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Hebertshauser atmen auf: Freisinger Straße bekommt nun doch eine Querungshilfe

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Von: Petra Schafflik

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Gefährliche Staatsstraße in Hebertshausen: Wer von der Wohnsiedlung zum Bus oder zum Geh- und Radweg (links) möchte, muss derzeit noch auf eigenes Risiko über die Fahrbahn spurten.
Gefährliche Staatsstraße in Hebertshausen: Wer von der Wohnsiedlung zum Bus oder zum Geh- und Radweg (links) möchte, muss derzeit noch auf eigenes Risiko über die Fahrbahn spurten. © Petra Schafflik

Besser spät als nie: An der viel befahrenen Freisinger Straße in Hebertshausen wird nun am Ortsausgang auf Höhe des Ludwig-Thoma-Rings eine Querungshilfe für Fußgänger und Radfahrer installiert.

Hebertshausen - Die Idee ist nicht neu. Denn an der Staatsstraße rauschen täglich 17 000 Fahrzeuge durch, gleichzeitig müssen Bewohner der angrenzenden Wohnsiedlung die Fahrbahn queren, auf dem Weg zur Bushaltestelle oder zum weiterführenden Geh- und Radweg. Gerade für Kinder, die den Schulbus erreichen wollen oder für Senioren, die nicht mehr so zügig zu Fuß unterwegs sind, „ein großes Risiko“, sagte Bürgermeister Richard Reischl (CSU) in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstag.

Seit Jahren bemüht sich die Gemeinde um Abhilfe, scheiterte bisher aber stets an rechtlichen Vorgaben. Denn für die Staatsstraße ist der Freistaat verantwortlich, die Gemeinde kann nicht eigenständig entscheiden. „Für einen Schulweghelfer-Übergang oder Fußgänger-Überweg ist die Frequenz nicht ausreichend“, zählte der Rathauschef auf. Auch eine Ampel auf Kosten der Gemeinde wurde 2015 von den zuständigen Behörden nicht zugelassen. Nun gibt es offenbar einen Sinneswandel.

Worte eines Schülers beeindruckten eine Ministerin

Ein Gespräch mit Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) hat Bewegung in die Sache gebracht, berichtete der Bürgermeister. Womöglich war die Ministerin im Frühjahr beim Online-Stammtisch der CSU von den Worten eines Schülers beeindruckt. Der Junge berichtete damals eindrücklich, wie er täglich auf dem Weg über die Straße zum Schulbus die gefährliche Verkehrslage erlebt. Zudem ereignete sich im Januar an der Freisinger Straße ein schwerer Verkehrsunfall, ein Passant kam beim Überqueren der Fahrbahn ums Leben.

Nun also darf die Gemeinde auf eigene Rechnung planen, „der Freistaat, für die Staatsstraße zuständig, wird dann die Kosten für den Bau übernehmen“, informierte der Gemeindechef.

Drei Optionen für Mittelinsel

Wo am besten eine Mittelinsel in die Fahrbahn eingebaut werden könnte, dafür hat Experte Detlef Raven vom Pfaffenhofener Ingenieurbüro Wipflerplan drei Varianten geprüft. Rasch war klar, dass eine Richtung Deutenhofen, von den Bushaltestellen abgerückte Querungshilfe von den Anwohnern wohl nicht gut angenommen würde. Auch eine Mittelinsel weiter außerhalb Richtung Ampermoching ist wenig praktikabel.

Als präferierte Variante empfahl Planer Raven eine Option, bei der beide Haltestellen ein wenig Richtung Deutenhofen in den Ort verlegt werden. Allerdings ohne eigene Busspur, sondern wie heute üblich als Stopp, bei dem der Bus auf der Fahrbahn hält, die Haltestelle am Gehweg liegt. Die Querungshilfe wird dann nördlich der Haltestellen kurz vor dem Ludwig-Thoma-Ring entstehen.

Diese Option hat auch den Vorteil, dass keine zusätzlichen Flächen nötig sind. „Einen Grunderwerb sollten wir vermeiden, wir wissen, wie schwierig das ist“, sagte Bürgermeister Reischl. Bushaltestellen und Querungshilfe werden beleuchtet und behindertengerecht auch mit taktiler Orientierung für Sehbehinderte konzipiert.

Die Kosten, die dem Freistaat entstehen, liegen für alle Versionen eng beieinander zwischen 315 000 und 363 000 Euro und waren daher kein Entscheidungskriterium. Die Gemeinderäte waren sich rasch einig und folgten dem Rat des Fachmanns.

„Schade, dass erst ein schwerer Unfall passieren muss“

Einige kritische Worte Richtung Freistaat gab es aber. „Es geschehen noch kleine Wunder“, sagte Martin Gasteiger (FBB) mit Blick auf die langjährigen Bemühungen des Gemeinderats. „Schade, dass erst ein schwerer Unfall passieren muss“, betonte Mariann Klaffki (SPD).

Auch weiterhin werden Bürger außerhalb der Mittelinsel die Durchgangsstraße queren, wenn ihnen der Weg zur Querungshilfe zu weit scheint, gab Michael Böswirth (CSU) zu bedenken. Tatsächlich „lässt sich nicht jeder beeinflussen“, räumte der Bürgermeister ein. Aber die Gemeinde wolle doch eine Möglichkeit schaffen „für Schwächere wie Kinder oder Senioren“. Einstimmig wurde entschieden, die Querungshilfe zu planen und zu errichten, sofern der Freistaat, wie die Ministerin zugesagt hat, die Baukosten übernimmt.

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