Baustelle, Stützmauer
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Vier Meter hoch, rund 20 Meter lang: Diese Mauer ließ Josef Wörmann junior in seinem Garten errichten – ohne vorherige Genehmigung. Das Landratsamt ließ nun einen Baustopp anordnen.

Landratsamt verhängt Baustopp

„Fort Knox“: Villen-Besitzer baut Riesen-Mauer und haut wertvolle Eichen um - alles ohne Genehmigung

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Ein Hausbesitzer aus Hebertshausen lässt an seiner Villa in diesen Wochen umfangreiche Umbaumaßnahmen tätigen und hat bereits zahlreiche Bäume gefällt – alles ohne Genehmigung.

  • In Hebertshausen hat ein Villenbesitzer den Bau einer Terrasse und eines Swimmingpools in Auftrag gegeben.
  • Dafür holzte eine Firma wertvolle Eichen am Grundstück ab.
  • Beides geschah ohne Genehmigung, die Ämter schritten jetzt ein.

Hebertshausen – Einige Einwohner Hebertshausens blicken in diesen Tagen verwundert auf ein Hausgrundstück in der Straße Am Eichenberg. Denn der Hausbesitzer hat vor ein paar Wochen große Bagger und hohe Kräne auffahren lassen. Er ließ zahlreiche Bäume fällen, eine rund 20 Meter lange und vier Meter hohe Stützmauer hochziehen. Die Terrasse soll neu gestaltet werden, ein Swimmingpool den Villencharakter verstärken. Im Ort machen die Bezeichnung „Fort Knox“ und die Feststellung die Runde, man müsse die Straße in „Am Berg“ umtaufen; das Wort Eichen könne man nun streichen.

Villen-Umbau: Bäume gefällt - ohne Genehmigung

Wie sich jetzt herausstellte, hat Bauherr Josef Wörmann junior, Gesellschafter-Geschäftsführer des europaweit agierenden Anhänger-Spezialisten Wörmann, sein Vorhaben ohne jegliche Genehmigung begonnen.

„Ja, kann der denn machen, was er will“, fragt sich da ein Hebertshauser Einwohner, der von einem „Mammutbauwerk“ spricht. Kann er nicht, sagt das Landratsamt Dachau, das Wind von dem Vorhaben bekommen hat. Die Behörde verfügte eine Baueinstellung.

Bäume gefällt, Schwarzbau begonnen: Arbeiten ruhen jetzt

Wie das Landratsamt weiter mitteilt, sind „Maßnahmen zur Sicherung des Hangs vor dem Abrutschen durch das Bauamt des Landratsamts freigegeben“, so Pressesprecherin Katharina Gall, die Stützmauer dient der Hangsicherung. „Die Bauarbeiten ruhen jetzt bis zur Entscheidung über den Bauantrag“, so Gall; sprich: bis das Vorhaben genehmigt wird oder eben nicht.

Was die Bewertung des Falls aus baurechtlicher Sicht anbelangt, bleibt das Landratsamt in seinen Aussagen sachlich. Was die gefällten Bäume angeht, wird die untere Naturschutzbehörde (UNB) beinahe gefühlsbetont. „Nach unseren Feststellungen wurde im Norden des Grundstücks der aus einer alten Baumreihe mit Eichen und einer Strauchhecke bestehende Gehölzbestand – mit Ausnahme einer Eiche – komplett entfernt. Dieser Gehölzbestand ist im Flächennutzungsplan der Gemeinde Hebertshausen als wertvoller Gehölzbestand dargestellt und hätte aufgrund seiner Randlage zur freien Natur ohne vorherige Ausnahmegenehmigung nicht beseitigt werden dürfen“, so die UNB in einer Stellungnahme, nachdem Mitarbeiter am 18. September das Grundstück unter die Lupe genommen hatten.

Der Baumstumpf einer der abgeholzten Eichen.

Doch damit nicht genug: Wörmann habe laut UNB auch auf dem übrigen Grundstück mehrere Bäume entfernt sowie eine an der Ostgrenze stehende Buchenreihe gekappt bzw. stark eingekürzt. „Die massiven Gehölzschnitte und Fällungen fanden in unzulässiger Weise auch innerhalb der Vogelbrutzeit statt. Es ist hier auch sehr wahrscheinlich, dass der Gehölzbestand neben Niststätten für Vögel auch Spechtlöcher und Höhlen aufgewiesen hat, die von Fledermäusen genutzt wurden“, so die Naturschutzbehörde.   

Wie das Landratsamt weiter mitteilt, habe ein von Bauherr Wörmann beauftragter Fachmann lediglich einen der Bäume in Sachen Artenschutz geprüft – „bei dem aus Gründen der Verkehrssicherung eine dringende Fällung tatsächlich geboten war“, so die UNB.

Villenbesitzer lässt Bäume illegal fällen: Amt fordert Neupflanzungen

Zu schlechter Letzt stellt die Naturschutzbehörde noch folgendes fest: „Der entfernte Gehölzbestand auf dem Anwesen hatte aus Sicht der UNB eine relevante Bedeutung und Schutzfunktion für den Naturhaushalt (Nahrungs- und Lebensraum für Vögel, Fledermäuse, Insekten), für das örtliche Kleinklima und für das Orts- und Landschaftsbild.“ Das Landratsamt fordert nun von Wörmann, „dass die Fällungen und Kappungen der Gehölze vor Ort wieder mittels umfänglicher Neupflanzungen kompensiert werden“.

Bauherr Josef Wörmann junior war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Im Tegernseer Tal sind ähnliche Baumfällaktionen passiert, zum Beispiel auf einem Grund an der Point.

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