aufnehmen, die bis September drei Jahre alt sind, jüngere stehen bereits auf einer Warteliste. Ähnlich ist die Situation in St. Peter in Ampermoching: Alle Dreijährigen kommen unter, doch schon Mädchen und Buben mit Geburtstag im September müssen auf die Warteliste, die neun Namen umfasst. Auch die Krippe im Kinderhaus Weltentdecker ist belegt, die 44 Plätze in St. Peter werden ebenfalls ausgebucht sein.

Noch fehlen dort zum Betrieb aller vier Gruppen aber pädagogische Kräfte. Mitarbeiter zu finden für die gemeindliche Einrichtung, „ist unser größtes Problem“, sagt Bürgermeister Richard Reischl. Als Nachteil erweise sich bei der Personalsuche, das erläuterte Leiterin Gabriele Giosele im Gemeinderat, dass Ampermoching mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht erreichbar ist. ps

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