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Peter Barth, Koordinator des Helferkreises Hebertshausen, zieht Jahresbilanz seiner Arbeit: Hoffen auf eine bessere Politik

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Gelungene Integration: Oluwajoba Olumide Fajuke (links) hat seine Ausbildung als Fleischereifachverkäufer bestanden und strebt die Meisterprüfung an. Peter Barth ist seit Jahren sein Mentor.
Gelungene Integration: Oluwajoba Olumide Fajuke (links) hat seine Ausbildung als Fleischereifachverkäufer bestanden und strebt die Meisterprüfung an. Peter Barth ist seit Jahren sein Mentor. © archiv

Auch der Helferkreis Asyl Hebertshausen hat im vergangenen Jahr seine turnusmäßigen Versammlungen wegen Corona nicht abhalten können. Die Vereinigung wurde 2013 nach der Ankunft der ersten Geflüchteten in Hebertshausen gegründet. Seitdem ist Peter Barth als Koordinator unermüdlich für diese Menschen da, die im ehemaligen BRK-Altenheim in Deutenhofen leben.

Hebertshausen ‒ Barth hat nun einen Rückblick auf das vergangene Jahr verfasst. Es ist ein Bericht über den Kummer der Geflüchteten, aber auch über ihre Hoffnungen. Und es ist eine Abrechnung mit der Bürokratie.

Wegen des Verhaltens der Verantwortlichen in Politik und Bürokratie hätten viele Asylbewerber und Geduldete Kummer und Leid erfahren, so Barth. Ausbildungs- und Arbeitsverbote würden weiterhin für Migranten mit ungenügend geklärter Identität gelten. Viele seien verunsichert, ob sie in Deutschland bleiben können, sollten während der Ausbildung oder am Arbeitsplatz Schwierigkeiten entstehen oder das Ausländeramt ihre Integrationsbemühungen als unzureichend erachten.

Erschüttert waren Helferkreis und eine breite Öffentlichkeit, als der Malier Moussa Nomoko am 29. Juli 2021 abgeschoben wurde (wir berichteten). Der damals 27-Jährige wurde während eines Termins im Landratsamt Dachau von Polizisten in Handschellen abgeführt und kurz darauf in sein Geburtsland abgeschoben, wo „es ihm heute sehr schlecht geht“, so Barth.

Etwas in den Hintergrund geraten ist das Schicksal von Martin Okwudili Okoli und Mohamed Jalloh, alias Mohamed Gallow. Beide wurden als ausreisepflichtig eingestuft, beide waren mit Arbeitsverbot belegt worden. Für sie allerdings errang der Helferkreis Teilerfolge. Die Arbeitsverbote wurden nach einiger Zeit wieder aufgehoben. Ihre Identität ist mittlerweile vollständig geklärt. „Sie arbeiten hart an der Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse. Die Entscheidung über ihre Zukunft liegt bei der Härtefallkommission“, so Barth.

Aber es gibt auch schlimme Fälle. Das laut Barth „total überflüssige Strafverfahren“ wegen illegalen Aufenthalts, verbunden mit einem Arbeitsverbot für Samba Gey (wir berichteten in der Mittwochsausgabe) und das Bemühen, das Verbot rückgängig zu machen, „wird den Helferkreis auch im neuen Jahr weiter beschäftigen“.

Weiter schreibt Peter Barth, dass neben den genannten Personen weitere wegen illegalen Aufenthalts angeklagt oder bereits verurteilt worden sind. Und dass auch diese Menschen unter Arbeitsverboten und Leistungskürzungen zu leiden hätten.

Bleibt noch die Corona-Pandemie. Diese trifft natürlich auch die Schützlinge des Helferkreises. Einige Geflüchtete würden sie einfach ignorieren, so Barth. Andere fühlten sich wenig betroffen, weil sie überwiegend junge Menschen seien, wie sie sagten – selbst wenn sie angesteckt wurden und sogar erkrankten. Negative Auswirkungen erlebten Auszubildende, die keinen Präsenzunterricht mehr bekamen, der für Geflüchtete laut Barth noch bedeutender sei als für Einheimische. Manche litten, weil sie über keine Laptops verfügen oder das WLAN in der Asylunterkunft nicht gut funktionierte. Barth: „Dem haben wir aber ziemlich schnell Abhilfe schaffen können.“ „Am meisten haben unsere Asylbewerber und Flüchtlinge darunter gelitten, dass der ohnehin bereits seltene Kontakt mit ihren ehrenamtlichen Betreuern und Betreuerinnen durch die Pandemie nochmals reduziert wurde“, meint der Koordinator. Große Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Wohnung hätten diejenigen Geflüchteten, die anerkannt seien oder als Fehlbeleger in der Asylunterkunft verbleiben müssten.

„Noch immer gibt es zu weinig Angebote, um Sprachkenntnisse zu erwerben“, erklärt Peter Barth. „Alphabetisierungskurse zum Beispiel werden kaum angeboten. Durch die Pandemie fallen vorhandene Kurse oft aus.“

„Vielleicht ist das vergangene Jahr ein Übergangsjahr, weil wir hoffen dürfen, dass die Ampelkoalition eine bessere Politik in Sachen Migration, Integration und Flucht machen wird. Angekündigt hat sie es zumindest. Eine positiv gestaltete Integrationspolitik und weniger Nachdruck bei Abschiebungen würden das Leid der Migranten mildern und unserer Gesellschaft zugute kommen. Hoffentlich wird einiges davon 2022 sichtbar“, so das Fazit von Peter Barth. Klaus Rabl

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