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Die Asylbewerber sind stolz auf ihre Leistung.

Helferkreis Odelzhausen

Radl reparieren und Deutsch lernen

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Odelzhausen - Wenige Aufgaben, viel Zeit, noch mehr Langeweile. In dieser Situation sind viele Asylbewerber. Das möchte der Helferkreis Odelzhausen mit einigen Aktionen ändern. Ein Projekt ist die Radlwerkstatt. Dabei geht es um mehr, als nur darum, alte Räder wieder auf Vordermann zu bringen.

Zehner-Schlüssel. Ein schwieriges Wort. Schwer zu verstehen und kompliziert auszusprechen. Charles, 40, Lamech, 22, Gabriel Etimosa, 24, und Godwin, 25, kennen das Wort schon. Obwohl die Männer aus Nigeria erst vor einigen Monaten als Asylbewerber nach Deutschland gekommen sind.

Die vier leben seit Mitte Dezember in der Containerunterkunft in Odelzhausen. Drei Mal in der Woche nehmen sie an einem Deutschkurs teil, sonst gibt es dort nicht viel zu tun. Doch vor kurzem hat der Odelzhauser Helferkreis eine Radlwerkstatt gegründet. Seitdem reparieren Charles, Lamech, Gabriel Etimosa und Godwin alte Fahrräder.

„Wir wollen etwas tun und uns nützlich machen“, sagt Godwin. In ihrer Heimat haben die Nigerianer mal hier, mal dort gearbeitet. „Wir haben viele Jobs gemacht“, erzählt Gabriel Etimosa.

Als der Helferkreis die Talente und Kenntnisse der Flüchtlinge abgefragt hat, haben sie angegeben, auch schon Mechanikeraufgaben erledigt zu haben. Deshalb kamen die Helfer auf die vier Männer zu.

„Vom Technischen her haben sie schon Ahnung“, sagt Stefan Roth, der die Fahrradwerkstatt betreut. Er ist über seine Frau zum Helferkreis gekommen. Normalerweise kümmert sich Roth als Medizinproduktberater unter anderem darum, dass Rollstühle richtig funktionieren. „Die haben auch Räder und eine Bremse“, sagt er und lacht. Jetzt richtet er eben in seiner Freizeit Fahrräder.

Viele Fahrräder. „Theoretisch brauchen wir 105 Räder“, sagt Roth. Für jeden Asylbewerber eines, das wäre optimal. Die Flüchtlinge freuen sich schon darauf, wenn sie endlich mit den Rädern fahren können: „Jetzt ist es zu kalt, aber im Sommer ist es perfekt“, sagt Gabriel Etimosa. Doch bis es so weit ist, steht noch viel Arbeit an. 21 Fahrräder hat der Helferkreis bis jetzt gespendet bekommen. Ein paar sind wohl nur noch zum Ausschlachten der Teile brauchbar, die anderen werden hergerichtet. Sieben Räder sind fast wieder fahrbereit.

Gerade ist Nummer acht an der Reihe. Ein rotes Herrenrad, das schon viele Jahre auf dem Buckel hat. Lamech und Gabriel Etimosa richten den vorderen Reifen wieder her, Charles und Godwin bauen den hinteren ab. Die Reifen sollen neue Schläuche und Decken bekommen. Stefan Roth gibt ihnen Tipps und hilft. Sie brauchen einen Zehner-Schlüssel, erklärt er. Das Wort kennen die Asylbewerber, sie waren schon öfter in der Werkstatt. Schnell finden sie das richtige Werkzeug.

In der Fahrradwerkstatt geht es nicht nur ums Arbeiten. Es geht auch um Integration und um Abwechslung gegen die Langeweile. Die Asylbewerber fühlen sich wohl in Odelzhausen. „Die Leute sind freundlich, wir mögen sie“, sagt Gabriel Etimosa.

Irgendwann möchten sich die vier eine Existenz aufbauen und arbeiten. „Wir wollen nützlich für Deutschland sein“, sagt Godwin.

Die Radlwerkstatt ist vielleicht ein erster Schritt dazu. Und ganz automatisch und nebenbei schnappen die Flüchtlinge hier auch ein paar deutsche Wörter auf. Ein Schlauch ist für den Reifen zu klein. „Too small, you must stretch it“, erklärt Stefan Roth den Asylbewerbern. Was das auf Deutsch heißt, fragen die Männer. „Der Reifen ist zu eng, ihr müsst ihn dehnen“, antwortet Roth. Eng und dehnen. Wieder zwei Wörter gelernt.

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