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Und es heißt wieder: Redoute!

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Auch die Prominenz auf der Redoute trägt Kostüm: OB Peter Bürgel als Dandy mit bürgerlich-eleganter Gemahlin.

Dachau - Nach zwei Jahren rauschte es wieder im Schloss-Saal: Die vierte Dachauer Redoute war ein prächtiges Fest, auf dem 240 herausgeputzte Damen und feine Herren dem Höhepunkt - der „Frassä“ - entgegentanzten.

Wer denkt, die Ballgäste sind nur zum Vergnügen da, der irrt, obwohl die Karten bereits nach einem halben Tag ausverkauft waren. Schon bei der Festpolonaise des Salonorchesters Karl Edelmann war Konzentration gefragt. Feierliches Schreiten im Dreivierteltakt, sich an der richtigen Stelle verbeugen, auf Kommando hüpfen und in den Kurven ja seine Dame nicht verlieren - das brachte so manchen Tänzer ins Schwitzen.

Die schönsten Bilder des Abends

Tanzmeister Erich Müller war der wichtigste Mann an diesem Abend, denn ohne seine Kommandos lief gar nichts. „Vorwärts und zurück! Jetzt Rundumadum!“ trieb er die Tanzpaare beim Galopp zur spritzig aufgespielten Musik unerbittlich an. Kondition war also Grundvoraussetzung. Da zählte auch die Entschuldigung von zu warmer Ballkleidung oder der ebenfalls erlaubten Dachauer Tracht nicht. Trotz präziser Ansage gab es doch hin und wieder ein Kuddelmuddel auf der Tanzfläche und das Bedienungspersonal wurde mitsamt Tellern in die Kette gleich miteingeschleust.

Die Francaise - die „Frassä“, wie die Münchner Francaise liebevoll bayerisch genannt wird - mit dem vis á vis und den Komplimenten klappte aber ganz gut.

Die Dachauer Ballbesucher hatten sich auch größte Mühe mit den Kostümen gegeben. Faschingsmäßige Ausrutscher gab es kaum, wenn auch ein Kleid aus dem Pariser „Moulin Rouge“ hätte stammen können und ein Herr aussah, als sei er einem niederländischen Gildebild entsprungen. Wer keine eigene Garderobe besitzt, geht zum Kostümverleih. Die Damen hatten sich entweder für rauschende Taftroben mit Schleifen und Rüschen und hochgesteckte Frisuren entschieden oder für das elegante Kleid der Gründerzeit mit hochgeschlossener Bluse und kleinem Hut. Die Herren trugen Frack und Zylinder, was ausgesprochen kleidsam ist.

Doch nicht alles war Maskerade: Da blitzten echte Orden und Geschmeide an Revers und Hals und ein fröhlich in die Höhe getrimmter Bart wie zu Prinzregent Luitpolds Zeiten war auch nicht angeklebt, sondern frisch gefönt, wie die Begleiterin des Bartträgers stolz verkündete.

Unter den Gästen befand sich sogar ein richtiger Schlossherr. Herausgeputzt hatten sich auch die Dachauer Maler, mindestens vier Stück an der Zahl. Schließlich waren die Redouten um die Jahrhundertwende auch Teil des Künstlerlebens, wovon die künstlerisch gestalteten Eintrittskarten zeugen.

(sch)

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