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Gemeinde will eigene Energie aus Sonne und Wind erzeugen

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Von: Petra Schafflik

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Die Kläranlage in Hebertshausen ist mit jährlich 260 000 Kilowattstunden der größte Stromverbraucher der Gemeinde.
Die Kläranlage in Hebertshausen ist mit jährlich 260 000 Kilowattstunden der größte Stromverbraucher der Gemeinde. © ps

Strom selbst erzeugen: Gemeinde Hebertshausen gründet neues Kommunalunternehmen

Hebertshausen – Selbst Strom und Wärme erzeugen aus erneuerbaren Energien, und das möglichst schnell: Mit diesem Ziel gründet Hebertshausen jetzt ein „Kommunalunternehmen Energie Hebertshausen“ (KEH). Für diesen Schritt gebe es „keinen besseren Zeitpunkt als jetzt“, betonte Bürgermeister Richard Reischl (CSU) in der letzten Sitzung des Gemeinderats vor der Sommerpause.

Aktuell werde die Abhängigkeit von fossilen Energiequellen aus Nicht-EU-Mitgliedsstaaten offenkundig, zudem stiegen die Preise rasant. Aus umwelt- wie sozialpolitischen Erwägungen heraus sehe sich daher die Gemeinde verpflichtet, die lokale regenerative Energieerzeugung wie auch Energieversorgung zu intensivieren.

Konkret umsetzen soll dieses Ziel ein neues Kommunalunternehmen. Im siebenköpfigen Verwaltungsrat des KEH werden neben dem Bürgermeister als Vorsitzendem drei Gemeinderäten sowie drei externe Experten sitzen. Ein noch zu bestellender Geschäftsführer wird sich als erstes darum kümmern, ein Energiekonzept für den Ort zu erstellen.

Konkrete Projekte gibt es in dieser Phase natürlich noch nicht, aber doch recht klare Vorstellungen: Photovoltaik-Anlagen sollen auf den Dächern gemeindlicher Einrichtungen und auch als Freiflächen-Vorhaben entstehen, daneben Wasser und Wind als Energiequellen genutzt werden. „Wir müssen uns zeitnah Gedanken machen über Windenergie, dabei allerdings die Bürger von Anfang an mitnehmen.“

Im Blick hat man auch ein Nahwärmenetz, in das verschiedene Energiequellen von Hackschnitzel- und Biogasanlagen bis Geothermie einspeisen würden. „Am Ende des Tages soll Hebertshausen autark werden, Strom und Wärme vollständig auf eigenem Gemeindegebiet erzeugen“, betont der Rathauschef.

Wie das anderswo schon funktioniert, darüber hat sich der Gemeinderat bei einem Besuch in der oberbayerischen Gemeinde Fuchstal (Landkreis Landsberg am Lech) informiert. Dort ist man mit Photovoltaik-Anlagen, Wasserkraftwerk, Bürger-Windpark, Biogasanlagen und einem innovativen Fernwärmenetz bereits recht weit in Sachen autarker Energieversorgung.

Vor diesem Hintergrund unterstützen Fraktionen in Hebertshausen die Gründung des neuen Kommunalunternehmens. „Aber es geht nicht, ohne dass die Bürger begeistert sind“, betonte Marianne Klaffki (SPD), die deshalb gerade für Genossenschaften eine große Chance sieht. Jetzt heiße es: „Gas geben, es ist der richtige Schritt.“ Auch Martin Gasteiger (FBB) unterstützt das Vorhaben. „Gerade bei Windkraft sollten wir auf interkommunale Projekte setzen.“ Aktuell sei ein Wärmenetz Hebertshausen „noch sehr weit weg“, sagte Stefan Ruhsam (CSU). „Aber irgendwann braucht es einen ersten Schritt, und den tun wir heute“.

Einstimmig wurde das Kommunalunternehmen Energie Hebertshausen mit einem Stammkapital von 100 000 Euro auf den Weg gebracht. Als externe Experten für den Verwaltungsrat konnten der Schwabhausener Ingenieur für Energietechnik Thomas Böswirth und Max Götz aus Markt Indersdorf, Experte für die energetische Nutzung nachwachsender Rohstoffe, gewonnen werden. Für den dritten, noch vakanten Expertenposten wäre eine Person ideal, „die in der Windkraft zuhause ist“, so der Bürgermeister. Der Verwaltungsrat mit Bürgermeister Richard Reischl als Vorsitzendem wird in der Gemeinderatssitzung im September offiziell benannt.

Erste wichtige Aufgabe ist dann die Bestellung eines qualifizierten Geschäftsführers. Die Ausschreibung dieser Position will Rathauschef Reischl noch vor der Sommerpause veranlassen. „Wir wollen keine Zeit verlieren.“

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