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Stammplatz: Josef Haas an der Kirchenorgel.

70-jähriges Organisten-Jubiläum

Dem Herrgott mit Kirchenmusik etwas zurückgeben

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Dachau - Seit 70 Jahren engagiert sich Josef Haas im Pfarrverband Odelzhausen als Organist. Er hat nicht nur als Kirchenmusiker das musikalische Leben in seiner Heimat verändert.

Ein Sitzplatz in der ersten Reihe. Ungewohnt für Josef Haas aus Odelzhausen. Normalerweise ist er in der Kirche immer oben auf der Empore, an seinem Lieblingsplatz: an der Orgel. Doch manchmal muss man eben eine Ausnahme machen. Zum Beispiel beim 70-jährigen Organistenjubiläum. Seine Frau Traudl, die Kinder, die Enkel, alle sind zum Gottesdienst in die Ebertshausener Kirche gekommen, um mit ihm zu feiern. Immerhin prägt Haas seit Jahrzehnten das musikalische Leben im Pfarrverband und der Gemeinde Odelzhausen.

Die Musik ist die große Leidenschaft des 85-Jährigen, seit er als Kind in der Schule Akkordeonspielen lernte. „Der Lehrer hat gemerkt, dass ich talentiert war“, erinnert er sich. Der Bub bekam Klavierunterricht, als er 15 war, bat ihn ein Geistlicher darum, auch Orgel zu lernen. Also ging Haas auf die Organistenschule in Bad Reichenhall. Wobei das gar nicht so einfach war. Schließlich gab es Zuhause in Odelzhausen eine Landwirtschaft, da mussten alle mit anpacken.

Zum Schulbeginn jedenfalls konnte Haas auf keinen Fall weg. Erst einige Wochen später kam er nach Bad Reichenhall. „Ich hab später angefangen, aber war gleich so gut wie die anderen“, erzählt Haas und schmunzelt ein bisschen. Kein Wunder, ihm machte die Schule Spaß, er war ehrgeizig und übte fleißig. Stapelweise schrieb er Noten, immer wieder stieg er in einer Kapelle die 380 Stufen zur Orgel empor, um dort zu spielen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Josef Haas bestand nach einem halben Jahr die Abschlussprüfung mit Bravour, der Professor fragte ihn sogar, ob er nicht Musik studieren wolle. „Aber ich war das einzige Kind auf dem Hof, das wäre das nicht gegangen“, erzählt er.

Also beglückte er die Odelzhauser mit seiner Musik und umrahmte als Organist Gottesdienste. Dazu leitete Haas einige Zeit den Odelzhauser Kirchenchor. Vor 42 Jahren übernahm er schließlich den Kirchenchor von Ebertshausen und Wiedenzhausen. Noch heute dirigiert er die Sänger und studiert mit ihnen Messen ein.

1949 kam zur Kirchenmusik die Blasmusik dazu. „Unser Altbürgermeister hat gesagt, ich soll Klarinette lernen“, sagt Haas. Denn für die neugegründete Blaskapelle fehlte noch ein Klarinettist. Also besorgte sich Haas das Instrument und übte so lange, bis er es beherrschte. Schon ein halbes Jahr nach der Blaskapellengründung war er Kapellmeister. Unter seiner Leitung gab es Tanz- und Blasmusik in Odelzhausen.

Gerne denkt Josef Haas an diese Zeit zurück. An große Auftritte beim Oktoberfest, beim Landwirtschaftsfest oder bei einer Bauerndemonstration, wo die Odelzhauser Blaskapelle die Deutschlandhymne vor dem Brandenburger Tor spielte.

Und natürlich an die Auftritte beim FC Bayern. Einmal war Haas mit der Blaskapelle bei der Meisterschaftsfeier im Olympiastadion. 400 Musiker waren da. „Und ich stand in der Mitte und hab den Defiliermarsch dirigiert. Das vergisst man nicht“, sagt er. Auch beim Abschiedsspiel von Toni Schumacher spielten die Odelzhauser. Noch so ein Moment, an den Haas sich gerne erinnert. „Wir sind ins Stadium einmarschiert, dann hat Gerd Rubenbauer gesagt ’Sepp, ziag o’.“

Inzwischen hat Josef Haas den Dirigierstab abgegeben. Ab und zu kommt er aber noch mit seiner Klarinette oder seinem Saxophon zur Blaskapellenprobe, damit die Kondition nicht nachlässt. Auch Klavier übt Josef Haas nicht mehr ganz so oft wie früher. „Aber was man einmal gescheit gelernt hat, verlernt man nicht mehr“, versichert er. Zuhause hat er ein Schimmel-Klavier. Er setzt sich auf den Hocker, überlegt kurz, dann fängt er an zu spielen. Zuerst den Strauss-Walter „An der schönen blauen Donau“, dann den Schlager „Aber Dich gibt’s nur einmal für mich.“ Ohne Noten, er kennt die Stücke noch immer auswendig.

Genauso wie viele Kirchenlieder. Mehrmals in der Woche umrahmt Josef Haas Gottesdienste und Messen. „Man muss dem Herrgott was zurückgeben, wenn man schon so ein Talent bekommen hat“, sagt er. „Und es ist auch schön.“

Das finden auch die Gläubigen und Pfarrer Richard Novik. „Sie spielen fantastisch“, sagte Novik beim Gottesdienst in Ebertshausen zum 70-jährigen Kirchenjubiläum. „Bitte machen Sie noch lange weiter.“ Dann brach Applaus in der Kirche aus. Haas stand auf, drehte sich um, schaute in die komplett volle Kirche. „So Gottt will“, sagte er.

Das nächste Mal wird er wieder auf seinem Lieblingsplatz sitzen, Orgel spielen oder den Chor dirigieren.

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