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Persönliche Stellungnahme zu den LSG-Plänen: Landrat Stefan Löwl (Mitte) im Gespräch mit Bürgermeister Richard Reischl.

LSG-Pläne für Hebertshausen

Löwl kühlt die erhitzten Gemüter

Hebertshausen - Ein Landschaftsschutzgebiet auf Hebertshauser Flur ohne Zustimmung der Gemeinde?  Diese Befürchtung hat Landrat Stefan Löwl den Hebertshausern nehmen können.

Viel Aufregung gab es in der Novembersitzung des Hebertshauser Gemeinderates. Der Kreisausschuss des Kreistags legte nach einer Initiative der CSU Pläne für ein neues Landschaftsschutzgebiet (LSG) fest, das eine Fläche im Hebertshauser Moos einschloss. Dies geschah ohne vorherige Rücksprache mit der Gemeinde Hebertshausen. Vielmehr erfuhren Gemeinderäte davon aus der Presse, was zu deftigen Unmutsbezeugungen führte. Es gab Aussagen wie „bodenlose Frechheit“ und „Fremde bestimmen über unser Gebiet“. Denn in Hebertshausen will man das LSG nicht,

Die Gemeinderäte forderten deshalb eine Stellungnahme seitens des Landratsamtes – wenn möglich von Landrat Stefan Löwl persönlich. Und Löwl kam dann auch nach Hebertshausen.

Dem Landrat gelang es dann auch, die Sorgen der Hebertshauser zu entkräften. Seine Kernzusage, dass ein Landschaftsschutzgebiet ohne ausdrückliche Zustimmung der betroffenen Gemeinde nicht kommen werde, nahmen die Gemeinderäte sichtlich beruhigt und erfreut zur Kenntnis.

Auch Bürgermeister Richard Reischl war bemüht, die Lage wieder zu beruhigen. „Das Missverständnis um das LSG werden wir heute in einer öffentlichen Sitzung ausräumen“, gab er sich zuversichtlich. In diesem Zusammenhang sollte auch die Informationspolitik verbessert werden, damit es zu solchen Vorkommnissen nicht mehr kommt, regte Gemeinderat Andreas Schaller (CSU) an.

Landrat Stefan Löwl erklärte, dass er selbst von dem Konzept der Kreis-CSU erst kurzfristig erfahren habe. Aber Kreisräte hätten durchaus die Möglichkeit, sich Gedanken über Maßnahmen innerhalb des Landkreises zu machen: „Hebertshausen ist schließlich Kreisgebiet.“

Der Landrat ging auf die Geschichte ein, die dem nun neuen LSG-Antrag vorausgegangen war. Die jüngste Initiative kam von der Gemeinde Karlsfeld und der Stadt Dachau sowie vom Bund Naturschutz. Dabei sollten die Flächen zwischen den beiden Kommunen als Schutzzone festgelegt werden. Eine „geführte Wanderung“ und Prüfungen haben laut Löwl dann ergeben, dass eine Ausdehnung des LSG bis zur geplanten Südumfahrung von Hebertshausen durchaus sinnvoll sein könnte. „Eine Behinderung der Planungen für die Ortsumgehung von Hebertshausen ist dabei auf jeden Fall zu vermeiden“, so der Landrat. Drei geplanten Strecken – Nord- und Ost-Umfahrung Dachau sowie die Südumfahrung Hebertshausen – seien „essenziell zur Bewältigung unserer Verkehrsprobleme“. Abseits der Trassen wäre eine Ausweisung neuer angrenzender LSG-Gebiete als „Pufferzone“ unter Umständen sinnvoll.

Im Hebertshauser Gemeinderat gibt es allerdings weiterhin ein gewisses Misstrauen, was den Bau der Umfahrungen betrifft. So war die Südumfahrung von Hebertshausen schon einmal für die Jahre 2012 und 2013 geplant. Zudem geht es dem Gemeinderat nicht nur um die Südumfahrung, sondern in der Verlängerung auch um eine Ostumfahrung von Ampermoching. Auch dort ist das Verkehrsaufkommen im Durchgangsverkehr, ähnlich wie in Hebertshausen, enorm gestiegen und für die Bürger eine große Belastung. Eine Neuausweisung eines LSG im Hebertshauser Moos ist nach Ansicht des Gemeinderats jetzt auf keinen Fall machbar.

Martin Gasteiger (FBB) gab unmissverständlich zu verstehen, dass jeder planerische Eingriff im Umfeld zur Unzeit komme und deshalb unterbleiben soll. „Ein Landschaftsschutzgebiet schafft nur Probleme.“ Geschützte Areale können nicht mehr als Ausgleichsflächen für die Umgehungsstraße herangezogen werden.

CSU-Gemeinderat Clemens von Trebra-Lindenau sagte, die Gemeinde würde sich wichtiger Optionen berauben. Deshalb seien die LSG-Pläne „Schwachsinn und bringen nur Nachteile für die Gemeinde“. Sein Fraktionskollege Andreas Schaller sagte, er verstehe nicht, dass „andere Leute in Nachbarsgarten etwas bestimmen wollten und sich unsere Köpfe zerbrechen und man dies dann auch noch in der Zeitung liest.“

Marianne Klaffki, SPD-Gemeinderätin und stellvertretende Landrätin, stellte klipp und klar fest „gegen Hebertshausen geht es auf keinen Fall“. Thomas Göttler (FBB) stimmte ihr zu: „Ohne die Zustimmung der Gemeinde wird es kein neues LSG geben.“

Landrat Stefan Löwl durfte also festhalten, dass der Hebertshauser Gemeinderat in voller Stärke gegen die neuen LSG-Pläne ist. Laut Landrat Löwl läuft allerdings das LSG-Verfahren formal weiter. Es werden wie bei einem Bebauungsplanverfahren betroffene Anlieger und Grundbesitzer, Behörden und Kommunen als sogenannte Träger öffentlicher Belange informiert und beteiligt. Er schätzt, dass Anfang 2017 der Landkreis die Gemeinde offiziell um eine 

Stellungnahme bitten wird. (khr)

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