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Vier Frauen, vier Generationen (von links): Franziska Quaring (6), Veronika Quaring (29), Sylvia Schlabitz (53) und Heidi Portner 72.

Vier Generationen, vier Interviews 

Mütter und Töchter zum Muttertag: So sehen wir unsere Mamas

Sie ist einzigartig, sie ist die Beste: Manche Dinge kann nur die Mama. Wir haben deshalb eine Familie in Hebertshausen bei Dachau besucht. Drei Generationen leben in einem Haus, die Oma einen Steinwurf entfernt. Die vier Damen haben uns verraten, wie sie ihre Mama sehen.

Bis auf die kleine Franziska kennen sie alle beide Seiten: Wie es ist, Tochter zu sein, und wie es ist als Mutter. Alle sind sie recht früh Mama geworden: Heidi Portner mit 19, Sylvia Schlabitz mit 24, Veronika Quaring mit 23 Jahren. Alle haben zwei Kinder, ein Mädchen und einen Jungen. Und alle sind sich einig, dass eine Oma, oder auch zwei, in der Nähe nie schaden. Für sie steht Familie an erster Stelle. Jeden Sonntag treffen sie sich bei der „Uri-Oma“ Heidi zum Mittagessen. 

Natürlich sind die Männer dann auch dabei. Die haben sonst auch was zu sagen, beteuern die Damen – aber eben nicht am Muttertag! Übrigens: Franziskas Dirndl hat die andere Uroma genäht. Sie wohnt mit im Haus, im Erdgeschoss. Veronika Quaring lebt mit ihrer Familie im ersten Stock, ganz oben haben sich Sylvia und Tom Schlabitz eingerichtet. Uroma Heidi und Uropa Peter leben ein paar Hundert Meter weiter.

Franziska Quaring: „Mama kann besser kochen als Papa“

Franziska Quaring, 6, wohnt mit Mama Veronika, Papa Alexander und Bruder Leonardo, 3, im ersten Stock des Dreigenerationenhauses.

Was hast du von deiner Mama gelernt?

Franziska: Fingernägel lackieren und Haare durchkampeln. Und Kuchen backen. Ich hatte erst vor Kurzem Geburtstag und habe ein Kinderkochbuch bekommen. Heute haben wir daraus so Küchlein gebacken, die heißen Amerikaner. Ich habe mitgeholfen. Aber die Eier muss die Mama aufschlagen, sonst gibt es eine Sauerei. Ich darf die anderen Zutaten reinschütten und manchmal auch den Rührer halten. Aber das spritzt so.

Was kann nur deine Mama?

Franziska: Das hat sie mir noch nicht verraten. Aber ich glaube, sie kann besser kochen und Betten beziehen als der Papa. Am besten kann sie Pommes, aber die darf ich leider nicht so oft essen, weil die so salzig und fettig sind.

Mit welchen Sorgen gehst du zu deiner Mama?

Franziska: Mit gar keinen. Ich habe mein Tröstkuscheltier, das kleine Ferkel. Mit dem kuschle ich. Mit der Mama kuschle ich nur ganz selten, manchmal am Abend, oder wenn ich krank bin. Wenn mich jemand im Kindergarten ärgert, dann sag ich es der Erzieherin und wenn mein Bruder mich ärgert, dann laufe ich davon.

Wann hast du die Mama dringend gebraucht?

Franziska: Als wir auf Mutter-Kind-Kur waren. Da hatte ich schlimm Heimweh. Und dann habe ich auch noch Bauchschmerzen gehabt und fest spucken müssen. Da habe ich die Mama gebraucht – und den Papa. Der hat mich abgeholt und nach Hause gebracht. Ich konnte auch erst daheim wieder richtig gut schlafen.

Was macht mit der Mama am meisten Spaß?

Franziska: Kuchen backen und Fahrrad fahren.

Bist du manchmal wie deine Mama?

Franziska: Ja. Meine Mama wird manchmal schnell sauer und schimpft dann. Ich werde auch schnell sauer und grantig. Dann renne ich in mein Zimmer. Aber wir vertragen uns auch schnell wieder.

Warum ist die Mama die Beste?

Franziska: Weil sie immer alles weiß. Sie erzählt mir zwar nicht alles, aber ich weiß, dass sie alles weiß.

Wann nervt die Mama auch mal?

Franziska: Wenn sie sagt, was ich anziehen soll.

Was wolltest du ihr schon immer mal sagen?

Franziska: Dass ich sie fest lieb habe und dass ich bald mal wieder mit ihr picknicken mag. Und im Sommer will ich wieder jeden Tag mit ihr zum Baden gehen.

Veronika Quaring: „Ich frage mich oft, wie sie alles gestemmt hat“

Veronika Quaring, 29, arbeitet als Buchhalterin in Teilzeit. Sie weiß, dass die Oma im Haus Luxus ist. Nicht nur, wenn die Kinder krank sind.

Was kann nur Ihre Mama?

Veronika Quaring: Gockel mit Pommes. Das wird bei mir nichts (lacht).

Das klingt fein. Haben Sie Kochen von Ihrer Mama gelernt? Und was noch?

Veronika Quaring: Ja klar. Putzen, Waschen, Kochen. Aber vor allem, dass Familie das Wichtigste ist.

Mit welchen Sorgen gehen Sie zu Ihrer Mama?

Veronika Quaring: Wenn ich Probleme mit den Kindern habe. Mein Sohn Leonardo hatte im Herbst einen Pseudo-Krupp-Anfall. Da bin ich schnell zu meinen Eltern raufgerannt, obwohl es mitten in der Nacht war. Ich war richtig in Panik. Gemeinsam haben wir entschieden, den Notarzt zu rufen.

Wann haben Sie Ihre Mama sehr gebraucht?

Veronika Quaring: Nach der Geburt meiner Tochter Franziska. Mir ging es körperlich und psychisch nicht gut. Mit kleinen Kindern braucht man seine Mutter oft. Ich arbeite drei Tage. An denen kümmert sich meine Mutter um die Kinder. Wenn sie krank sind, ist sie da. Das ist schon Luxus.

Was macht mit der Mama am meisten Spaß?

Veronika Quaring: Shoppen gehen. Das machen wir nur viel zu selten.

Was haben Sie von Ihrer Mama geerbt?

Veronika Quaring: Das Aufbrausende. Und bei der Kindererziehung bin ich ihr ähnlich. Ich bin streng. Das war sie auch. Mein Bruder und ich hatten viele Freiheiten, aber wir mussten auch im Haushalt helfen und viel für die Schule lernen. Das finde ich einen guten Deal.

Wären Sie gerne mehr wie Ihre Mutter?

Veronika Quaring: Meine Mutter ist wahnsinnig stark. Als mein Bruder und ich klein waren, hat sie gearbeitet, war ehrenamtlich engagiert, hat ein Instrument gespielt. Jetzt, mit zwei Kindern, frage ich mich oft, wie sie das alles gestemmt hat.

Nervt sie auch mal?

Veronika Quaring: Manchmal will sie es zu genau wissen und bohrt hinein, obwohl sie merken müsste, dass man gerade nicht über das Thema reden möchte.

Warum ist Ihre Mutter trotzdem die Beste?

Veronika Quaring: Weil sie so ist, wie sie ist. Ich kann mir keine bessere Mama vorstellen. Ich liebe sie über alles und bin dankbar, dass ich sie habe.

Sylvia Schlabitz: „Meine Mutter ist der ruhende Pol der Familie“

Sylvia Schlabitz, 53, ist ein Familienmensch und genießt ihre Enkelkinder, die um sie herum wohnen, in vollen Zügen. Sie weiß aber auch: Jeder braucht seinen Freiraum.

Was haben Sie von Ihrer Mama gelernt?

Sylvia Schlabitz: Den Haushalt zu führen. Und dass Familie das Wichtigste ist. Füreinander da sein und trotzdem allen ihren Freiraum zu lassen, das ist die Herausforderung, wenn man so nah beieinander wohnt.

Wann haben Sie Ihre Mutter am meisten gebraucht?

Sylvia Schlabitz: Meine Tochter Veronika war ein Schreibaby, mein Mann hatte damals oft Spätdienst. Da war ich sehr froh, dass ich meine Mama hatte. Und wir hatten einen schweren Schicksalsschlag: Ich hatte noch eine Tochter, Franziska, die drei Jahre jünger ist als Veronika. Sie ist am plötzlichen Kindstod gestorben. Das zu verkraften, ist sehr schwer. Da ist man froh, wenn man einen guten Familienzusammenhalt hat. Meine Mama war damals immer da. Sie ist der ruhende Pol in der Familie. Das Aufbrausende habe ich mehr von meinem Vater. Als ich noch einmal schwanger wurde, mit meinem Sohn Dominik, hat sie mich unterstützt. Man geht da nicht mehr so unbefangen ran, nach so einer schrecklichen Erfahrung.

Welche Eigenschaften haben Sie von Ihrer Mama?

Sylvia Schlabitz: Auf die Familie zu schauen. Was sie besser kann: Auch mal nichts zu sagen, bevor Streit aufkommt.

Warum ist Ihre Mama die Beste?

Sylvia Schlabitz: Weil sie für alle da ist. Ich könnte mit jedem Problem zu ihr kommen, sie würde immer zuhören.

Wann nervt sie?

Sylvia Schlabitz: Da bin ich wieder bei dem Thema, dass wir alle so nahe zusammenwohnen. Das hat wirklich fast nur Vorteile. Ich konnte schon früh wieder arbeiten. Meine Mama und meine Schwiegermutter, die auch bei uns im Haus wohnt, haben abwechselnd auf die Kinder aufgepasst. Ich war nie auf eine Krippe angewiesen. Aber gleichzeitig kann es manchmal eben auch zu viel werden. Als meine Mama an einem Tag das fünfte Mal angerufen hat, bin ich ausgeflippt. Hinterher hat es mir leidgetan.

Was wollten Sie ihr schon immer mal sagen?

Sylvia Schlabitz: Dass ich sie sehr lieb habe, auch wenn es manchmal nicht so ausschaut (lacht).

Heidi Portner: „Ich bin früh erwachsen geworden“

Heidi Portner, 72, kommt ursprünglich aus Landshut und ist mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Sie lebt seit 55 Jahren mit ihrem Mann Peter in Hebertshausen. Ihre Mama Therese Priller ist 2002 mit 83 Jahren gestorben.

War es früher anders zwischen Mamas und ihren Töchtern?

Heidi Portner: Wir waren sechs Kinder, ich war die Zweitjüngste. Das ist natürlich anders, als mit nur zwei Kindern. Ich habe viel bei meinen Geschwistern abgeschaut. Und bin schnell erwachsen geworden, habe früh meine Kinder bekommen. Aber meine Mutter war eine sehr liebevolle Frau und sehr gerecht. Sie hat keines ihrer Kinder bevorteilt. Ich hätte sicher über alle Probleme mit ihr reden können.

Was haben Sie von Ihrer Mutter gelernt?

Heidi Portner: Kochen habe ich von meiner Mutter gelernt. Die Rouladen von ihr, die mache ich heute noch nach ihrem Rezept.

Mit welchen Sorgen sind Sie zu Ihrer Mutter?

Heidi Portner: Als Kind habe ich viel draußen gespielt. Sorgen hatte ich keine. Dann bin ich sehr früh ausgezogen. Mit 14 Jahren bin ich zu einer Cousine nach München gekommen, um auf ihre Kinder aufzupassen.

Wann haben Sie Ihre Mutter am meisten gebraucht?

Heidi Portner: Als mein Sohn Peter zwei Jahre alt war, hatte ich eine Blinddarmentzündung. Da kam meine Mutter aus Landshut nach Hebertshausen und hat sich um meine Familie gekümmert. Mein Vater hat sie mit dem Auto hergefahren. Meine erste Tochter Sylvia war damals auch erst sechs Jahre alt.

Wie war Ihre Mutter?

Heidi Portner: Sie war gutmütig. Ich habe drei Brüder, da ging es oft hoch her. Manchmal war sie schon sauer, aber wenn die Brüder sie umarmt haben oder im Spaß gekitzelt, musste sie wieder lachen. Und meine Mutter war reiselustig. Meine ältere Schwester ist nach Amerika ausgewandert und hat dort sechs Kinder bekommen. Meine Mutter ist oft zu ihr geflogen und hat ihr geholfen. Ihren 80. Geburtstag wollte sie auch in den USA feiern. Leider hat die Reise nicht mehr geklappt.

Worin sind Sie Ihrer Mutter ähnlich?

Heidi Portner: Ich kann schlecht Aufgaben abgeben. Bevor ich es dreimal sage, mache ich es halt selber. So war meine Mutter auch. Und sie hat gerne gekocht und die Familie zusammengehalten. Das mache ich auch. Jeden Sonntag bekoche ich die ganze Familie. Das macht mir Spaß. Für viele Essen zu machen, das habe ich früh gelernt. Wir hatten früher eine Bäckerei und dann einen Lebensmittelladen. Ich habe oft für alle gekocht.

Was haben Sie gern mit Ihrer Mama gemacht?

Heidi Portner: „Mensch-ärgere-dich-nicht“ gespielt. Sie konnte nicht verlieren. Das war schon lustig.

Was hätten Sie Ihrer Mama gerne noch gesagt?

Heidi Portner: Es ist zum Glück nichts unausgesprochen geblieben. Das ist schön.

Interviews: Aglaja Adam

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