Traurig schaut das betagte Gebäude an der Hebertshauser Ortsdurchfahrt aus. Soll die Alte Holzschleiferei saniert werden? Diese Frage beschäftigt derzeit den Gemeinderat besonders.  Foto: khr
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Traurig schaut das betagte Gebäude an der Hebertshauser Ortsdurchfahrt aus. Soll die Alte Holzschleiferei saniert werden? Diese Frage beschäftigt derzeit den Gemeinderat besonders. Foto: khr

Diskussion um Gebäude an der Hauptstraße in Hebertshausen: Sanierung kostet mindestens 2,5 Millionen

Alte Holzschleiferei: Erhalten oder abreißen?

Soll die Alte Holzschleiferei an der Hauptstraße in Hebertshausen abgerissen oder saniert werden? Im Gemeinderat kamen Fachleute zu Wort.

Hebertshausen – Die „Alte Holzschleiferei“ an der Hebertshauser Ortsdurchfahrt soll saniert werden (wir berichteten). Eine umfassende Instandsetzung- und Umbaumaßnahme würde rund 2,5 Millionen Euro kosten. Das hat Tuan Lingh Nguyen vom Ingenieurbüro Voggenreiter aus München dem Gemeinderat mitgeteilt. Noch ist nicht entschieden, ob das historische Gebäude erhalten werden soll.

Franziska Klepper von der Abteilung Städtebau der Regierung von Oberbayern stellte eine Förderung von 80 Prozent in Aussicht. Möglich wären natürlich auch Teilsanierungen. Auf dem Gelände der Holzschleiferei will die Gemeinde bis zu 100 Wohnungen errichten.

Norbert Bergmann vom gleichnamigen Pfaffenhofener Architekturbüro berichtete in der Sitzung, dass auf dem Areal mindestens seit 1816 eine Mühle gestanden hatte. Der Historiker Gerhard Hanke hat die Geschichte der sogenannten Grubmühle sogar bis ins Jahr 1451 zurückverfolgt.

Im Jahr 1864 erwarb der Ingenieur und Unternehmer Gustav Medicus das Gelände, erzählte Bergmann weiter. Die dortige Holzstofffabrik sollte als Zulieferer für die Münchner-Dachauer Aktiengesellschaft für Maschinen-Papierfabrikation dienen, die Medicus zwei Jahre zuvor geschaffen hatte. Die Holzschleiferei wurde bis Anfang des Zweiten Weltkrieges weiter ausgebaut. 1957 folgte die Stilllegung. Seither wurde am Gebäude nicht mehr viel getan. Die Wohnungen waren einige Jahre noch bewohnt. Aber dann war Schluss, und das Gebäude verfiel zusehends.

Die Zustandsbeschreibung von Tuan Lingh Nguyen war daher nicht verwunderlich. Weite Bereiche des Gebäudes sind feucht. Bei einer Sanierung müssten unter anderem das Dach, die Außenwände, Zwischendecken und die Fenster erneuert werden. Eine Teilsanierung würde rund 675 000 Euro kosten.

Eine Kostenschätzung für einen Abriss konnte er nicht nennen. Franziska Klepper von der Regierung von Oberbayern rechnete allerdings vor, dass jeder Neubau deutlich teurer komme, da die Förderquote wegfiele.

Gemeinderat Clemens von Trebra-Lindenau (CSU) schlug vor, einen Investor ins Boot zu holen. Dazu meine Bürgermeister Richard Reischl, dass ein Investor sowieso notwendig ist. Allein könne die Gemeinde die Investition nicht stemmen, zumal die komplette Entwicklung des Geländes um ein Vielfaches teurer als 2,5 Millionen Euro sei.

Reischl stellte dann die Grundsatzfrage: Wie können wir einen sanierten Bau nutzen? Er könne sich nicht vorstellen, dass das dreigeschossige Gebäude als Ganzes kulturell genutzt werden könnte. Mieteinnahmen aus Wohnungen würden wiederum von der staatlichen Förderung abgezogen.

Marianne Klaffki (SPD) setzte sich in der Diskussion für den Erhalt und die Sanierung des Gebäudes ein. „Wir haben nur sehr wenige historische Gebäude im Ort. Der Mensch braucht Kultur, Geschichte und Symbole.“ Trebra-Lindenau schloss sich der Meinung seiner Kollegin an: „Die Gemeinde hat eine Vorreiterrolle, nicht nur in Umwelt- und Energiefragen, sondern auch und gerade beim Erhalt von historischen Bauten.“

Gegen einen Erhalt stellten sich entschieden Florian Zigldrum (CSU) und der zweite Bürgermeister Martin Gasteiger (FBB). Beide fürchten die Kosten und die Folgekosten.

Eine endgültige Entscheidung über die weitere Vorgehensweise wurde in der Sitzung nicht gefällt. Dies soll bei einer Sondersitzung des Gemeinderates im Oktober passieren.

Klaus Rabl

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