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Gesprächsbedarf: Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl mit Ministerpräsident Markus Söder. Reischl hatte zuletzt in einem Brandbrief unter anderem moniert, dass es die CSU-Parteispitze an Anstand fehlen lasse. 
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Ministerpräsident Söder am Donnerstag in Hebertshausen

In der Sache hart, im Ton milder

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Ministerpräsident Markus Söder gab sich am Donnerstag in Hebertshausen milder. Der Grund dafür saß im Publikum: Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl, der mit seinem Brandbrief deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Hebertshausen – So einen Medienauflauf gab es noch nie in Hebertshausen: Mehrere Fernsehteams, Online-, Radio- und Printjournalisten aus ganz Deutschland kamen am Donnerstagabend in die 5200-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Dachau, um Ministerpräsident Markus Söder bei seiner Bierzeltrede anlässlich des 115. Jubiläums des Katholischen Burschen- und Mädchenvereins Hebertshausen zu begleiten.

Das Wichtigste vorneweg: Neues hatte der seit März amtierende Landesvater nicht im Gepäck. Der Inhalt seiner Rede in Hebertshausen war in großen Teilen deckungsgleich mit der, die er schon vor zwei Monaten bei seinem Antrittsbesuch in Markt Indersdorf gehalten hatte. Ja sogar die Witze waren dieselben: So lobte Söder Dachaus Landrat Stefan Löwl – wie schon in Indersdorf – als „schönsten und besten Landrat des Landkreises“ und Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath würde ihn mit seinem Fleiß oft an die Grenzen der „psychischen und physischen Belastbarkeit bringen“.

Natürlich erwähnte Söder am Donnerstag auch das Flüchtlingsthema. Doch hier gab es den entscheidenden Unterschied zur Rede im Mai: Der Ministerpräsident gab sich milder. Die „Bösen“, das seien eben „nicht diejenigen, die zu uns kommen, um ein besseres Leben anzufangen“, sondern die „Schlepper und Schleuser“. Außerdem dürfe sich der „Irrsinn nicht wiederholen“, dass der Staat „die, die integriert sind, abschiebt, und einen Leibwächter von Bin Laden zurückholt“.

Und dann sprach Söder ein Thema an, auf das er in Indersdorf noch gar nicht eingegangen war, auf das die 1800 Besucher im Bierzelt – und allen voran Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl – am meisten gewartet hatten. Politiker, so dozierte Söder, sollten „endlich anfangen, wieder mehr Respekt voreinander“ zu haben. Klar, in der Sache könne man streiten, „aber den Respekt vor der Person darf man nicht vergessen“! In einer Partei wie der CSU sei man natürlich „nicht immer einer Meinung, aber wir sind immer im Gespräch“. Dann zeigte er auf den Ehrentisch vor seinem Rednerpult: „Wie an diesem Tisch hier: Da wird bürgernahe Politik gemacht!“

Das Publikum honorierte dies mit viel Applaus – nur einer saß relativ ungerührt auf seiner Bank: Richard Reischl. Im Vorfeld der Kundgebung hatte er mit Söder telefoniert, berichtet der 41-Jährige, wobei er dem Ministerpräsidenten seine Gründe für den Brandbrief dargelegt hatte, in dem er Söder und andere in der CSU heftig für deren Flüchtlingspolitik angreift. Lesen Sie hier Reichls Brandbrief in voller Länger. „Ich habe es einfach dick ghabt“, so Reischl, der nach eigenen Worten „seit 16 Jahren für diese Partei kämpft“.

Die milden Töne des Ministerpräsidenten nahm Reischl zwar wahr. Allerdings betonte er nach Söders Auftritt auch: „Man merkt, dass jetzt ein anderer Ton herrscht. Aber für mich gilt eine Probezeit – auch über den Wahlkampf hinaus!“ Der Groll über die zuletzt scharfe Rhetorik gegenüber Flüchtlingen aus der CSU-Spitze sei noch nicht verflogen, wie er gegenüber den Dachauer Nachrichten explizit betont: „Ich brauche Zeit“, so Reischl. Und schickte dann auch gleich noch eine Drohung an Söder hinterher: „Wenn sich nix ändert, werde ich ihn im Herbst nicht wählen.“

Die Hebertshauser – zumindest die, die am Donnerstag im Zelt waren – hat Reischl mit dieser Einstellung auf seiner Seite. „Gut, dass es endlich mal einer gesagt hat“, war ebenso zu hören wie der Wunsch, dass Reischl doch hoffentlich im Jahr 2020 zur Wiederwahl antritt. Reischl, nach seinem Brandbrief einer der bekanntesten Bürgermeister Deutschlands, will sich darauf aber noch nicht festlegen: „Ich bin innerlich zerrissen.“ Nur so viel wisse er sicher: „Die offene Art, wie ich Politik betreibe, ist die richtige.“

Doppelter Söder, abwesender Guttenberg und kritischer Güll

Manchmal überschlagen sich die Ereignisse, wie vergangenen März: Da wurde Markus Söder Ministerpräsident, Horst Seehofer ging als Bundesinnenminister nach Berlin. Diesem Wechsel ist es zu verdanken, dass Söder nun zwei Mal innerhalb von zwei Monaten in den Landkreis Dachau kam. Denn eigentlich, so berichtet Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl, war im vergangenen Herbst festgelegt worden, dass der Ministerpräsident (Seehofer) im Mai nach Indersdorf kommt und der Finanzminister (Söder) nach Hebertshausen. Sein neues Amt bescherte Söder damit zwei Termine im Landkreis, die er nach eigenen Worten bereitwillig annahm. Denn: „Ich bin am liebsten unter vernünftigen Leuten. Deshalb bin ich gern gekommen!“ Allerdings war Markus Söder nur die zweite Wahl für die Veranstaltung in Hebertshausen, wie Reischl zugibt: „Ich hätte mir den Guttenberg gewünscht. Aber der bleibt lieber in den USA.“ Söder stellte im Gegensatz dazu klar: „I bin der Markus, da bin i dahoam und da will ich auch bleiben!“ Martin Güll, SPD-Landtagsabgeordneter im Landkreis Dachau, nimmt Söder die neue Tonlage nicht ab: „Kommt endlich zur Vernunft“, forderte er nach dem Auftritt in Hebertshausen. Der „erbärmliche Versuch, Stimmung zu machen“, habe das politische Klima vergiftet. Da helfe es nun auch nichts mehr, „unter dem Druck der schlechten Umfragewerte Sonntagsreden zu halten“. zip

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