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Helmut Pfeil ist überraschend als Vorsitzender des TSV Schwabhausen zurückgetreten.

TSV-Chef Helmut Pfeil tritt zurück

Paukenschlag beim größten Sportverein

Schwabhausen - „Ich erkläre mit sofortiger Wirkung meinen Rücktritt als Vorsitzender des TSV Schwabhausen“. Mit diesem Paukenschlag beendete Helmut Pfeil seinen Bericht.

Unter den 120 anwesenden Mitgliedern im Postsaal herrschte betretenes Schweigen, als Pfeil das Rednerpult verließ und mit versteinerter Miene am Vorstandstisch Platz nahm.

Man sah Helmut Pfeil an, dass ihm der Entschluss, sein Amt als Vereinschef des TSV Schwabhausen hinzuwerfen, nicht leicht gefallen war. Zwar hatte er seine Vorstandsmitglieder bereits im Vorfeld informiert, für die meisten Versammlungsteilnehmer kam die Nachricht aber überraschend.

Dabei hatte die jährliche Mitgliederversammlung ganz normal begonnen. Nach Begrüßung und Totengedenken gab Pfeil einen kurzen Geschäftsbericht ab, bei dem er die aktuelle Mitgliederzahl mit 1622 benannte, und dass davon 630 Kinder und Jugendliche seien. Als Highlights des vergangenen Jahres nannte er die Tischtennis-Jungen, die Deutscher Vizemeister wurden, und die Ausrichtung des Merkur-Cup-Finales der Mädchen. Weiter ging es mit Ehrungen von Mannschaften und Funktionären (Bericht folgt) und einem beeindruckenden Kassenbericht von Richard Hack. Demnach hat der Verein zwar mit einem kleinen Defizit abgeschlossen, das aber von Guthaben und Rücklagen aufgefangen werden konnte. Nach der Bestätigung einer einwandfreien Kassenführung durch die Kassenprüfer erfolgte die einstimmige Entlastung.

Dann meldete sich Helmut Pfeil erneut zu Wort. In einer höchst emotionalen Rede begründete er seinen Rücktritt. In erster Linie sei es sein Gesundheitszustand, der ihn dazu zwinge. Dieser habe sich so verschlechtert wegen des anhaltenden Ärgers mit der Gemeinde. Er kritisierte unter anderem, dass für eine Busanschaffung die Betriebskosten nicht mehr von der Gemeinde übernommen werden, dass ständig Anträge gestellt werden müssten, dass es eine Rüge gegeben habe, weil ein Rasenmäher gekauft wurde, bevor der Zuschussantrag eingereicht wurde, dass für alles und jedes Verwendungsnachweise einzureichen seien. Die künftigen Zuschussregeln seien zu umständlich, und der Spitzensport werde überhaupt nicht mehr gefördert. Mit dem Bau der neuen Halle gehe auch nichts voran.

„Der TSV Schwabhausen muss auch weiterhin eine Sonderstellung in der Gemeinde einnehmen, wenn wir Ehrenamtliche finden wollen, die diese Arbeit übernehmen“, sagte Pfeil. „Ich habe meine Arbeit im Verein mit 18 Jahren begonnen und bin nun seit 26 Jahren Vorsitzender. Wir haben den TSV Schwabhausen zum größten und erfolgreichsten Verein in der Gemeinde und zu einem Aushängeschild in ganz Deutschland gemacht, der nicht nur viel für die Jugend tut, sondern Profi- und Amateursport unter einen Hut bringt. Diese Arbeit und Bemühungen werden aber nicht gewürdigt – was habe ich falsch gemacht?“

In seinem folgenden Grußwort wies Bürgermeister Josef Baumgartner die Vorhaltungen von Pfeil indes vehement zurück: „Der Gemeinderat und ich würdigen Deine Arbeit für den Verein sehr wohl, aber leider ist Schwabhausen keine Krösus-Gemeinde, und daher müssen wir unsere Gelder genau einteilen.“ Deshalb werde seit geraumer Zeit an der Aufstellung von Sportförderrichtlinien gearbeitet, die alle Vereine in der Gemeinde gerecht behandeln. Die Entscheidung von Helmut Pfeil bedaure er sehr.

In die gleiche Kerbe schlug Ehrenmitglied und Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Er stellte den TSV als „Vollversorger“ in Sachen Sport heraus, der eine vorbildliche Jugendarbeit leistet und Werte vermittelt. Er fand es sehr schade, dass Pfeil abdanke – auch angesichts der Leistung, die Pfeil für den TSV erbracht hat. Bedauern war auch vom BLSV-Kreisvorsitzenden Hans Albrecht zu hören. Er wünschte, „dass Helmut seine Gesundheit schnell wieder zurückgewinnt“.

Der Ehrenvorsitzende Joschi Krebs erinnerte schließlich daran, dass man beim TSV in früheren Jahren oftmals prekäre Situationen durchstehen musste, diese aber immer gemeinsam gemeistert habe, auch wenn Kompromisse nötig waren. Mit einem auf die Leinwand gebrachten „Danke, Helmut“, das von minutenlangen stehenden Ovationen der Mitglieder begleitet wurde, ging die Versammlung zu Ende.

Für Sonntag, 29. November, wird um 18 Uhr eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, bei der ein neuer Vorsitzender gewählt werden soll.

ela

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