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Das Landgericht München II verhandelt, ob der Mann dauerhaft in die Psychiatrie muss.

Prozess vor dem Landgericht München II

„Prophet“ stellte 13-Jähriger nach

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Ein psychisch kranker 63-jähriger Mann  hat einem 13-jährigen Mädchen nachgestellt. Er sei der Ansicht gewesen, dass sie in einem früheren Leben seine Tochter, seine Halbschwester und Lady Diana Spencer gewesen sei.

Hebertshausen – Hans M. (63, Name geändert) hält sich für einen Propheten Jesu Christi. In der Nacht werde er geweckt, verlasse seinen Körper und gehe an einen Ort, wo Jesus ihm als Lichtgestalt erscheint. Von ihm bekomme er Informationen, was zu tun sei. So einen Auftrag habe er erhalten, als er im Juli 2018 ein 13-jähriges Mädchen ansprach, das Zeitungen in Hebertshausen austrug.

Die Staatsanwaltschaft spricht von Nachstellung. Deshalb wurde der Mann im November 2018 festgenommen und sitzt seitdem in der Psychiatrie. Laut Staatsanwaltschaft leidet er an einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie. Deshalb geht es nicht darum, ob er eine Strafe bekommt, sondern ob er dauerhaft in der Psychiatrie bleiben muss. Darüber verhandelt seit gestern das Landgericht München II.

Die Antragsschrift geht davon aus, dass Hans M. am 20. Juli 2018 erstmals auf das Mädchen zutrat. Bis zum 23. November habe er ihr nachgestellt, indem er beharrlich ihre Nähe aufsuchte. Er sei der Ansicht gewesen, dass die 13-Jährige in einem früheren Leben seine Tochter, seine Halbschwester und Lady Diana Spencer gewesen sei. Er habe gesagt, dass es gut wäre, wenn sie eine Beziehung hätten. Er habe sie „Süße“, „Prinzessin“, „Diana“ und „mein Mädchen“ genannt.

Bei weiteren Zusammentreffen behauptete Hans M. laut Staatsanwaltschaft immer wieder, dass sie seine Tochter sei. Einmal habe er ihr übers Gesicht gestreichelt – und sie bei dieser Gelegenheit auch am Arm gepackt. Nach den Sommerferien stand er regelmäßig an der Bushaltestelle gegenüber ihrer Schule. Das Amtsgericht Dachau erließ am 27. September einen Beschluss nach dem Gewaltschutzgesetz, laut dem er sich dem Mädchen nicht nähern durfte. Doch diesen missachtete er. Dem Mädchen sei es nicht möglich gewesen, ein angstfreies Leben zu führen, sagt die Staatsanwaltschaft. Im Oktober 2018 rief die Schule die Polizei, als Hans M. an der Bushaltestelle stand. Als er durchsucht werden sollte, schlug und trat er nach den Polizisten.

Der Vortrag der Staatsanwaltschaft sei „nicht richtig“, sagt M., „es ist so gut wie alles falsch“. Er habe das Mädchen angesprochen, gibt er zu. Er habe ihr gesagt, dass sie 2003 als seine Tochter geboren werden und ihm bei der Verkündung der Botschaft Jesu Christi helfen wollte. Seine damalige Frau habe sie aber abgetrieben. Niemals habe er das Mädchen berührt. Auch vor der Schule sei er im Auftrag Jesu gestanden. Einmal sei das Mädchen gekommen und habe hysterisch geschrien. Diese Hysterie habe Jesus initiiert, um Aufmerksamkeit für seine Botschaft zu erregen. Sich selbst sieht Hans M., der sich ein Kreuz auf die Stirn gemalt hat, übrigens als Reinkarnation unter anderem von Isaak, Moses, Sokrates und Lincoln. Zuletzt sei er Albert Einstein gewesen. „Dieses Leben ist meine 72. Inkarnation seit Abraham.“ Der Prozess dauert an.

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