Virtuoser Vortrag: Der junge Koreaner Kim Honggi begeisterte mit seinem technisch hervorragenden und gefühlvollem Spiel am Flügel. Victor Bolarinwas Orchester stand dem kaum nach. foto: san

Ein wahrer Hörgenuss im Schloss

Dachau - Ein Glücksgriff bei der Programmauswahl, ein brillanter Solist, frenetischer Beifall: Das Herbstkonzert der Sinfonietta Dachau im Schlosssaal war ein voller Erfolg.

Nachdem der Dirigent Victor Bolarinwa am Flügel vorbei auf sein Podest geklettert war, gab es für die zahlreichen Zuhörer einen wahren Hörgenuss beim Herbstkonzert der Sinfonietta Dachau. Das Publikum im Schloss war begeistert.

Gleich mit dem ersten Werk des Abends, der Ouvertüre zur Oper „Sappho“ von Jean Paul Martini, traf das Orchester ins Schwarze. Martini, ein französischer Komponist und Organist des 18. Jahrhunderts, machte die gesellschaftliche Rolle der Frau zum Thema seiner Oper und schreckte auch nicht vor kirchenkritischen Elementen zurück. Bei der pompösen und feierlichen Ouverture stellten die Mitglieder der Sinfonietta unter Beweis, dass sie im letzten Jahr große Fortschritte gemacht haben: Mühelos stellten sie sich den Anforderungen des Stückes, ihre Stärken kamen dabei bestens zur Geltung.

Dynamisch fein differenziert unterhielt sich das Orchester im tänzerischen Frage-Antwort-Spiel. Im „Allegro strepitoso“, also dem durchschlagend fröhlichen Teil, wurden triumphale Passagen von Paukenschlägen festlich untermalt. Besonders lobenswert war das vorzügliche und stets engagierte Zusammenspiel der Musiker, das sich deutlich weiterentwickelt hat.

Als der Dirigent sich nach dem Applaus das nächste Mal am Flügel vorbei auf seinen Platz zwängte, trat mit ihm der Solist Kim Honggi auf die Bühne. Der erst 1991 geborene Südkoreaner ist bereits international erfolgreich und studiert derzeit an der Münchner Musikhochschule. Der Pianist wirkte trotz seiner Größe sehr jung und außergewöhnlich ruhig, als er sich auf den Klavierstuhl setzte.

Mit Ludwig van Beethovens viertem Klavierkonzert hatte sich Honggi ein ebenso anspruchsvolles wie gefürchtetes Werk ausgesucht, das sowohl technisches Geschick als auch musikalische Reife erfordert. Seine ruhige Ausstrahlung verlor der Solist auch beim Spielen nicht, seine Interpretation war herrlich unaufgeregt, ohne farblos zu sein. Mit Anmut und Geschmack kostete Honggi die melancholischen und traumverlorenen Stellen voll aus. Honggi ließ seine Finger über rasante Läufe tanzen, auf strahlenden Trillern verweilen oder mit charmanter Leichtigkeit über die Tasten springen. Dabei schien er alles ohne große Anstrengung nach seinem Willen gestalten zu können und ganz in seinem Element zu sein. Lediglich im dritten Satz hatte das Orchester ein wenig Mühe, mit der lebhaften Virtuosität des Pianisten mitzuhalten.

Als das Publikum und das Orchester dem jungen Künstler frenetischen und schier endlosen Beifall spendeten, umarmte der sonst so beherrschte Musiker den Dirigenten sehr herzlich. Bei dieser Zusammenarbeit hatte offensichtlich die Chemie zwischen Solist und Ensemble gestimmt.

Nach der Pause spielte die Sinfonietta noch Mozarts 31. Sinfonie in D-Dur. Das Werk trägt den Beinamen „Pariser Sinfonie“, weil Mozart es während eines Aufenthaltes in der französischen Hauptstadt komponierte. Hier hatte das Orchester ein wenig Mühe, gegen die brillante Leistung zuvor zu bestehen. Mit viel Begeisterung und Spielfreude gaben die Mitwirkenden aber noch einmal alles.

Nach einem etwas abrupten Ende schien das Publikum zunächst etwas verwirrt zu sein. Victor Bolarinwa bewies Humor, als er sang „Wir wollen noch nicht nach Haus’“, und so die Zugabe ankündigte. Als die Ouverture zu Mozarts Oper „Tito“ geendet hatte, zollten die Zuhörer dem Orchester dafür umso größeren Tribut. „Was mach’ ich denn mit Ihnen? Noch eins?“ fragte der Dirigent begeistert - und die Sinfonietta wiederholte ihre Zugabe.

Susanna Morper

Auch interessant

Kommentare