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Gibt es am Hang der St.-Georg-Kirche bald einen Hebertshauser Weinberg? Mit der Frage beschäftigten sich die Gemeinderäte in ihrer vergangenen Sitzung.

Auf ein Glaserl Hebertshauser Wein

Landschaftsplaner stellt ein Konzept für einen Weinberg am Hang der St.-Georg-Kirche vor

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Könnte es bald einen eigenen Hebertshauser Wein geben? Mit der Frage um einen Weinberg an der St.-Georg-Kirche beschäftigte sich jüngst der Gemeinderat.

Hebertshausen – Ob bei Feierlichkeiten der Gemeinde künftig eine „Hebertshausener Auslese“ aus eigenem Anbau kredenzt wird? Denkbar wäre es, denn am Kirchberg mitten im Dorf könnten bald Weinreben sprießen. Was sich verrückt anhört, hat einen durchaus ernsthaften Hintergrund. Denn seit einigen Jahren arbeiten Gemeinde und Erzdiözese bekanntlich gemeinsam daran, die denkmalgeschützte Kirche Sankt Georg samt ihres gesamten Umfelds zu sanieren und neu zu gestalten. Das Gotteshaus erstrahlt nach aufwendiger Renovierung seit vorigem Herbst in neuem Glanz, die erweiterte Aussegnungshalle der Gemeinde ist längst fertig, die Friedhofsmauer wurde befestigt und die Kirchtreppe vollständig erneuert. Bleibt als letzter Baustein im Gesamtkonzept noch der Kirchberg, der stabilisiert und wieder bepflanzt werden muss. Kein leichtes Unterfangen, da verschiedene Kriterien unter einen Hut zu bringen sind, wie der beauftragte Landschaftsarchitekt Roland Krämer den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung erläuterte.

So soll der vor der Sanierung dicht mit Bäumen bewachsene Hang nicht wieder zuwuchern, vielmehr langfristig den Blick freigeben vom Dorf zur Kirche. Vor Erosion schützen sollen den extrem steilen Hang niedrigere Pflanzen, die ein bisschen attraktiver sein könnten als einfache Bodendecker.

Es soll schon einmal einen Weinberg in Hebertshausen gegeben haben

Also warum nicht einen Weinberg anlegen? Auf diese Idee kam der Landschaftsarchitekt, weil direkt unterhalb des Kirchbergs die Straße „Am Weinberg“ vorbeigeht. Für Krämer ein Hinweis, dass es in Hebertshausen einmal einen Weinberg gegeben hat. „Zusammen mit der Kirche macht das durchaus Sinn.“

Das Konzept, das aus dem spontanen Einfall entwickelt wurde, schaut so aus: Am Fuß der Kirchtreppe soll auf einer kleinen Fläche erst Spalierobst wachsen, der Hang im weiteren Verlauf dann als Weinberg angelegt werden mit Rebenreihen, zwischen denen Magerrasen wächst. Im unteren Bereich sollte ein schmaler Wirtschaftsweg angelegt werden. Wein könnte am Kirchberg durchaus gedeihen, so Krämer, der Hang sei mit seiner Süd-West-Ausrichtung ideal. Ein Weinberg unterhalb der Kirche würde nicht nur den historischen Bezug aufnehmen, sondern wäre auch „eine Attraktion in der Dorfmitte“, sagte Krämer.

Gemeinderäte waren durchaus angetan von dem Vorschlag

Die Gemeinderäte reagierten überrascht, aber durchaus angetan von dem Vorschlag. „Ungewöhnlich, aber charmant“, sagte Bürgermeister Richard Reischl. Auch Marianne Klaffki (SPD) hält das Konzept für „reizvoll“. Bedenken hatte Martin Gasteiger (FBB), „denn der Pflegeaufwand im Weinbau ist enorm“. Doch Johann Böswirth (CSU), selbst Landwirt, recherchierte rasch im Netz, dass sich für die kleine Fläche der Aufwand auf 20 Stunden im Jahr belaufen könnte und somit in Grenzen halte. Allerdings wird die Pflege nicht die Gemeinde übernehmen. Vielmehr soll der Weinberg verpachtet werden, etwa an einen Hobby-Winzer.

Auf den grüngekennzeichneten Flächen könnten die Weinreihen entstehen.

Mit einem Pflanzkonzept ist es aber nicht getan. Denn das steile Gelände ist in Bewegung, wie ein Blick auf die benachbarten Grundstücke zeigt. Dort stehen Nebengebäude, die in den 1950er Jahren errichtet wurden. Beim Bau schloss sich der Hang ebenerdig an, heute reicht das Erdreich bis zur Dachrinne. Planer Krämer schlägt eine stabile Stützmauer vor, um den Hang zu sichern. Allerdings müssten für die Errichtung die vorhandenen Nebengebäude dort weichen. Neue Schuppen oder Garagen könnten dann wieder angebaut werden, so Krämer.

Planer will eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind

Die Anwohner, die als Zuhörer die Sitzung verfolgten, zeigten sich nach der Diskussion wenig begeistert, wie ihre Garagen und Lager per Federstrich zum Abbruch freigegeben werden. Aber auch der Planer möchte „eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind“. Denn Handlungsbedarf besteht. Die vorhandenen Mauern hielten dem Druck nicht mehr lange stand, sagt Bürgermeister Reischl auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten. Daher werde er das Gespräch mit den Anrainern aufnehmen, „gemeinsam nach einem verträglichen Kompromiss suchen“. Reischl ist da zuversichtlich.

Der Gemeinderat stimmte dem Konzept einstimmig zu, unter der Maßgabe, dass sich ein Pächter für den künftigen Weinberg findet. Planer Krämer könnte sich vorstellen, dass sich Bürger in einem Verein zusammentun, um die Weinkultur zu bewirtschaften. Die Gemeinde will die Fläche zeitnah ausschreiben, „zu einer symbolischen Pacht“, betont Bürgermeister Reischl. Plus vielleicht, so der Rathauschef, ein jährliches Deputat von einigen Flaschen Hebertshausener Wein.

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