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In das Haus des Lebens soll wieder Leben einkehren.

Mutter-Kind-Heim im Schloss Deutenhofen

Eine Bleibe für junge Mütter in Not

Ein Dach über den Kopf für eine befristete Zeit – das ist das Haus des Lebens im Schloss Deutenhofen für junge Mütter in Not. Finanziell ist das Ganze zwar zuletzt in Schieflage geraten. Doch Mängel sind jetzt behoben.

Hebertshausen – Vor kurzem wurde noch ein Andachtsplatz mit Kruzifix und Altar im Schlosspark Deutenhofen eingeweiht. Damit schuf Schlossherr Achim Kriesl auch einen Ort zum Verweilen für die Bewohner des Mutter-Kind-Heimes im Schloss Deutenhofen, das der Verein „Haus des Lebens“ betreibt. Der Verein wurde im Jahr 2009 gegründet, um jungen schwangeren Frauen und Müttern die Möglichkeit zu geben, in Schutz und Geborgenheit zusammen zu leben und zu arbeiten.

Denn es gibt immer mehr junge Frauen, die ein Kind erwarten, aber von Familie und Gesellschaft allein gelassen werden. Sie sind oftmals mit der Situation vollkommen überfordert. Diesen Frauen fehlt buchstäblich das Dach über dem Kopf, unter dem sie Schutz und Unterstützung finden.

Eigentlich gibt es die Einrichtung schon seit 2014. Aber auf Grund von Versäumnissen fehlte die rechtliche Grundlage für eine Entgeldvereinbarung und somit für eine Finanzierung des Heimbetriebes. Mit der neuen Vorsitzenden Anja von der Fecht ist aber frischer Wind gekommen. Sie hat laut eigener Aussage die Versäumnisse ihrer Vorgängerin behoben, organisatorische Defizite sollen der Vergangenheit angehören. Anja von der Fecht und ihre Stellvertreterin Diana Scheuer sind sich sicher, dass die bürokratischen Hindernisse überwunden sind. Die Ämter könnten nun wieder Zuweisungen genehmigen.

Derzeit leben nur zwei Mütter mit ihren Kindern im Mutter-Kind-Heim, war von der Vorsitzenden bei einer Besichtigung zu erfahren. Denn: „Wir müssen das Vertrauen der Jugendämter erst wieder zurückgewinnen.“

Immerhin wurde der Schlossflügel renoviert und umgebaut. Zuvor gehörten die Räumlichkeiten zum BRK-Altenheim. Das Altenheim wurde aufgelöst, und in den so genannten Anbau zogen Asylbewerber ein. Vor langer Zeit dienten die Gebäude als Filiale des ehemaligen Kreiskrankenhauses Dachau.

Das Heim im Schloss hat nun neun möblierte Zimmer für junge Mütter oder Schwangere in Notlagen. Es stehen moderne Sanitäreinrichtungen zur Verfügung. Außerdem gibt es ein Spielzimmer für die Kinder. Eine große Küche mit Essensbereich ist vorhanden, und in der ehemaligen Schlosskapelle hat ein Ruheraum Platz gefunden.

Im weitläufigen Schlosspark einschließlich Schlossberg, der vor vielen Jahren der Hebertshauser Jugend auch als Schlitten- und Skiberg diente, sind vereinzelt Spielgeräte aufgestellt. Raum zum Spielen gibt es also genug. Erfahrene Pädagogen unterstützen die Bewohnerinnen und deren Nachwuchs. Sie helfen dabei, enge Beziehungen zwischen Mutter und Kind zu entwickeln. Dazu gehört auch die Pflege der Kleinen.

Um wieder ein normales Leben aufzubauen, werden die Kinder auch teilweise von Mitarbeitern des Vereins betreut, um den Müttern die Zeit zu geben, beruflich wieder weiterzukommen.

Die Gemeinde stellt im entstehenden Kinderhaus ab 2018 auch einige Betreuungsplätze zur Verfügung, war von Bürgermeister Richard Reischl zu hören. Er war vor Ort, um sich die Räume anzuschauen.

Um den Tagesablauf kümmert sich als fachliche Leiterin Claudia Diecke. Neben den möblierten Zimmern stehen noch zwei Appartements und eine ehemalige Hausmeisterwohnung zur Verfügung. Der Vorstand des Vereins „Haus des Lebens“ denkt darüber nach, dort Frauen in Not in Wohngemeinschaften auf Zeit unterzubringen. Hierzu wurden bereits Kontakte mit dem Dachauer Verein Frauenhilfe-Frauennotruf aufgenommen. Auch Frauen, die sich aus unterschiedlichen Gründen von ihrem Partner trennen, könnten in Deutenhofen eine Heimat auf Zeit finden.

Volle Unterstützung kommt auch seitens des Eigentümers des Schlosses samt Anbau und Parkanlage, Joachim Kriesl. Aber ohne finanzielle Mittel und ohne Hilfe der zuweisenden Behörden wäre es schwierig, das Mutter-Kind-Heim am Leben zu erhalten.

Darüber würde Irena F., eine junge Mutter mit ihrem drei Monate alten Sohn, ganz besonders freuen. Sie hat eine schwere Zeit hinter sich: „Ich bin von zu Hause weggegangen, weil dort Schlägereien waren.“ Einige Zeit lebte sie auf der Straße, nur mit dem Nötigsten am Leibe, einer Decke und einer Wasserflasche. „Mehr hatte ich nicht“, sagt sie.

Auch während ihrer Schwangerschaft war die Straße noch teilweise ihr zu Hause. Irena und ihr Säugling fanden Unterschlupf auf Zeit in einem Kloster. Überglücklich ist die junge Mutter mit ihrem kleinen Jungen nun, dass sie vorübergehend in Deutenhofen leben darf. Ihre Augen leuchten, und dabei hält sie ihren Kleinen ganz fest im Arm.

khr

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