Vermehrt draußen unterwegs: Jugendpfleger Max Biebel.
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Vermehrt draußen unterwegs: Jugendpfleger Max Biebel.

Gemeindejugendpfleger Max Biebel spricht über die Jugendarbeit in Hebertshausen

„Die Jugendlichen haben vermehrt Zukunftsängste“

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Hebertshausen – Im Netz, am Telefon, beim Spaziergang im Freien – Jugendarbeit spielt sich auch in Hebertshausen aktuell überall ab, nur nicht im Jugendzentrum (Juz). Denn die Einrichtung, Ende 2019 als Neubau mit viel Vorfreude eröffnet, ist coronabedingt seit November geschlossen. Schon zum zweiten Mal, denn auch im Frühjahr 2020 mussten Jugendzentren lange dicht machen.

Um in Kontakt zu bleiben, um ihre Unterstützung anzubieten, setzen Gemeindejugendpfleger Max Biebel und sein Kollege Marco Neumeier stark auf Jugendarbeit im Freien. „Wir sind regelmäßig im Ort unterwegs, suchen Plätze auf, wo sich junge Leute treffen“, erzählt Biebel. In den Wintermonaten ging da nicht viel, aber jetzt, wo es wieder wärmer wird, sind öffentliche Flächen wie der Sportplatz an der Schule natürlich Anlaufstellen. Wilde Partys oder lautstarke Zusammenkünfte hat Biebl bislang nicht registriert. „Die Jugendlichen verhalten sich immer noch recht vernünftig.“

Wie aber geht es der Hebertshauser Jugend in der Pandemie? „Die einen kommen gut klar, für andere ist die Situation psychisch belastend, sie sind einsam, es gibt viel Bedarf zum Reden.“

Arbeitsplatz verloren, Nebenjobs weggefallen

Schließlich treffe Corona die jungen Leute ganz speziell. Berufliche Praktika sind nicht oder nur eingeschränkt möglich, einige junge Leute hätten ihren Arbeitsplatz verloren. Und Nebenjobs, etwa in der Gastronomie, mit denen sich Jugendliche Geld dazuverdienten, sind vielfach weggefallen. Rückschläge, die nicht jeder gut verarbeiten kann.

Eine herausfordernde Situation, in der es gerade viel Kontakt bräuchte: „Es gibt vermehrt Zukunftsängste“. Die Jugendarbeiter sind immer telefonisch erreichbar. „Wir treffen uns dann auf einen Spaziergang zum Ratschen.“ Persönliche Begegnungen, selbst mit der nötigen Distanz, sind den jungen Leuten enorm wichtig, so die Erfahrung von Biebel.

Online-Angebote dagegen „kommen nicht so gut an“. Einen Funken Hoffnung gab es deshalb kürzlich, da die neuesten Corona-Regelungen eine Öffnung der Jugendzentren erlauben, sofern der Corona-Inzidenzwert unter 100 liegt. Doch mit Blick auf die Daten im Landkreis, die aktuell um 200 pendeln, macht sich Biebel keine Illusionen.

Die Jugendarbeiter werden das Juz jetzt quasi ins Netz verlegen, feste „Öffnungszeiten“ auf einer Konferenzplattform anbieten, für gemeinsame Aktivitäten. „Nach Ostern soll das laufen.“

Und natürlich ist Biebel weiter zu Fuß unterwegs. Immer schaut er bei seinen Rundgängen dann auch am Jugendzentrum vorbei, „zum Lüften, Pflanzengießen und Wasserhähne-Durchspülen.“ Damit alles bereit ist, sobald sie das Juz wieder aufsperren dürfen.

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