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Städtebaulicher Ideenwettbewerb in Hebertshausen: Siegerentwurf findet breite Zustimmung in der Jury

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Von: Petra Schafflik

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Zwei Männer neben einer Tafel, hinter ihnen zwei Plakate
Präsentierten den Siegerentwurf: Bürgermeister Richard Reischl (l.) und der Preisgerichtsvorsitzende Professor Martin Schirmer. © Petra Schafflik

Wichtige Weichen sind jetzt gestellt für die künftige Entwicklung von Hebertshausen: Das Büro Grassinger Emrich Architekten mit Kübertlandschaftsarchitektur konnte die Jury beim städtebaulichen Ideenwettbewerb überzeugen.

Hebertshausen – Das Büro Grassinger Emrich Architekten mit Kübertlandschaftsarchitektur, München, ging bei der Sitzung des Preisgerichts am Mittwoch als erster Preisträger hervor im städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb, den die Gemeinde bekanntlich für die 26 Hektar große, zentrale Fläche mitten im Dorf ausgelobt hatte. Verbunden damit war ein Realisierungsteil, der für das Gebiet der Alten Holzschleiferei konkretere Vorschläge entwickeln sollte.

Das Münchner Büro setzte sich mit seinem Siegerentwurf durch gegen elf Mitbewerber aus Deutschland, Spanien, Italien und Portugal. Schon recht schnell im Laufe der achtstündigen Sitzung unter Vorsitz des Würzburger Architekten Professor Martin Schirmer hatte sich das Konzept von Grassinger Emrich als „absoluter Spitzenreiter“ herauskristallisiert, so Schirmer im Pressegespräch. Als Vorsitzender des Preisgerichts ist Schirmer kurzfristig eingesprungen für den Dortmunder Architekten Kunibert Wachten, der wie zwei weitere Mitglieder des Preisgerichts kurzfristig absagen musste. Die Entscheidung sei „mit einem absolut einstimmigen Ergebnis gefallen“, betonte Bürgermeister Richard Reischl (CSU). Den Siegerentwurf nennt Professor Schirmer einen „Glücksfall für die Gemeinde“. Die Arbeit gebe auf viele Aspekte „hervorragende Antworten.“

Reischl zeigte sich geradezu begeistert über die Erkenntnisse, die der Wettbewerb geliefert hat. „Jetzt haben wir eine gute Vorstellung, wo der Weg hingeht. Ein Leitfaden für die kommenden Jahrzehnte ist gefunden.“

Fast acht Stunden lang hat das Preisgericht am Mittwoch getagt und alle eingereichten Konzepte anhand von Plänen und Modellen in mehreren Runden bewertet. Grundlage dafür waren Kriterien wie die Verknüpfung des Neuen mit dem Bestand, abwechslungsreiche nicht monotone Wohnflächen, Nutzungsmischung, eine Strategie für ein autoarmes Quartier, kreative Grünflächen und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit. Rasch hat sich dabei der Fokus auf den Siegerentwurf gerichtet. Dieser liefere sowohl für das Gesamtareal wie auch für die als ersten Bauabschnitt geplante Fläche der Alten Holzschleiferei die beste Lösung, betonte Schirmer.

Der städtebauliche Entwurf von Grassinger Emrich sieht für die Wettbewerbsfläche unter anderem vor, den Mühlbach, der aktuell weitgehend unterirdisch verläuft, vollständig zu öffnen. Als „grünes Rückgrat“, von dem aus sich attraktive Grünzüge mit dem Ort verbinden. Überzeugt hat auch die Idee eines Dorfplatzes, der an der Freisinger Straße in etwa gegenüber der Sporthalle vorgesehen ist. „Es könnte sogar sein, dass wir mit dem Dorfplatz beginnen“, sagte der Bürgermeister.

Gefallen fand das Preisgericht an den Ideen zur Alten Holzschleiferei, die als erste angepackt werden soll. Dort werden die baufälligen historischen Gebäude bekanntlich abgerissen. Der Entwurf des Büros Grassinger Emrich „gibt ein Stück weit Geschichte zurück“, so Schirmer. Positiv gesehen wurde auch, dass im südlichen Bereich zur Amper die gewünschten Gewerbeflächen attraktiv entwickelt wurden, „nicht als schnödes Gewerbegebiet, sondern als hochwertige Adresse“. Fazit: Der Siegerentwurf biete eine Struktur, „die einfach aussieht, aber notwendigen Spielraum gibt für die Zukunft.“

Für die Gemeinde Hebertshausen war der städtebauliche Wettbewerb eine Premiere. In die Sitzung des Preisgerichts ging Bürgermeister Reischl deshalb mit „gemischten Gefühlen“. Schließlich gab es durchaus Bedenken im Vorfeld, die Fachleute könnten der Gemeinde „etwas aufdrücken“. Tatsächlich seien in der Beratung aber Argumente und Überlegungen der teilnehmenden Gemeinderäte „ernst genommen und nicht einfach weggebügelt worden“.

Wie geht es konkret weiter? Noch am gestrigen Freitag wurden die Entwürfe dem Gemeinderat in einer Sondersitzung vorgestellt, eine öffentliche Ausstellung für die Bürger ist im August geplant.

Als nächster Schritt gilt es dann, den Wettbewerbssieger mit der Erstellung eines Bebauungsplans für den Teilbereich der Alten Holzschleiferei zu beauftragen. Dort muss der Altbestand abgerissen, vermutlich millionenschwere Altlasten im Boden entsorgt, der Flächennutzungsplan geändert werden, so Bürgermeister Reischl. „Sechs bis acht Jahre werden noch vergehen, bis die ersten Bürger dort wohnen.“

30 Architekturbüros haben Interesse, zwölf Entwürfe werden eingereicht

Über 30 Architekturbüros hatten sich für den städtebaulichen Wettbewerb interessiert. Tatsächlich eingereicht wurden zwölf Entwürfe von Büros aus Deutschland, Österreich, Italien und Portugal. Der Siegerentwurf von Grassinger Emrich Architekten mit Kübertlandschaftsarchitektur, beide München, ist mit einem Preisgeld von 35 000 Euro dotiert. Das Preisgericht war besetzt mit Professor Martin Schirmer, Würzburg, Kreisbaumeister Georg Meier, Professor Christian Schiebel von der Regierung von Oberbayern, Architektin und Stadtplanerin Christina Simon-Philipp, Landschaftsarchitekt Markus Schäf aus München. Als Sachpreisrichter dabei waren Bürgermeister Richard Reischl (CSU), Kreisrätin Marese Hoffmann (Grüne), Gemeinderätin Marianne Klaffki (SPD) und der Energiebeauftragte Karl Lorenz. Beratend dabei waren zwei Mitglieder jeder der drei Gemeinderatsfraktionen sowie Michael Vogl als Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Hebertshausen und Architekt Thomas Wallner.

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