Heinrich Junker war entscheidend am Aufbau Dachaus beteiligt.

Heinrich Junker wäre am Dienstag 100 Jahre alt geworden

Dachau - Heinrich Junker prägte als einer der ersten Politiker nach dem Zweiten Weltkrieg das politische Geschehen im Landkreis Dachau.

Er war Landrat, Staatssekretär, bayerischer Innenminister und nach seiner politischen Karriere Präsident der Bayerischen Landesbank Girozentrale. Am heutigen Dienstag, 30. August, jährt sich Heinrich Junkers Geburtstag zum 100. Mal.

Junker wurde 1911 als Sohn eines Postbeamten in München geboren und wuchs in Dachau auf. Nach dem Abitur studierte er an der TH München mit dem Abschluss als Diplom-Ingenieur 1934. Als Stabsoffizier und Abteilungskommandeur war er Teilnehmer im Zweiten Weltkrieg und geriet in US-Gefangenschaft. Nach dem Krieg, wurde er als Vorstand des Vermessungsamtes in Dachau eingesetzt. Ab 1947 begann seine Karriere als Politiker bis zur Bundesebene.

Heinrich Junker wurde Kreisvorsitzender der CSU und als Nachfolger Josef Schwalbers Landrat . Das Vermessungsamt leitete er zunächst weiter. Eine solche Doppelamtsführung ist heute nicht mehr vorstellbar. In den Anfangsjahren stand Junker vor immensen Aufgaben.

1948 war der Landkreis mit Flüchtlingen überfüllt, es gab wenig Arbeitsplätze, das Straßennetz war unzulänglich und das Krankenhauswesen unter den Nazis heruntergewirtschaftet. Dank einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der amerikanischen Militärregierung war ihm eine vorausschauende Planung möglich. Die dringendste Aufgabe sah Junker in der Sicherung der Ernährung der Bevölkerung und im Bau von Wohnungen. 1949 gründete er den Zweckverband Kreiswohnbauwerk, dem alle Gemeinden des Landkreises angehörten. Der Straßenbau war rudimentär. Junker sorgte dafür, dass die Kreisstraßen staubfrei gemacht und geteert wurden. Erst dann konnte mit ihrer Erweiterung begonnen werden. Seine Parole lautete: Aufbauen, aber planvoll und richtig.

Ein Anliegen war ihm der Ausbau der Krankenhäuser. Das Hilfskrankenhaus Deutenhofen wurde zum eigenen Krankenhaus ausgebaut, es folgten Neubauten in Dachau und Indersdorf. Junker leistete Pionierarbeit in Wasser- und Abwasserversorgung und stellte die Amperauen unter Landschaftsschutz. Der direkte Kontakt zu den Menschen war ihm wichtig, er hörte die Bürger an, schlichtete und gab Ratschläge.

Scharfe Kritik musst er einstecken, als er im Juli 1955 die Schließung des Krematoriumsgeländes im KZ Dachau beantragte. Seine Tochter Renate Ruhs berichtigt, dass dies die Reaktion des Vaters auf empörende Machenschaften mit dem Andenken an die Opfer gewesen sei. Betrüger versuchten vor dem ehemaligen KZ-Gelände Tierknochenteile als angebliche Überreste von KZ-Häftlingen zu verkaufen. Heinrich Junker ließ die Geschäftemacher verhaften und sagte wütend: „Dann müssen wir das Gelände eben schließen“, so die Tochter.

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