Gefällte Pappeln an der Straße zwischen Hebertshausen und Ampermoching: Das rief den Bund Naturschutz auf den Plan. Neben der Straße verläuft der Radweg.
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Gefällte Pappeln an der Straße zwischen Hebertshausen und Ampermoching: Das rief den Bund Naturschutz auf den Plan. Neben der Straße verläuft der Radweg.

An der Staatsstraße zwischen Hebertshausen und Ampermoching

Gefällte Pappeln empören Bund Naturschutz - doch Rodung war rechtmäßig

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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In einem Waldstück an der Staatsstraße zwischen Hebertshausen und Ampermoching sind Bäume gefällt worden. Der Bund Naturschutz ist empört, weil nicht auf die Brutzeit von Vögeln geachtet worden sei. Doch die Rodung war rechtmäßig. Und: Die Bäume stellten eine Gefahr für Radfahrer dar.

Hebertshausen – Wer in den vergangenen Tagen auf der Staatsstraße von Hebertshausen nach Ampermoching unterwegs war, dem entging schwerlich, dass in einem nahen Waldstück in Hanglage eine Vielzahl von Bäumen gefällt worden ist. Auch Naturschützern fiel die Rodung auf. Die Hebertshauser Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) beschwerte sich umgehend bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. „Wie kann es sein, dass mitten in der Brutzeit ein ganzer Hang abgerodet wird, wo doch nach Gesetzeslage gerade Schonzeit ist? Nach der heutigen Begehung hat sich das ganze Ausmaß gezeigt“, schrieb Ute Lindner vom BN per E-Mail.

Auch der BN-Kreisvorsitzende Roderich Zauscher meldete sich zu Wort: „Vor einigen Tagen wurde in Ampermoching ein Hangwald total gerodet“, meinte Zauscher in einer Pressemitteilung gegenüber den Dachauer Nachrichten. Viele empörte Anrufe und auch Mails hätten den BN erreicht. „Sie dokumentieren, dass solche Aktionen der Bevölkerung nicht mehr vermittelt werden können – auch wenn hier wohl kein Gesetzesverstoß vorliegt.“

Mit Ersterem, der totalen Rodung, liegt Zauscher falsch. Mit Letzterem, dass die Fällung keinen Verstoß gegen das Gesetz darstellt, liegt er richtig. Denn: „Es wurde nicht die gesamte Fläche gerodet, sondern nur der Pappelbestand“, erklärt Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl. „Rechts davon ist der Fichtenbestand erhalten geblieben, und es handelt sich um eine gerodete Fläche von 3000 Quadratmetern. Für eine Waldfläche eine sehr kleine Fläche. Die gesamte Waldfläche beträgt 13 000 Quadratmeter.“

Zudem ist es so, dass es sich hier um einen Privatwald handelt, der einer Landwirtin gehört. Eine forstwirtschaftliche Nutzung verstoße grundsätzlich nicht gegen die Zugriffsverbote nach dem Bundesnaturschutzgesetz, so Sybille Hein, Fachreferentin Naturschutz im Landratsamt Dachau, in ihrer Replik an den BN in Hebertshausen, die den Dachauer Nachrichten vorliegt. Hein weiter: „Dies gilt bei besonders geschützten Arten, zu denen auch die europäischen Vogelarten gehören, allerdings nur, sofern sich der Erhaltungszustand der lokalen Population durch die Bewirtschaftung nicht verschlechtert. Nicht zulässig wäre allerdings, erkennbare besetzte Horst- und Brutbäume absichtlich und wissentlich zu entfernen.“

Wie der BN Hebertshausen meint, seien eine Spechthöhle und etliche Nestgelege zerstört worden. Bürgermeister Reischl wiederum hat sich mit der Eigentümerin ins Benehmen gesetzt. Es sei sehr wohl ihre Aufgabe, bei der Fällung zu kontrollieren, ob Vögel betroffen seien, so Reischl. Er meint allerdings auch, dass eine Kontrolle stattgefunden habe, mit dem Ergebnis, dass lediglich ein altes Loch – hingegen kein Specht – gesichtet worden sei.

Fachreferentin Hein meint, dass der Zeitpunkt der Fällung „denkbar ungünstig gewählt war“. Sie sei aber deshalb erfolgt, weil die Eigentümerin „aktuell einen Käufer gefunden habe, der wohl auch einen deutlich besseren Preis angeboten habe, als wie er noch letztes Jahr zu erzielen gewesen wäre“. Demgegenüber meint BN-Kreischef Zauscher, dass sich in diesem Fall ein „massiver Handlungsbedarf für den Gesetzgeber“ offenbare. „So sollten Kahlschläge außer im Fall von Kalamitäten – zum Beispiel durch Borkenkäferbefall, Windwurf oder Ähnlichem – grundsätzlich verboten werden.“

Der Bürgermeister weist noch auf eines hin. Die gefällten Pappeln hatten bereits ein hohes Alter erreicht. Und sie waren in der Nähe eines Radwegs gestanden. Bereits zweimal, so der Bürgermeister, habe die Feuerwehr in der Vergangenheit an dem Waldstück Einsätze gehabt, weil Bäume auf den Radweg zu stürzen drohten.

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