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Richard Reischl, Bürgermeister in Hebertshausen

Richard Reischl ärgert sich maßlos  

Bürgermeister ist sauer und schreibt offenen Brief: „Unsere Grund- und Mittelschulenwerden systematisch zerstört“ 

Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl ärgert sich maßlos über die Bildungspolitik. Deshalb hat er jetzt einen offenen Brief an Kultusminister Michael Piazolo geschrieben.

Landkreis– „Unsere Grund- und Mittelschulen werden systematisch kaputt reformiert und zerstört!“ Mit diesen Worten wendet sich Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl in einem offenen Brief an Kultusminister Michael Piazolo. Reischl teilt mit, „was mich maßlos ärgert und mich schier den Glauben verlieren lässt an unsere große Politik“.Als ehemaliger Hauptschüler, Vater einer Tochter in der Grundschule und Zweckverbandsvorsitzender für die Grund- und Mittelschule Hebertshausen – in diesen drei Funktionen stellt Reischl fest, „wie sich die Mittelschule in den vergangenen Jahren verändert hat“, erklärt er. Deshalb habe er diesen Brief geschrieben. Früher sei die Hauptschule eine akzeptierte Schulform gewesen, vor nunmehr neun Jahren – damals wurde die Hauptschule umbenannt zu Mittelschule – werde diese Schulform von der Politik geschwächt.

„Wieso gab es früher Absolventen, die eine Bankausbildung begonnen haben mit einem Quali? Warum bleiben heute von 62 Viertklässlern nur noch 13 übrig für eine fünfte Klasse, und früher waren es 13, die auf ein Gymnasium gewechselt sind? Sind alle plötzlich so viel intelligenter? Oder waren wir früher dümmer?“, fragt Reischl provokant. Fünf Gründe nennt er, warum „die Politik die Mittelschulen zerstört“.

Lehrermangel

„Man bräuchte Anreize für neue Lehrkräfte“, so Reischl. Stattdessen verdonnere man sie zu mehr Stunden, bei weniger Gehalt als Lehrkräfte anderer Schulformen und Streichung von Vorzügen. Reischl wirft Piazolo vor: „Sie machen diese Lehrkräfte zu den Verlierern im Bildungssystem.“ Die Folge seien noch weniger Studenten für Lehramt, mehr Krankheit von Lehrkräften. Diese Lehrkräfte haben laut Reischl mehr Geld, mehr Aufstiegschancen, mehr Respekt verdient.

Übertritt auf Realschule

„Seit der Möglichkeit, die Realschule mit der fünften Klasse beginnen zu können“, sehe Reischl überforderte Kinder und überfüllte Realschulen. Die Quote der Schüler, die nach der sechsten Jahrgangsstufe in die Mittelschule zurückkehren, sei hoch.

Digitalisierung

Die Regierung fördert die Digitalisierung, aber es gebe für die Lehrer keine flächendeckende Fachausbildung und zu wenig Stunden für IT-Administration. „Dieser Zustand führt zum Versagen der Technik. IT, die nicht funktioniert, wird nicht benutzt“, so Reischl. Die Schulverbände engagieren externe Dienstleister, „die jedes Jahr eine fünfstellige Summe kosten“.

Große Klassen

Grundschulklassen mit bis zu 27 Schüler: „Wie soll eine Lehrkraft alle Abc-Schützen fördern können?“ Reischl fordert eine maximale Klassenstärke von 16, dann wäre Entwicklung möglich.

Schulverbände

Die kleinen Mittelschulen seien eine ideale Plattform für stetige Bildungsentwicklung. „Mit Ihren Schulverbünden schaffen Sie Angebote in großen Mittelschulen und lassen die kleinen verhungern“, wirft Reischl Piazolo vor. „Uns laufen die Schüler weg, weil keine Chance auf einen M-Zweig“, erklärt Reischl. „Wenn nichts passiert, fürchte ich, die Mittelschule in Hebertshausen in fünf Jahren schließen zu müssen.“ 98 Schüler werden derzeit dort unterrichtet.

Reischl hofft, dass der Kultusminister reagiert. Auf Facebook stößt der Brief auf breite Zustimmung. „Ich hoffe, dass die Regierung ernsthaft darum bemüht ist, in Zusammenarbeit mit Eltern und Lehrern einen Weg zu finden, die Grund- und Mittelschulen neu aufzustellen.“  dn

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