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Ziehsohn Norbert Hechtl (rechts) mit seinem Sohn Roland und dem Orden des Vatikans für Ziehvater Hans Köchl.

Widerstandskämpfer soll posthum Ehrenbürger werden

Hebertshausen ehrt Hans Köchl

Sein Name war schon fast vergessen. Dabei hat Hans Köchl in der NS-Zeit vielen KZ-Häftlingen geholfen, wo es nur ging. Jetzt wird Köchl posthum geehrt. In zweifacher Hinsicht.

Die Hobby-Geschichtsforscher Thomas Schlichenmayer und Angelika Eisenmann haben das Leben von Hans Köchl aus Prittlbach erforscht und aufgeschrieben. Bereits Ende November hatte die Heimatzeitung ausführlich berichtet.

Hans Köchl hat unter Lebensgefahr und aus purer Menschenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft KZ-Häftlingen im Konzentrationslager Dachau unter anderem durch das Herein- und Herausschmuggeln von Briefen, Päckchen und Lebensmitteln in ihrem Überlebenskampf geholfen. Auch inhaftierten Priestern stand er zur Seite.

Hans Köchl als Soldat im Ersten Weltkrieg.

Als Prittlbacher Ortsdiener hatte er Zugang zur sogenannten „Plantage“ außerhalb des Konzentrationslagers, wo neben Häftlingen auch Priester unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten.

Damit die Taten von Hans Köchl nicht in Vergessenheit geraten, beantragten die beiden Hobby-Geschichtsforscher Thomas Schlichenmayer und Angelika Eisenmann eine Straße, einen Platz oder eine bauliche Einrichtung im Gemeindegebiet, vorzugsweise in Prittlbach, nach Hans Köchl zu benennen. Thomas Schlichenmayer sprach vor dem Gemeinderat über das Leben von Hans Köchl. Er erinnerte dabei auch an Maria Seidenberger aus Hebertshausen. Sie hatte als 17-jähriges Mädchen Nachrichten, Briefe und Fotografien aus dem KZ an Angehörige von Häftlingen weitergeleitet. 2005 wurde Maria Seidenberger mit dem ersten Zivilcourage-Preis der Stadt Dachau geehrt. Sie verstarb 2011.

Bei der anschließenden Diskussion waren sich alle Gemeinderäte einig, Hans Köchl eine verdiente nachträgliche Würdigung und Anerkennung nicht zu versagen. Hans Köchl war im Alter von 79 Jahren im Jahr 1972 verstorben. Bürgermeister Richard Reischl (CSU) plädierte für die Benennung eines Gebäudes oder einer Straße nach Hans Köchl. Marianne Klaffki (SPD) betonte, dass gerade in Zeiten des aufkommenden Populismus und Nationalismus „braucht es Vorbilder gelebter Solidarität und Menschlichkeit“. Hans Köchl habe für seine lebensgefährliche Hilfsbereitschaft Anerkennung und Hochachtung verdient. Auch sie könne sich vorstellen, ein Gebäude oder eine Straße nach ihm zu benennen.

Martin Gasteiger (FBB) lobte die Arbeit der Geschichtsforscher Schlichenmayer und Eisenmann. Die Benennung einer Straße oder eines Gebäudes nach Hans Köchl würde er begrüßen. Die zusätzliche posthume Verleihung der Ehrenbürgerwürde regte Gemeinderat Stefan Ruhsam (CSU) an. Johannes Böswirth (CSU) betonte den sozialen Charakter von Hans Köchl. „Eine Würdigung in jeglicher Form hat Hans Köchl verdient“, so Böswirth. Bürgermeister Richard Reischl schloss sich den Vorschlägen und Anregungen an.

Der Gemeinderat beschloss dann einstimmig, das neue Dorfgemeinschaftshaus, das in nächster Zeit in Prittlbach entsteht, nach Hans Köchl zu benennen. Eine entsprechende Gedenktafel soll am „Hans Köchl-Haus“ angebracht werden. Zusätzlich wird ihm posthum die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Das freute natürlich auch Ziehsohn Norbert Hechtl, der ins Rathaus zur Gemeinderatsitzung gekommen war. Er ist bei Hans Köchl und seiner Frau Maria mit noch zehn Pflegekindern und einer eigenen Tochter aufgewachsen. „Ich erinnere mich noch, dass in der Nachkriegszeit öfter französische Priester, die das KZ überlebt haben, zu meinem Ziehvater gekommen sind. Sie haben vermutlich auch die Verleihung des Ritterkreuzes des päpstlichen Sylvesterordens im Jahr 1971 in die Wege geleitet“, so Hechtl. Er hatte das Kästchen mit dem Orden mitgebracht. „Die damalige Ordensverleihung sei seinem Ziehvater zwar schon fast zu viel gewesen“, erinnert er sich weiter. Hechtl: „Und nun noch die Ehrung seiner Heimatgemeinde. Ich freue mich unbändig für ihn!“ Klaus Rabl

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