Neuralgischer Punkt: der Ortsausgang von Hebertshausen Richtung Ampermoching. Fußgänger sind vor allem beim Überqueren der Straße gefährdet.
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Neuralgischer Punkt: der Ortsausgang von Hebertshausen Richtung Ampermoching. Fußgänger sind vor allem beim Überqueren der Straße gefährdet.

Virtueller Stammtisch zum Thema „Verkehr in Hebertshausen“ stößt auf große Resonanz

Umfahrung: Ministerin Schreyer bleibt vage

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Hebertshausen – Es war einer der ersten sonnigen Frühlingsabende des Jahres, dennoch setzten sich am Freitagabend 93 Interessierte, darunter auch Hebertshausener Gemeinderäte und CSU-Politiker aus dem Landkreis wie MdL Bernhard Seidenath, vor ihren Computer und loggten sich ein in den digitalen CSU-Stammtisch zum Thema Verkehr.

Die große Resonanz zeigt deutlich, wie sehr Aspekte der Mobilität und konkrete neuralgische Gefahrenstellen die Bürger umtreiben. Neue Impulse und Erkenntnisse erhofften sich die Zuhörer gemeinsam mit CSU-Ortsvorsitzendem Clemens von Trebra und Moderatorin Simone Stifter von Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU), MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch, Richard Wacht als ehemaliger Verkehrsexperte der Dachauer Polizei und jetzt im Ruhestand Geschäftsführer der Dachauer Kreisverkehrswacht. Mit am digitalen Stammtisch saßen auch Landrat Stefan Löwl (CSU), Bürgermeister Richard Reischl (CSU) sowie Kathi Staub mit Sohn Tobias als Anwohnerin der Freisinger Straße.

Große Überraschungen ergab die zweistündige Diskussion nicht. Auch konkrete Zusagen, etwa für eine höhere Priorisierung der Umfahrung von Hebertshausen oder die Genehmigung einer Querungshilfe der Staatsstraße, ließ sich die Ministerin nicht entlocken. „Wir müssen uns schon an die Spielregeln halten“, betonte Schreyer, die aber ihr Wohlwollen gegenüber den Hebertshausener Anliegen erkennen ließ.

So werde die Umfahrung „mit Verstand und viel Liebe noch mal angeschaut“. In Sachen Querungshilfe versprach sie „ein Treffen mit allen Beteiligten“. Aktuell ist die Ostumfahrung Dachau mit der Umfahrung Hebertshausen in der Priorität 1 R, für die Dachauer Trasse läuft das Planfeststellungsverfahren. Ministerin Schreyer hat ein Verfahren angestoßen, künftig flexiblere Kriterien anzuwenden für die Priorisierung. „Denn im Moment planen wir ganz viele Straßen, und es geht nichts weiter.“

Ob das Auswirkungen für Hebertshausen hat, wird sich zeigen. Landrat Stefan Löwl (CSU) ist überzeugt, mit der Umgehung würde sich in Hebertshausen der Durchgangsverkehr aus dem Ortskern halten lassen. Er hoffe, „dass wir die Umgehung in zehn Jahren haben“. Und Schreyer ist überzeugt, auch für eine veränderte Verkehrssituation nach Corona „werden wir Straßen brauchen“. Allerdings Hand in Hand mit der Schiene, damit Bürger vom Fahrrad über Auto, Bus und Bahn alle Verkehrsmittel verbinden können. Und schon Fahrgemeinschaften könnten helfen, den Stau zu verringern, ergänzte Landrat Löwl.

Konkrete Verbesserungen kann sich Hebertshausen vom Ausbau der zweiten Stammstrecke nicht erhoffen, erklärte MVV-Vertreter Rosenbusch auf Nachfrage. Erst mit einem weiteren Ausbauprogramm werde der 15-Minuten-Takt kommen.

Die Bürger beschäftigen aber konkrete Gefahrenstellen. Ein neuralgischer Punkt ist die Freisinger Straße mit ihrer enormen Verkehrsbelastung. Am Ortsausgang Richtung Ampermoching müssen Bürger die Fahrbahn queren, um zur Bushaltestelle und zum Geh- und Radweg zu gelangen. „Dort fahren viele schnelle Autos einfach durch“, beklagte Tobias Staub, der dort zum Schulbus muss. Die Gemeinde wollte vor Jahren auf eigene Kosten eine Ampel errichten, doch fehlen die rechtlichen Grundlagen. „Die Stelle ist seit zwei Jahrzehnten bekannt, eine bauliche Mittelinsel wäre geeignet“, erklärte Verkehrsexperte Richard Wacht.

Die Bürger fragen sich auch, warum auf den 400 Metern zwischen Hebertshausen und Ampermoching Tempo 100 erlaubt ist. Was dazu führt, dass auch am Ortsschild noch zu schnell gefahren wird. Landrat Löwl plädierte für in Baden-Württemberg erfolgreiche stationäre Blitzer. Auf eine schnelle Lösung drängte von Trebra. Die Verkehrsministerin hatte einen Vorschlag: „Wir machen ein Treffen mit allen Beteiligten und überlegen, wie wir diese Stelle entschärfen können“, sagte die Ministerin zu. Für Maßnahmen zur Lärmminderung sei sie sensibilisiert, betonte Schreyer.

Auch über zu hohe Geschwindigkeiten wurde geklagt. Am Ortseingang von Prittlbach seien kürzlich 73 Prozent der Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit gemessen worden, erklärte Roland Scholz. Für den Auwaldring wünscht sich Sören Schürer Tempo 30, eine einheitlich niedrigere Geschwindigkeit für die Strecke nach Haimhausen fordert Claudius Pillny. Zahlreiche weitere Anfragen pro Tempo-30 seien per Mail eingegangen, so Moderator von Trebra. Noch vor einigen Jahren hat der Gemeinderat Tempo 30 im Ort abgelehnt. Doch Bürgermeister Richard Reischl (CSU) will das Thema erneut dem Gremium vorlegen, wie er betonte. „Die Gemeinde ist reif für Tempo 30 in Anwohnerstraßen.“

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