Helmut Bäuml hat niemals seinen Lebensmut verloren. Nun ist er im Alter von 82 Jahren gestorben.

Opfer der Bluttat von 1962 gestorben

Das schwere Leben des Helmut Bäuml

Eschenried - Helmut Bäuml ist 1962 Opfer eines der schrecklichsten Verbrechen geworden, das jemals im Landkreis Dachau verübt worden ist. Bei einer Schießerei im Vereinsheim von Rot-Weiß Birkenhof hatte ein angetrunkener Maurer die beiden Söhne des Wirts getötet und Bäuml schwer verletzt. Nun ist Bäuml, der trotz seiner Behinderung niemals den Lebensmut verlor, im Alter von 82 Jahren gestorben.

Die Leidensgeschichte des Helmut Bäuml begann am 29. April 1962 im Gasthaus Schmid, das den Fußballern von Rot-Weiß Birkenhof als Vereinsheim diente. Ein angetrunkener Maurer (24) aus Graßlfing, der nach einem Streit in dem Lokal einem Arbeitskollegen zur Seite sprang, zog eine Pistole – und schoss um sich. Die Zwillingssöhne des Wirtes und Vereinsvorsitzenden Anton Schmid, Toni und Alois (26), wurden tödlich getroffen.

Auch Helmut Bäuml, der schlichtend eingreifen wollte, wurde getroffen und schwer verletzt. Er war fortan querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Zweieinhalb Jahre verbrachte er im Krankenhaus.

Die beiden Täter flohen zunächst, wurden aber bald gefasst. Der Schütze von damals lebte nach seiner Haftentlassung in Gröbenried. Vor drei Monaten nahm er sich das Leben.

Für das überlebende Opfer Helmut Bäuml begann nach der Bluttat eine schwere Zeit, in der ihm seine Ehefrau Gabriele immer zur Seite stand. Die beiden 1956 und 1958 geborenen Kinder, Jutta und Helmut, erlebten ihren Vater trotz des Rollstuhls als aktiven und geselligen Menschen. Junior Helmut, der heute stellvertretender Vorsitzender bei Rot-Weiß Birkenhof ist, erzählt, dass das tragische Ereignis von 1962 immer ein Tabu-Thema in der Familie gewesen sei. Aus seinen Worten spricht die Bewunderung für den Vater: „Bis zuletzt hat er im Haus alles gemacht, was er konnte“. Er habe regelmäßig den Gottesdienst in der Eschenrieder Kirche besucht, wo eigens eine Rampe für den Rollstuhl angebracht wurde.

Bei allen großen Feiern im Moos war er präsent, ob beim Christkindlanschießen an Heiligabend in Gröbenried oder am Volkstrauertag zur Kranzniederlegung. Bäuml war Gründungsmitglied und bis zum Schluss Mitglied beim Tennisclub Eschenried, ebenso bei der Feuerwehr Graßlfing und beim Gröbenrieder Schützenverein.

Helmut Bäuml senior bleibt unvergessen als treuer Freund und als Vorbild wegen seiner positiven Lebenseinstellung. Am 16. Oktober wurde er im Alter von 82 Jahren von seinem schweren Leiden erlöst und unter Anteilnahme einer großen Trauergemeinde auf dem Eschenrieder Friedhof beigesetzt.

Sein Freund Josef Huber, heutiger Ehrenpräsident des Tennisclub Eschenried und seinerzeit Gründungsmitglied von Rot-Weiß Birkenhof, sagt: „Helmut war vom Leben gebeutelt, beklagte sich nie und war immer für alle da“. Er sei „der Mittelpunkt“ bei Rot-Weiß gewesen. Er habe den Sportverein entscheidend vorangebracht, als Gründungsmitglied, als langjähriger Vorsitzender von 1976 bis 1992 und in verschiedenen anderen Funktionen.

Der amtierende Birkenhof-Vorsitzende Willi Erhard erinnert sich an seine Zeit als Spieler in der A-Jugend 1973, als er feststellte: „Bäuml ist der maßgebliche Mann im Verein“. Das letzte Treffen mit dem Ehrenpräsidenten des Vereins hatte er Ende Juni, als dieser schon nicht mehr sprechen konnte und trotzdem „Lebensmut ausstrahlte“.

Tröstlich für die Familie ist, dass der Abschied des Familienoberhauptes zu Hause in Graßlfing stattfinden konnte. Dass seine an Krebs erkrankte Tochter Jutta, sie starb am 5. Oktober, vor ihm aus dem Leben geschieden ist, hat er aus Rücksichtnahme nicht mehr erfahren.

ink

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