Schließung der Apotheke in Hebertshausen

Arzt widerspricht Gerüchten

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Die St.-Georg-Apotheke in Hebertshausen schließt (wir haben berichtet). Gerüchten zufolge soll die Geschäftsaufgabe auch etwas damit zu tun haben, dass Dr. Manfred Egerer, der Ehemann von Apothekerin Bettina Colombo-Egerer, als Hausarzt in Hebertshausen aufhört.

Hebertshausen – Dr. Manfred Egerer wehrt sich gegen den Vorwurf, die Schließung der St.-Georg-Apotheke in Hebertshausen, die seine Ehefrau betreibt, stehe im Einklang mit dem Gerücht, dass er seine Praxis im selben Haus aufgibt. „Ich höre nicht auf“, stellt der 65-jährige Mediziner klar. „Ich mache sicher noch bis Sommer nächsten Jahres weiter.“ Und auch dann soll die Praxis erhalten bleiben. „Ich bin jetzt schon im Gespräch mit möglichen Nachfolgern. Und es tut sich was“, erklärt er. Zudem stelle er gerade eine neue Arzthelferin ein.

Dr. Egerer kennt die Gerüchte, die schon seit etwa einem Jahr kursieren. „Aber ich mache weiter, und es macht mir auch immer noch Spaß.“ Die Schließung der Apotheke seiner Frau, die sich im gleichen Haus befindet, habe nichts mit der Zukunft seiner Praxis zu tun. „Kleine Apotheken können heutzutage nicht überleben, wenn sie nur sechs Euro pro Packung verdienen“, sagt er. Und Bettina Colombo-Egerer ergänzt: „Auch von zwei Hausarztpraxen am Ort kann eine Apotheke nicht überleben.“

Der Dachauer Apothekersprecher Max Lernbecher (Obere Apotheke in Dachau/Paulus Apotheke in Erdweg/Römer Apotheke Bergkirchen) weiß um die schwierige Lage. „Die Einschläge kommen näher. Und wenn gerade in einem Wachstumslandkreis wie Dachau Apotheken aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen, gibt das mir als Unternehmer ein ungutes Gefühl.“ Hebertshausen habe das gleiche Problem wie beispielsweise Bergkirchen: „Die Gemeinden liegen zu nah an Dachau. Es gibt viele Auspendler, die in der Großen Kreisstadt einkaufen“, so der Apotheker.

Doch auch die Apotheken, die weiter im Hinterland liegen, kämpfen ums Überleben. Die Gründe sind vor allem gesundheitspolitische Sparmaßnahmen sowie die Konkurrenz der Internet-Apotheken. Derzeit gibt es im Hinterland von Dachau noch 15 Apotheken, berichtet Lernbecher. „Die Dichte ist noch in Ordnung, wir sind nicht unterversorgt.“ Dennoch sei jede Schließung ein Rückschritt der Gemeinde in Sachen Infrastruktur. Neben Hebertshausen ab Ende Mai habe beispielsweise auch Sulzemoos keine eigene Apotheke. Je weniger es werden, desto schwieriger wird auch die Lage der verbleibenden, so der Dachauer Apotheker. Denn alle müssen sich die Notdienste außerhalb der normalen Öffnungszeiten aufteilen. Derzeit hätten die Apotheken bei den Notdiensten einen 14-Tage-Rhythmus. „Ohne Hebertshausen läuft das auf einen 12-er Rhythmus raus“, erklärt der Sprecher. „Und das ist für die Apotheker kostbare Familienzeit, die da weggeht.“ Denn jeder Apotheker müsse sich genau überlegen, ob er für den Notdienst einen Angestellten einsetze, denn das koste Geld. Das gleiche gelte für den Urlaub. Die oft schwierige finanzielle Lage der Apotheken hindere auch Junge daran, sich in der Branche selbstständig zu machen. „Die Bereitschaft, eine eigene Apotheke aufzumachen, ist im Sinkflug.“

Es ist also nicht nur – wie bereits bekannt – der Beruf des Landarztes in Gefahr, sondern auch der des Landapothekers. Hoffentlich findet sich in beiden Fällen zumindest für Hebertshausen eine für alle zufriedenstellende Lösung.

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