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Mehr Blühwiesen wird es in Hebertshausen ab dem Frühjahr geben (Symbolbild).

Gemeinde sagt dem Artensterben den Kampf an

Der Hebertshauser Weg zum Bienenschutz

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Die Gemeinde Hebertshausen sagt dem Artensterben den Kampf an – ohne auf neue Gesetze zu warten: Die ersten Blühwiesen entstehen noch im Frühjahr – und jetzt gibt es eine weitere Initiative.

Hebertshausen – Die Gemeinde Hebertshausen will Vorreiter beim Thema Artenschutz werden. Bereits vergangenen Sommer hatte die SPD einen Antrag auf mehr Blühflächen gestellt. Jetzt zieht die CSU mit einem weiteren Antrag nach und fordert mehr Bäume, Streuobstwiesen und Nistkästen in der Gemeinde.

„Als Gemeinde haben wir eine Vorbildfunktion“, sagt Bürgermeister Richard Reischl (CSU). Gerade in der Debatte um das Artenschutzvolksbegehren dürfe man das nicht vergessen. Reischl unterstützt grundsätzlich das Volksbegehren, sagt aber auch: „Wir können nicht die ganze Verantwortung auf die Landwirte abschieben, sondern es muss die ganze Gemeinschaft etwas beitragen.“ Dazu brauche es „praktikable Maßnahmen, die auch umsetzbar sind“.

Die CSU regt an, dass für jedes Kind, das in der Gemeinde geboren wird, ein Obstbaum oder ein heimischer Laubbaum auf einem gemeindeeigenen Grundstück gepflanzt wird. Die Eltern sollen Standort und Baumart mitbestimmen sowie eine Baumpatenschaft übernehmen. Jährlich gäbe es so rund 50 neue Bäume. Insgesamt stehen derzeit in Hebertshausen rund 2000 Bäume außerhalb der Wälder auf Gemeindegrund. Circa 100 davon müssen jedes Jahr gefällt werden. Die CSU beantragt, dass es für jede Fällung zwei Nachpflanzungen, möglichst an der gleichen Stelle geben soll.

Außerdem fordert die Fraktion, dass in den nächsten fünf Jahren 200 Vogelnistkästen an Grundstückseigentümer verteilt werden und dass pro Jahr neue Streuobstwiesen mit einer Fläche von mindestens 250 Quadratmetern geschaffen werden. „Das könnte man zum Beispiel auch mit Schulprojekten oder einer Blühwiese kombinieren“, schlägt Reischl vor.

Nach einem SPD-Antrag im Gemeinderat startet Hebertshausen dieses Frühjahr einen Blühwiesen-Versuch. „Uns ist es wichtig, die Blühwiesen auszuweiten und historische Obstbäume zu pflanzen und zu schützen“, erklärt SPD-Fraktionsvorsitzende Marianne Klaffki. Nachdem es im Gemeinderat dafür breite Unterstützung gab, hatte der Biologe Reinhard Witt untersucht, welche Gemeindeflächen mit insektenfreundlichen Blühpflanzen gestaltet werden könnten. Jetzt entstehen erstmals elf Blühwiesen, die jeweils zwischen 20 und 1 100 Quadratmeter groß sind. „Wir testen, wie groß der Aufwand und der Effekt sind und ob sich eine Ausweitung lohnt“, sagt Bürgermeister Reischl.

„Wenn sich das Projekt bewährt, befürworten wir, in anderen Ortsteilen nachzuziehen“, sagt auch Martin Gasteiger vom Freien Bürgerblock. Den CSU-Antrag müsse seine Fraktion noch besprechen, sagt er. „Man muss schauen, wie es realisierbar ist“, sagt Gasteiger. „Generell sind wir aber offen für solche Ideen.“ Die SPD könnte sich ebenfalls vorstellen, den Antrag zu unterstützen.

Der Bund Naturschutz jedenfalls lobt die Bemühungen der Hebertshauser und die vorgeschlagenen Maßnahmen. „Wenn die Ideen richtig umgesetzt werden, könnten sie Vorbildcharakter haben“, erklärt der Kreisvorsitzende Roderich Zauscher. Beachten müsse man zum Beispiel, dass die Bäume nicht in Wiesenbrüter-Gebiete im Moos gepflanzt werden. „Bei Streuobstbäumen sollte man keine so intensive Baumpflege machen“, erklärt Zauscher. „Das Totholz ist Lebensraum für Insekten und Vögel und bietet Struktur.“

Zauscher ist selbst Gemeinderat in Odelzhausen und könnte sich auch dort und anderen Kommunen solche Projekte vorstellen. „In vielen Gemeinden gibt es erhebliches Verbesserungspotenzial“, so Zauscher. „Aber langsam entsteht ein Bewusstsein dafür.“

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