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Eine Aufnahme wie aus einem Kultfilm: die Tankstelle in Hebertshausen bis zum Umbau in den 70er oder 80er Jahren.

Vorübergehend geschlossen

Tankstelle mit Kultstatus wird umgebaut

Die Avia-Tankstelle an der Durchfahrtsstraße in Hebertshausen schließt – allerdings nur vorübergehend. Es stehen umfassende Umbaumaßnahmen an. Die Tankstelle blickt auf eine langjährige Geschichte zurück: Früher gab’s den Sprit noch aus dem Fass.

Hebertshausen – Die Avia-Tankstelle in Hebertshausen schließt am kommenden Freitag, 31. August, ab 12 Uhr vorübergehend. Paul Wagner, Geschäftsführer des Pächters der Johann Baptist Wagner GmbH, erklärt, dass umfassende Baumaßnahmen in und um die Tankstelle herum anstehen.

Im Innern soll ein neuer Shop entstehen. Ein Bistro soll für die Kunden geschaffen werden und auch die Toiletten werden erneuert und ergänzt. Auch eine neue Kühlung wird es geben. Zudem wird eine neue Waschhalle mit Waschanlage eingerichtet. Das Gebäude wird einen neuen Anstrich erhalten.

Die Arbeiten werden rund vier Wochen in Anspruch nehmen. Die Wiedereröffnung soll voraussichtlich einen Tag nach dem Tag der Deutschen Einheit, also am Donnerstag, 4. Oktober, mit einem neuen Betreiber erfolgen. Es soll „alles schöner, alles besser werden“, so der Pächter.

Die Tankstelle kann auf eine langjährige Geschichte zurückblicken: In den 50er Jahren betrieb Mechanikermeister Georg Rabl schon einige Jahre eine mechanische Werkstatt. Er verkaufte Fahrräder und war auch für deren Reparatur zuständig. Schön langsam kam die Motorisierung ins Land. Er stellte um auf den Verkauf von Mopeds und Motorrädern. Die Marken NSU-Quickly, Vicki und Zündapp waren damals sehr gefragt. Auch die legendären Motorräder NSU-Max und Adler 250 kamen groß heraus. Besonders die jungen Leute hatten damals aber nicht immer die finanziellen Mittel parat, um sich einen Kauf zu leisten. Da zeigte sich der „Schorsch“ aber immer großzügig und sie durften den Kaufpreis in Raten abstottern.

Die Mopeds und Motorräder brauchten natürlich auch Sprit. Den gab es dann aus großen Fässern bei der Werkstatt. So nebenbei war Georg Rabl auch noch bis 1968 Bürgermeister von Hebertshausen und etliche Male Vorsitzender der SpVgg Hebertshausen, war er doch auch Gründungsmitglied des Vereins.

Die Motorisierung in Deutschland nahm zu. Was bot sich an? Eine Tankstelle! Georg Rabl erwarb ein kleines Grundstück gegenüber seiner Werkstatt und eine Zapfsäule mit Handpumpe wurde aufgestellt. Das Benzin lieferte Esso. Die Tankstelle wurde nach und nach erweitert. Ein kleines Kassenhäuschen mit den technischen Einrichtungen entstand und dann auch Zapfsäulen mit Elektroantrieb. Bis 1968 stand der Schorsch in seiner Werkstatt und lief für jeden Tankkunden über die Straße, um ihn zu bedienen.

Soll von Grund auf erneuert werden: die Avia-Tankstelle.

Manche ältere Hebertshauser erinnern sich auch noch an das kleine Schild an der Werkstatttür „Komme gleich wieder“. Da musste der Schorsch mal schnell zum „Herzog“, um mit ein paar Freunden einen Schafkopf oder einen Watt zu klopfen oder zum Landrat, um gemeindliche Dinge zu regeln.

1968 verstarb Georg Rabl und seine Frau Ida führte die Esso-Tankstelle mithilfe der drei Söhne Georg, Hans und Klaus bis 1972 weiter. Dann übernahm Sohn Hans mit seiner Frau Monika die Tankstelle. Die mechanische Werkstatt gegenüber wurde aufgegeben. Das allseits bekannte Bauwerk und Treffpunkt für die Dorfjugend wurde 1985 abgerissen. Jetzt steht dort ein Wohnblock mit Eigentumswohnungen.

Hans Rabl baute die Tankstelle in den 80er Jahren aus und um. Es entstand ein Kassenraum, ein Shop, eine Reparatur-Halle und eine Auto-Waschanlage – seinerzeit eine der ersten Waschanlagen im Landkreis. Der Tankstellenbetrieb wurde umgestellt auf Selbstbedienung.

Bis 1995 saßen Hans und Monika Rabl Tag für Tag, sonntags und feiertags, in der Tankstelle, um für die Kunden da zu sein. Die Tankstelle wurde 1995 dann an Esso verpachtet. Es kamen etliche Betreiber. 2010 lief dann der Vertrag mit Esso aus. Eine Verlängerung mit Esso kam nicht zustande. Da sprang Avia zusammen mit der Johann Baptist Wagner GmbH ein. Das Innere der Tankstelle wurde erneuert. Statt Esso stand jetzt Avia auf den Zapfsäulen.

Nun steht die neue Investition an: Ab Oktober können sich die Kunden über die neugestalteten Räume und das erweiterte Angebot freuen.

Klaus Rabl

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