+
Beim Festakt zur Ernennung von Hans Köchl zum Ehrenbürger posthum: Dr. Norbert Göttler, Angelika Eisenmann, Thomas Schlichenmayer, Marie-Luise Ksionsek, Norbert Hechtl und Bürgermeister Richard Reischl (v.l.).

Prittlbacher wird posthum zum Ehrenbürger der Gemeinde Hebertshausen ernannt

Hans Köchl ist ein Vorbild an mehr Menschlichkeit

Hans Köchls Lebensinhalt waren Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft. In der NS-Zeit hat der Prittlbacher  vielen Häftlingen im Konzentrationslager Dachau in ihrem Überlebenskampf geholfen, zusammen mit seiner Frau zog er neben seiner eigenen Tochter elf Pflegekinder auf. Nun wurde Hans Köchl posthum zum Ehrenbürger der Gemeinde Hebertshausen ernannt.

Hebertshausen – Im Rahmen eines feierlichen Festaktes wurde Hans Köchl posthum zum Ehrenbürger in Hebertshausen ernannt. Mit der Ehrenbürgerwürde zeichnet die Gemeinde Hans Köchl „in Würdigung seiner außergewöhnlichen Menschlichkeit, seiner Selbstlosigkeit und Vorbildfunktion sowie seines mutigen, entschlossenen Widerstands gegen das NS-Regimes aus“, erklärte Bürgermeister Richard Reischl.

Hans Köchls Lebensinhalt waren Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft. In der NS-Zeit hat der Prittlbacher ohne zu zögern und unter Lebensgefahr vielen Häftlingen im Konzentrationslager Dachau in ihrem Überlebenskampf geholfen. Er schmuggelte unter anderem Briefe, Päckchen und Lebensmitteln ins oder aus dem Lager. Auch inhaftierten Priestern stand Köchl zur Seite. Als Prittlbacher Ortsdiener hatte er Zugang zur sogenannnen „Plantage“, außerhalb des Konzentrationslagers. Dort mussten neben Häftlingen auch Priester unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeit leisten.

Hans Köchl half aber nicht nur den Häftlingen, zusammen mit seiner Frau zog er neben seiner eigenen Tochter insgesamt noch elf Pflegekinder auf. Dies nicht etwa um für sich einen finanziellen Vorteil zu haben, sondern aus reiner Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit.

Um Hans Köchl posthum zu ehren, war es einer Menge Menschen eine Herzensangelegenheit, bei der Feierstunde im Hebertshauser Rathaus dabei zu sein. Ihren Respekt zollten Ehrenbürger und Altbürgermeister Hans Zigldrum, Gemeinderäte, Vertreter der Kirchen und Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler, die Geschichtsforscher Angelika Eisenmann und Thomas Schlichenmeyer. Leider konnte die leibliche Enkelin Roswitha Ried nicht kommen. Auch geistliche Vertreter wie Pastoralreferent Ludwig Schmidinger, Seelsorger an der KZ-Gedenkstätte, Claudia Buchner und Henrikus Schönmaekers von der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte, erwiesen Köchl die Ehre.

Köchls Lebensgeschichte wurde von den beiden Geschichtsforschern Thomas Schlichenmayer aus Ampermoching und Angelika Eisenmann aus Goppertshofen erkundet und aufgeschrieben. Sie erzählten den aufmerksam zuhörenden Gästen von ihren Recherchen. Sie blätterten in Archiven, befragten Zeitzeugen.

Nach dem Krieg organisierte Hans Köchl die Schulspeisung in Prittlbach und unterstützte Mitbürger bei Anträgen an Behörden. Wenn Not am Mann war, war Hans Köchl zur Stelle. „Ein besonderer Mensch, der nicht weggesehen hat, als Unrecht geschah, sondern nach seinem Gewissen handelte, immer den Menschen im Blick“, sagte Angelika Eisenmann.

Für Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler sind die Forschungen von Eisenmann und Schlichenmayer Heimatpflege der ersten Riege. „Sie zeigen, dass Heimat nie nur Idylle gewesen ist, sondern immer nur verstehbar mit schwierigen Aspekten und Schattenseiten.“

Für Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl ist der neue Ehrenbürger ein Vorbild in Zeiten, in denen europaweit Sympathien für nationale Parteien und Verbände steigen. „Für Hans Köchl ist die höchste kommunale Auszeichnung mehr als verdient“, betonte Reischl. In seiner Festrede warf Reischl auch einen Blick auf die Gegenwart: „Da mache ich mir Sorgen über die Entwicklung unserer Gesellschaft.“ Umso wichtiger sei es aus dem Leben von Hans Köchl zu lernen, sein Wirken in Erinnerung zu halten, „damit es viele Nachahmer findet“. Nicht nur sein Mut gegen das NS-Regime ist hervorzuheben, sondern auch sein Blick aufs Leben, seine Haltung nicht auf sich zu schauen, sondern zuerst auf andere. „Die Gemeinde ehrt Hans Köchl für sein Wirken, sein Leben, seine Einstellung, seinen Mut, seine Vorbildfunktion“, sagte Reischl.

Den Ehrenbürgerbrief nahmen Köchls Pflegekinder Norbert Hechtl und Marie-Luise Ksionsek entgegen. Beide waren sichtlich gerührt und voller Stolz, dass ihr Ziehvater zum Ehrenbürger posthum ernannt wurde. Deshalb bedankte sich auch Norbert Hechtl, bekannt auch als „Stutz“, ganz herzlich beim Gemeinderat und bei Bürgermeister Richard Reischl für den einstimmigen Beschluss. „Wir haben uns alle sehr gefreut für unseren Papa.“ Sein Dank galt auch den beiden Geschichtsforschern Angelika Eisenmann und Thomas Schlichenmayer, die dank ihrer „akribischen und zeitaufwendigen Nachforschungen auf wertvolle Details gestoßen sind“. Unter anderem fanden sie Köchls Geburtsort Welshofen heraus, den wir alle nicht wussten. „Ohne diese beiden Hobbyforscher wären die guten Taten unseres Ziehvaters in Vergessenheit geraten. Es war keine gute Zeit von 1938 bis 1945. Aber wir mussten nie an Liebe oder an Hunger leiden. Unsere Pflegeeltern haben uns wie eigene Kinder christlich und sehr gerecht erzogen. Ich, Marie-Luise Ksionsek und Enkelin Roswitha Ried sind die letzten der Großfamilie Köchl“, so Nobert Hechtl.

Hechtl und Ksionsek übergaben dem Bürgermeister das Ritterkreuz des päpstlichen Silvesterordens, den Köchl bereits 1967 erhalten hat. Gemeinsam mit der Originalurkunde zum Orden wird alles im geplanten neuen Dorfgemeinschaftshaus von Prittlbach eine Heimat finden. Wie bereits vom Gemeinderat beschlossen, wird das Dorfgemeinschaftshaus nach Hans Köchl benannt werden. Über die Namensgebung freute sich Norbert Hechtl und die ganze Familie ganz besonders. „Die Prittlbacher gehen dann in das Hans-Köchl-Haus!“

Hans Köchl starb 1972 und ruht auf dem Prittlbacher Friedhof.

Klaus Rabl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

15-Jähriger aus Bayern entgeht knapp dem Tod - seine Krankheit halten viele für harmlos
Adrian aus dem Landkreis Dachau war gerade einmal 15, als er die Diagnose bekam. Es war ein Tag, an dem sich alles änderte - und den er fast nicht überlebte.
15-Jähriger aus Bayern entgeht knapp dem Tod - seine Krankheit halten viele für harmlos
Prinzenpark Karlsfeld: Verhandlungen sind gescheitert
Das große Baufeld auf der Westseite des Karlsfelder Bahnhofs wird wohl bis auf Weiteres ein großes Baufeld bleiben. Wie gestern bekannt wurde, sind die Verhandlungen der …
Prinzenpark Karlsfeld: Verhandlungen sind gescheitert
Serientäter sprengen vierten Zigarettenautomaten
Bisher unbekannte Täter haben am frühen Sonntagmorgen gegen 1 Uhr einen Zigarettenautomaten am Breslauer Platz in Dachau gesprengt. Es ist offenbar nicht der erste …
Serientäter sprengen vierten Zigarettenautomaten
Landrat Stefan Löwl: „Wir bleiben leider hinter der Welle“
Wohnungsnot, Verkehrskollaps, fehlende Kita-Plätze: Die Bevölkerung wächst so rasant, dass die Infrastruktur nicht hinterherkommt. Landrat Stefan Löwl erklärt, welche …
Landrat Stefan Löwl: „Wir bleiben leider hinter der Welle“

Kommentare