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Die Flüchtlings-Aufklärerin: Margarete Kosek mit (v.l. im Uhrzeigersinn) Muhammad Bakht, Hossein Nikzad, Mahmmad Kher und Javad Raoufi und Quadamsnah Rasuli.

Helfer vermitteln Werte 

Frau Kosek erklärt die Welt

Sich auf die Toilette setzen und nicht davor stellen, Frauen als gleichberechtigt akzeptieren oder die Plastikflasche in den Müll anstatt auf die Straße werfen: Was eigentlich banal erscheint, müssen viele Flüchtlinge in den Traglufthallen erst lernen. Aber von wem?

Einen allgemeinen Einführungstag, was in Deutschland zu beachten ist, gibt es nicht, erklärt die Koordinatorin des Karlsfelder Helferkreises Elfriede Peil. Aber: „Es ist eher ein Prozess, sozusagen learning by doing“, also lernen durch tun. Vor allem in den sieben Sprachkursen lernen die fast 300 Asylbewerber in der Traglufthalle, wie sie gegenüber ihren Mitmenschen freundlich sein oder Danke sagen können. Außerdem besprechen sie dort, wie sie sich in verschiedenen Alltagssituationen auf der Behörde, beim Arzt oder im Supermarkt verständigen können.

Und dann gibt es neben den Sprachkursen vom Helferkreis auch Nachhilfe, zum Beispiel bei Margarete Kosek: Die Rentnerin kommt etwa zweimal in der Woche in die Karlsfelder Traglufthalle und übt mit einer kleinen Gruppen von rund 10 Flüchtlingen das Lesen, Schreiben und Rechnen. Aber nicht nur das: In ihrer „Alles-Gruppe“ diskutiert sie mit Männern aus Pakistan, dem Senegal, Nigeria, Afghanistan und dem Irak über deutsche Eigenarten wie Pünktlichkeit und Ordnung, aber auch Themen, die ihr gerade auf dem Herzen liegen.

Deshalb sprach sie vor kurzem mit ihren Flüchtlingen auch über die Silvesternacht in Köln und das Faschingstreiben in Karlsfeld: „Ich habe ihnen gesagt, dass die Frauen an Fasching auch trinken und einen vielleicht umarmen. Aber das dürften sie dann einfach nicht falsch verstehen. Ich finde, man muss einfach alles ansprechen.“

Einer ihrer Nachhilfeschüler ist auch Alireza Mosawi (26) aus Afghanistan, der erst vor ein paar Wochen nach Karlsfeld gekommen ist. Im muslimisch geprägten Afghanistan ist das Verhältnis zwischen Frauen und Männern nicht gleichberechtigt. Auf die Frage, ob Alireza Mosawi sich auf das Geschlechterverhältnis in Deutschland einstellen könne, antwortet er auf Englisch: „Ja natürlich, warum nicht?“ Das ungleiche Geschlechterverhältnis in Afghanistan liege vor allem auch an der schlechten Schulbildung, sagt er: „Seit drei Jahrzehnten haben wir Krieg und viele Schulen sind einfach zerstört.“

Auch Margarete Kosek und die anderen Sprachlehrerinnen selbst sind ein Symbol für die Stellung der Frau in Deutschland, so Helferkreis-Koordinatorin Elfriede Peil: „Sie sind personifizierte Beispiele dafür, dass Frauen bei uns selbstständig und selbstbewusst sind.“

Manchmal nimmt Helferin Margarete Kosek auch das Grundgesetz zur Hilfe und erklärt den Asylbewerbern: „In Deutschland ist es egal, ob du Jude, Buddhist, homo- oder heterosexuell, blond oder schwarz bist. Bei uns sind alle gleich“, erklärt sie dann. Doch vor allem den „Hardlinern“ unter den Muslimen müsse sie oft mehrmals klarmachen, dass Juden genauso viel Wert sind wie sie.

Neben der Arbeit des Helferkreises versucht auch das Landratsamt den Flüchtlingen erste Regeln für das richtige Verhalten an die Hand zu geben, so der stellvertretende Pressesprecher Alexander Krug. Das Landratsamt bringt zum Beispiel Piktogramme an den Toiletten an, also Symbolbilder, auf denen die richtige Benutzung erklärt wird. Neben der Caritas-Sozialberatung und den Ehrenamtlichen vom Helferkreis seien auch die Sicherheitskräfte und die örtlichen Kümmerer in den Traglufthallen Ansprechpartner für die Asylbewerber. Wie sie richtig heizen, lüften, Strom sparen oder den Müll trennen, lernen die Bewohner der Traglufthalle jedoch nicht. Denn die Lüftung und Heizung wird in der Halle zentral gesteuert und das Essen mit Wegwerfgeschirr fertig geliefert.

Geschirr abwaschen und lüften ist also kein Thema. „Wenn wir alles in Kursen vermitteln müssen, hätten wir zu hohe Kosten“, erklärt Krug. „Wie so etwa bei uns abläuft, lernen die Asylbewerber auch durch soziale Kommunikation.“ Das Landratsamt setzt dabei auch auf die einzelnen Personen und natürlich auf die Ehrenamtlichen – wie Margarete Kosek.

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