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Mehr Zulage soll es für die Beschäftigten der Gemeinde Hebertshausen geben.

Hebertshausen führt München-Zulage ein

Mehr Gehalt für Mitarbeiter der Gemeinde Hebertshausen

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Die Gemeinde Hebertshausen will ihre Beschäftigten besser bezahlen. 270 Euro pro Monat erhalten die Mitarbeiter künftig mehr – genau wie in der Landeshauptstadt München. Mit der Zulage nimmt die Gemeinde eine Vorreiterrolle ein – die nicht alle positiv sehen.

Hebertshausen – „Ich will unseren Mitarbeitern zeigen, dass sie mir das wert sind“, sagt Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl. Mit der München-Zulage erhalten alle 68 Beschäftigte der Gemeinde, von der Putzfrau über den Hausmeister und die Rathaus-Mitarbeiter bis hin zu den Erziehern, 270 Euro brutto im Monat mehr für die unteren Gehaltsgruppen. Das beschloss der Gemeinderat am Dienstag. „Wir wollten, dass jeder Mitarbeiter gleichberechtigt und gerecht eine Zulage bekommt“, so Reischl. Sogar höhere Gehaltsstufen profitieren von der neuen Bonuszahlung: Sie erhalten die Zulage hälftig, also 130 Euro.

Die „Hebertshausen-Zulage“ löst die Ballungsraumzulage ab, die alle Gemeinden im Ballungsraum – im Landkreis Dachau gehört Hebertshausen neben Dachau, Karlsfeld, Vierkirchen und Röhrmoos dazu – bezahlen dürfen: Diese betrug 130 Euro monatlich, aber die oberen Gehaltsstufen waren ausgeschlossen. „Unterm Strich wurde jetzt jede Gehaltsstufe erhöht um 130 Euro brutto“, so Reischl. Teilzeitbeschäftigte werden anteilig bezahlt. Für die Gemeinde bedeutet das ein Plus an 70 000 Euro Personalkosten. Eingeführt werden soll die Zulage, sobald der Kommunale Arbeitgeberverband dem Tarifvertrag zustimmt.

Anlass der Überlegungen, die Mitarbeiter besser zu bezahlen, war zum einen die Verdopplung der München-Zulage, die die Landeshauptstadt München jüngst beschlossen hat. Reischl habe bei Neueinstellungen einen permanenten Nachteil gegenüber der Stadt München gesehen. Zwar findet Reischl die Vorgehensweise von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter „nicht in Ordnung“, im Alleingang, ohne mit der Region gesprochen zu haben, die Zulage zu erhöhen. „Jetzt sind alle Gemeinde gezwungen, nachzuziehen“, sagt Reischl. Aber der Zulage an sich kann er etwas Positives abgewinnen: „Man hat die Möglichkeit, den Mitarbeitern gleichberechtigt etwas Gutes zu tun“ – und eben der Wertschätzung für ihre Arbeit Ausdruck zu verleihen.

Landrat Stefan Löwl hält es grundsätzlich für notwendig und angemessen, „dass die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst einen den münchen-/regionsspezifischen Lebenshaltungskosten entsprechenden Zuschlag erhalten“. Er will über eine München-Zulage für die Mitarbeiter im Landratsamt in den kommenden Wochen im Kreistag sprechen – allerdings nichtöffentlich. Einzelne lokale Zuschläge sieht Löwl aber „sehr kritisch“. Die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen seien sehr unterschiedlich. Ärmere Kommunenen würden bei der Personalgewinnung und -bindung in Nachteil geraten. „Dies finde ich äußerst unsolidarisch und für eine einheitliche Entwicklung in der Region auch gefährlich“, so Löwl. Er habe die Staatsregierung um eine Einheitlichtkeit gebeten, damit „die aus meiner Sicht gesamtheitlich schädliche Konkurrenz zwischen öffentlichen Stellen vermieden werde.

Auch Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe kritisiert die Vorgehensweise der Landeshauptstadt München. „Es ist aus unserer Sicht völlig kontraproduktiv, trotz eines einheitlichen Tarifvertrages nun eine solche Konkurrenzsituation zwischen den Kommunen zu schaffen.“ In Zeiten des Fachkräftemangels erschwere es die Mitarbeitergewinnung – „vor allem für eine Gemeinde wie unsere, die direkt an der Grenze zur Landeshauptstadt München liegt“.

Doch die Konkurrenz unter den Gemeinden ist ohnehin stark – auch ohne Zulage. Es herrscht längst ein Kampf um gute Mitarbeiter. Wie Reischl berichtet, wollte jüngst eine andere Gemeinde eine Mitarbeiterin abwerben. Daher sieht er die Zulage nicht nur als Lockmittel, sondern auch als Halteprämie. In diesem Fall konnte er die Mitarbeiterin überzeugen zu bleiben, auch ohne -Zulage. Denn die Gemeinde punktet – und das dürfte bei der Wahl des Arbeitgebers auch eine gewichtigere Rolle spielen – laut Reischl mit einem sehr guten Arbeitsklima ob in den Kindertagesstätten, im Bauhof oder im Rathaus. „Wir haben seit zwei bis drei Jahren eine sehr geringe Fluktuation, ein sehr festes und stabiles Team.“ Genau darauf setzen auch andere Gemeinden, die keine Zulage bieten (siehe Kasten).

Anwerbeprämie, Social Benefits, LOB: So locken die Gemeinden neue Mitarbeiter

Welche Gemeinden bieten bereits Bonuszahlungen? Wo wird über eine München-Zulage diskutiert? Und welche anderen Anreize bieten die Gemeinden? „Wir haben vor, die München-Zulage zu übernehmen“, sagte Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann gestern. Ein entsprechender Vorschlag werde dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt. Die Mittel seien schon im Haushaltsentwurf berücksichtigt. Aktuell gewährt die Stadt eine Dachau-Zulage an Tarifbeschäftigte bis zu 126 Euro, gegebenfalls einen Kinderzuschlag von 33,77 Euro. Weitere Anreize: bis zu 80 Euro/Monat Fahrtkostenzuschuss, bis zu 200 Euro/Monat Arbeitsmarktzulage für Erzieher/innen, 1000 Euro Anwerbeprämie. Bergkirchen bietet eine Arbeitsmarktzulage für Betreuungspersonal in Kitas 140 Euro pro Monat sowie für Verwaltungsmitarbeiter, Bauhof- und Reinigungskräfte von derzeit 130 Euro pro Monat. Überlegungen, die Mitarbeiter besser zu bezahlen, gibt es etwa in den Gemeinden Sulzemoos, Markt Indersdorf, Pfaffenhofen an der Glonn und Schwabhausen – möglicherweise in Form einer Großraumzulage (Bayernteil). Dann dürften alle Gemeinden eine Bonuszahlung leisten. Gerhard Hainzinger, Sulzemooser Bürgermeister, hofft darauf: „Wenn wir die Erlaubnis kriegen, werden wir darüber im Gemeinderat diskutieren.“ Vierkirchen darf die Ballungsraumzulage für die Mitarbeiter in Höhe von 130 Euro für untere Gehaltsstufen bezahlen, setzt außerdem auf ein ausgezeichnetes Fortbildungsangebot sowie kurze Arbeitswege – „da wir uns oftmals auch um einheimisches und regional nahes Personal bemühen“, so Bürgermeister Harald Dirlenbach. Karlsfeld erarbeitet laut Bürgermeister Stefan Kolbe Lösungen, um Mitarbeiteranreize zu schaffen. „Hier geht es in erster Linie um Social Benefits.“ Und Schwabhausen setzt etwa auf großzügige Arbeitszeitregelung oder das betriebliche Gesundheitsmanagement.

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