Leute unten und oben an Rohbau
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Kleines Richtfest, unten v.l.: Zimmerer Rupert Nischwitz, Elisabeth Märkl (Gartenbauverein), Thomas Schlichenmayer (Geschichtswerkstatt), Bürgermeister Richard Reischl, Architekt Thomas Wallner und Architektin Nicoleta Manescu. Auf dem Gerüst v.l.: Bernhard Brandmaier (Feuerwehr), Schützenmeister Roland Scholz, zweiter Bürgermeister Martin Gasteiger und Feuerwehrkommandant Michael Zimmermann.

Richtfest am Dorfgemeinschaftshaus Prittlbach- 3-Millionen-Euro-Projekt soll Anfang 2022 fertig sein

Kleine Feier für ein großes Projekt

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Hebertshausen/Prittlbach – Kaum Gäste, keine Brotzeit, keine gesellige Feststimmung: Es war ein ungewöhnliches Richtfest, zu dem Bürgermeister Richard Reischl (CSU) am Mittwochabend auf die Baustelle des Dorfgemeinschaftshauses nach Prittlbach geladen hatte. Gefeiert wurde unter Corona-Bedingungen im allerkleinsten Kreis.

VON PETRA SCHAFFLIK

Mit dabei waren der zweite Bürgermeister Martin Gasteiger (FBB), Architekt Thomas Wallner, dazu Vertreter von Feuerwehr, Schützen- und Gartenbauverein. Den Organisationen also, die zusammen mit dem Burschenverein künftig das multifunktionale Gebäude nutzen werden.

Ganz auf die traditionelle „Hebweih“ verzichten wollte der Rathauschef nicht, zu bedeutend ist das Vorhaben für die Dorfgemeinschaft. Das rege Interesse vieler Spaziergänger beweise, „wie wichtig der Bevölkerung das Haus ist“, sagte Reischl.

Die Baustelle für das 3-Millionen-Euro-Projekt läuft seit dem Spatenstich im September nach Plan, Zeit- wie Kostenrahmen werden wohl eingehalten.

Feierlicher Richtspruch: Rupert Nischwitz erhebt sein Glas.

Also erklomm Zimmerei-Geschäftsführer Rupert Nischwitz schließlich das Gerüst für den feierlichen Richtspruch, der an die ungewöhnlichen Umstände – „keine Leute, keine Brotzeit“ – angepasst wurde, aber bei dem natürlich, wie es üblich ist, ein Glas zu Bruch ging mit den Worten: „Geweiht sei dieser Bau zur Stunde.“

Bei einem Rundgang besichtigten die Gäste den Rohbau. In der Feuerwehrhalle mit zwei Fahrgassen wird das gerade eingetroffene nagelneue Tragkraftspritzenfahrzeug der Prittlbacher Feuerwehr Platz finden. Angrenzend gibt es Büro, Stiefelwaschanlage, Umkleiden, Sanitärräume und eine kleine Werkstatt.

Über einen Zwischenbau verbunden ist das eigentliche Dorfgemeinschaftshaus. Dort liegen im Untergeschoss zwölf Schießstände und die Waffenkammer des Schützenvereins Germania Prittlbach 1919. Zum Herzstück des künftigen Vereinslebens im Dorf wird sich wohl der helle Veranstaltungsraum im Erdgeschoss entwickeln, an den eine großzügige Terrasse angrenzt.

Ersichtlich froh waren alle, dass das Bauvorhaben offenbar nicht von der momentanen Krise der Bauwirtschaft betroffen ist. „Aktuell sind gut drei Viertel der Arbeiten bereits vergeben, die Preise dafür fest“, bestätigte Architekt Wallner im Gespräch. Auch was die zunehmenden Lieferengpässe bei Baustoffen angeht, „zeichnet sich nichts ab“. Nichts Großes zumindest. Bei Fenstern mit besonderen Maßen und beim Trockenbau könnte es zu Verzögerungen kommen, war zu hören, weil wohl einzelne Materialien nicht vorrätig sind.

Half KZ-Häftlingen und riskierte dabei sein Leben: Hans Köchl.

Allerdings bleibt noch Zeit. Und die Hoffnung, dass das Haus wie geplant Anfang 2022 eingeweiht werden kann. Dann wird das Gebäude offiziell nach Hans Köchl benannt werden. Der bereits 1972 verstorbene Prittlbacher war 2019 posthum zum Ehrenbürger ernannt worden für sein selbstloses Wirken, mit dem er im Nationalsozialismus den Priestern im Konzentrationslager Dachau beigestanden und dabei sein Leben riskiert hatte (wir berichteten mehrfach). Der Anstoß zu seiner Würdigung kam von den Heimathistorikern Angelika Eisenmann und Thomas Schlichenmayer, die bei ihren Forschungen auf Köchl aufmerksam geworden waren.

Beim Rundgang durch den Rohbau zeigte Bürgermeister Reischl eine vorbereitete Mauernische im künftigen Eingangsbereich. Dort soll die Urkunde ausgestellt werden, mit der 1971 Hans Köchl für sein Wirken das Ritterkreuz des päpstlichen Silvesterordens verliehen wurde. Die Benennung des Gebäudes nach dem stets bescheiden im Hintergrund tätigen Hans Köchl sieht Bürgermeister Reischl „als große Verantwortung und Aufgabe, als wichtige Botschaft“.

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