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Die Kitaplätze in Hebertshausen werden knapp.

Gemeinde wächst

Die Kitaplätze werden knapp

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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In Hebertshausen gehen die freien Kitaplätze zur Neige. Das berichtete Bürgermeister Richard Reischl in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Einer der Gründe: Die Gemeinde wächst immer mehr.

Hebertshausen – In Sachen Kinderbetreuung war Hebertshausen in den vergangenen Jahren stets gut aufgestellt. Die Gemeinde investierte kontinuierlich stattliche Summen und baute vorausschauend Kapazitäten auf – etwa mit dem erst 2018 eingeweihten Kinderhaus oder der gerade erst abgeschlossenen Erweiterung der Krippe Sankt Peter in Ampermoching.

Wartelisten für einen Kita-Platz waren deshalb unbekannt. Eltern konnten sich darauf verlassen, für ihr Kind eine passende Betreuung zu finden.

Nun ist es damit wohl bald vorbei. Das sichere „Ruhepolster“ an Kita-Plätzen kommt an seine Grenzen, wie Bürgermeister Richard Reischl dem Gemeinderat erklärte. Gleich mehrere Entwicklungen sorgen für mehr Nachfrage nach Betreuung, wie die Statistik belegt. So ist die Bevölkerung allein im vergangenen halben Jahr um 0,6 Prozent gewachsen. Ende Juni lebten 5953 Bürger im Ort, 36 mehr als Ende 2019.

Das klingt wenig, doch dieser Zuwachs ist entstanden, obwohl die Gemeinde in letzter Zeit keine Baugebiete ausgewiesen hat. „Rein aus dem organischen Wachstum“, sagte Reischl. Gemeint ist, dass zum Beispiel nach einem Generationenwechsel statt einem Senior nun eine mehrköpfige Familie ein Haus bewohnt. Dazu kommt eine steigende Kinderzahl. Voriges Jahr „erreichte die Geburtenrate mit 70 Neugeborenen eine historische Marke“, sagt Reischl. Das seien 40 Prozent mehr Kinder als im Jahr davor.

Schon jetzt ist der Mangel an Kita-Plätzen absehbar: In der Krippe Sankt Peter gibt es nun nach dem Ausbau 44 Plätze. Davon sind ab kommendem Herbst 20 belegt, schon ab Juni 2021 werden 40 Mädchen und Buben die Einrichtung besuchen. Die 80 Plätze im benachbarten Kindergarten Sankt Peter sind ab Januar 2021 voll, der Kindergarten Sankt Georg in Hebertshausen wird dann keinen freien Platz mehr anbieten können. Dort gibt es zudem elf Anfragen für Kinder unter drei Jahren. Auch die Krippe im Kinderhaus mit 24 Plätzen ist belegt.

Gar nicht absehbar ist, ob künftig mehr Eltern ihr Kind in eine Krippe geben möchten. Aktuell liegt der Betreuungsgrad bei 70, eine Steigerung auf 90 Prozent hält der Bürgermeister für denkbar.   

Verschärft wird die Lage, da die gemeindlichen Kitas stärker für Kinder mit Handicap geöffnet werden sollen. Allerdings „zählen“ Mädchen und Buben mit besonderem Förderbedarf nach dem staatlichen Betreuungsschlüssel mehr, belegen also auf dem Papier mehrere Plätze. Die Folge: Die Kapazität der Einrichtung sinkt. Dringender Handlungsbedarf besteht also schon jetzt. Dazu kommt absehbar noch mehr Nachfrage durch Neubaugebiete, die am Dorfanger und der Alten Holzschleiferei entstehen werden.

Was tun? Um genauer planen zu können, soll eine Bedarfsumfrage im Herbst konkrete Daten liefern. Gleichzeitig wird Architekt Thomas Wallner in einer Machbarkeitsstudie Optionen für weitere Kita-Kapazitäten bewerten. Denkbar ist eine Erweiterung des Kinderhauses oder ein Umbau der Alten Schule in Prittlbach. Im Neubaugebiet am Dorfanger könnte ein Gebäude als Kita von vornherein vorgesehen werden, ebenfalls mittelfristig im Areal der Alten Holzschleiferei, wo gerade erst eine Realisierungsstudie läuft. Wallner soll alle Standorte auf Wirtschaftlichkeit und sinnvolle Struktur prüfen. Denn eingruppige Kitas oder Mammut-Einrichtungen mit zehn oder mehr Gruppen will der Gemeinderat nicht.

„Auch die Schule platzt aus allen Nähten“, erinnerte Stefan Ruhsam von der CSU. Tatsächlich wird auch die Betreuung für Schulkinder in Hort und Mittagsbetreuung mitbetrachtet, erklärte der Bürgermeister. Bleibt die Frage der Finanzierung. Vor allem der Betrieb von Kitas kommt Gemeinden teuer, schon jetzt liegt das Haushaltsdefizit in Hebertshausen bei jährlich 1,4 Millionen Euro. „Wie lange können wir uns das noch leisten?“, fragte Clemens von Trebra (CSU). „Wir werden um unpopuläre Maßnahmen nicht umhinkommen.“ Tatsächlich wird der Gemeinderat im Herbst über Gebührenerhöhungen sprechen müssen, sagte Reischl. Vor diesem Hintergrund beklagte der Rathauschef nicht zum ersten Mal, dass die Staatsregierung die Gemeinden auf den hohen Kosten der Kinderbetreuung sitzen lasse. „Und jede neue Einrichtung reißt das Defizit noch nach oben.“ Würde der Freistaat allein das Kita-Defizit ausgleichen, „dann hätte die Gemeinde finanziell kein Problem mehr“.

ps

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