SPD-Antrag im Gemeinderat Hebertshausen abgelehnt

Mitfahrbankerl kommt nicht

In mehreren Gemeinden sind sie schon installiert, in Hebertshausen sollen sie nicht kommen. Der Gemeinderat Hebertshausen lehnte den SPD-Antrag auf Mitfahrbankerl ab

VON PETRA SCHAFFLIK

Hebertshausen – In Altomünster, Röhrmoos und Bergkirchen stehen sie schon – die Mitfahrbankerl. Auf dieser Sitzgelegenheit, so die Idee, sollen Bürger Platz nehmen, die eine Fahrgelegenheit benötigen und gerne mitgenommen werden möchten.     Wohin die Reise gehen soll, lässt sich meist über flexible Hinweistafeln dem vorbeifließenden Verkehr signalisieren.

Als Treffpunkt für spontane Fahrgemeinschaften wären Mitfahrbänke auch eine gute Idee für Hebertshausen, findet Marianne Klaffki (SPD), deren Fraktion deshalb im Februar einen entsprechenden Antrag an den Gemeinderat gestellt hat.

Im Gremium wurde nun kontrovers diskutiert, ob das die Lösung ist für mehr Mobilität. Am Ende wurde der Antrag mit knapper Mehrheit mit 11:9 Stimmen abgelehnt.

Zu den Skeptikern im Rat zählte auch Rathauschef Richard Reischl (CSU), der die Mitfahrbank „eine sympathische Idee“ nannte, die aber bei näherer Betrachtung nicht überzeugen könne. Die bereits vorhandenen Mitfahrbänke in anderen Kreisgemeinden wie Röhrmoos oder Altomünster hätten „nicht die Resonanz, die man sich wünscht“.

Zudem gebe es in Hebertshausen neben Linienbus und Anrufsammeltaxi, die beide demnächst noch ausgebaut werden, auch die Nachbarschaftshilfe, die im Jahr 170 Fahrdienste vermittelt. Und das mit dem Vorteil, dass sich dort Fahrer und Passagier kennen, niemand zu einem Fremden einsteigen müsse.

Doch dieses Angebot sei, wie auch das Anrufsammeltaxi, für Menschen, die eine Fahrt planen, erwiderte Marianne Klaffki (SPD). Die Mitfahrbank dagegen könnten Leute für spontane Fahrten nutzen. Etwa wenn nach dem Einkauf im Supermarkt die Tasche für den Fußweg nach Hause ein wenig zu schwer ist. Es gebe auch Gemeinden wie etwa Bad Tölz, wo das System gut funktioniere. „Einen Versuch ist es wert“, so Klaffki, zumal die Kosten überschaubar seien.

Bedenken wurden im Gremium laut, dass Bürger zum Supermarkt mitgenommen werden, aber dann keine Fahrgelegenheit mehr nach Hause finden. So ein Angebot „funktioniert nur am Bahnhof, wenn Reisende den Bus verpasst haben“, entgegnete Florian Zigldrum (CSU). Bei Jugendlichen „hätte ich Sicherheitsbedenken“, ergänzte Monika Gasteiger (CSU). Auch für Senioren seien feste Buszeiten die bessere, da verlässliche Lösung, erklärte Simone Stifter (CSU).

Doch mit zwei, drei passenden Standorten könnte man es ausprobieren, fand Elke Fidel (CSU). „Natürlich braucht man auch Geduld.“ Schließlich schlug der Bürgermeister vor, bei der für Herbst geplanten Umfrage bei den Senioren der Gemeinde auch nach der Akzeptanz für Mitfahrbankerl zu fragen.

Nachdem aktuell durch die Corona-Pandemie so ein Projekt nicht die besten Startbedingungen hätte, plädierte FBB-Fraktionssprecher Martin Gasteiger dafür, das Vorhaben ein Jahr zu schieben. Damit wollte sich auch CSU-Fraktionssprecher Hans Böswirth anfreunden. „Und dann am Bahnhof anfangen“, ergänzte Böswirth.

Doch zu dem Kompromiss, auf den die Debatte zuzulaufen schien, kam es dann allerdings nicht. Da weder Marianne Klaffki ihren Antrag zurückzog, noch eine Vertagung beantragt wurde, kam der ursprüngliche SPD-Vorschlag schließlich zur Abstimmung.

Und so wurde die Einrichtung von Mitfahrbänken für die Gemeinde Hebertshausen mit knapper Mehrheit abgelehnt.

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