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Einen Einkaufsservice für Mitbürger bieten Gärtnermeister Georg Roth, Sabine Polz von der Bäckerei Polz, Barbara Wallner vom Bioputenhof Wallner, Bürgermeister Richard Reischl und Dörte Münsinger, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Hebertshausen (von links). 

In Hebertshausen rückt man zusammen

Nachbarschaftshilfe bietet Einkaufsservice

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Die Corona-Pandemie lässt die Menschen in der Gemeinde Hebertshausen näher zusammenrücken. Die Nachbarschaftshilfe besorgt ab sofort dringend benötigte Dinge für Mitbürger, die sich nicht mehr auf die Straße trauen, nicht mehr raus können – oder dürfen.

VON THOMAS ZIMMERLY

Hebertshausen – Angela Merkel sagte vor kurzem, in der Corona-Krise gehe es gerade um den Schutz der Älteren sowie der Menschen mit Vorerkrankungen. „Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz für einander auf eine Probe gestellt“, so die Kanzlerin. Die Nachbarschaftshilfe Hebertshausen macht genau das, was Merkel fordert, indem sie für die besonders Schutzbedürftigen in der Gemeinde dringend benötigte Lebensmittel, Medikamente oder Dinge des täglichen Lebens besorgt. Darüber hinaus können auch Mitbürger, die sich in Quarantäne befinden, versorgt werden.

Am Sonntag haben sich die Verantwortlichen von Gemeinde und Nachbarschaftshilfe zusammengesetzt und beschlossen: Wir müssen ein Hilfssystem aufbauen. „Wir rechnen damit, dass der Freistaat die Bewegungsfreiheit weiter einschränkt“, sagt Bürgermeister Richard Reischl. In seiner Gemeinde herrschten zwar noch ganz normale dörfliche Strukturen, sprich, in den Familien kümmern sich die Jüngeren um die Älteren. Aber: „Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Menschen, die keine Hilfe haben“, so Reischl. Und genau da setzt das System an.

Ein weiteres Problem, dem die Initiatoren des Hilfssystems entgegenwirken wollen: die viel kritisierten Hamsterkäufe. Im Edeka-Markt Ampermoching etwa würden nahezu apokalyptische Zustände herrschen, so Reischl. Marktleiter Christoph Dahm bestätigt dies. Gerade Grundnahrungsmittel wie Mehl seien kaum zu haben. Die Einsamkeit und die Befürchtung, die notwendigen Lebensmittel nicht zu bekommen, würden dazu führen, dass sich manche Bürger „nicht mehr raus trauen und einkaufen“, so der Bürgermeister.

Nun gibt es in der Gemeinde auch Mitbürger, die liebend gern raus gingen, aber nicht dürfen. „Auch wer sich in Quarantäne befindet, kann sich melden“, beruhigt Dörte Münsinger, die Chefin der Nachbarschaftshilfe.

Seit gestern werden in der Gemeinde Info-Briefe verteilt, in denen steht, wie das System funktionieren soll, und zwar so: Auf dem Flyer steht die Telefonnummer der Nachbarschaftshilfe (0 81 31/29 28 62 86). Der Hilfsbedürftige muss nur mitteilen, was er benötigt. Die Nachbarschaftshilfe verständigt die beteiligten Firmen wie die Gärtnerei Roth, die Gemüse anbietet, den Bentenrieder Hof, die Bäckerei Polz oder den Edeka-Markt, die die Waren bis 17 Uhr bereitstellen. Ein Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe holt sie ab und legt sie den Kunden vor die Haustür. Bezahlt wird erst im Nachgang. „Dazu ist es notwendig, dass Sie die beigefügte Einzugsermächtigung ausfüllen und der Nachbarschaftshilfe zukommen lassen, da wir die Bezahlung über Bargeld verhindern wollen“, heißt es im Info-Brief.

„Allerdings: Wir besorgen nur das, was zum täglichen Leben gebraucht wird“, sagt Dörte Münsinger, „wir fahren also nicht zu Ikea und besorgen ein Sofa!“ Und: „Es soll niemand bei uns anrufen, in der Hoffnung, wir haben beim Kauf von Toilettenpapier mehr Glück.“

Das System beschränkt sich überdies aus Kapazitätsgründen auf den Gemeindebereich Hebertshausen. Bei einem „dramatischen Fall“ beispielsweise aus Dachau, so Reischl, versuchen die Hebertshauser in der Kreisstadt jemanden zu finden. Der Bürgermeister weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass es sich nur um Einzelfälle handeln könne. Werde es zu viel, „müssen wir sofort ablehnen“

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