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Mystisch: Beim Graberlschaun bewunderten die Kirchgänger das Grab Jesu, das mit Kugeln geschmückt war. Das Foto zeigt das Heilige Grab im Hutter-Museum. kn

Vergessene Traditionen

Alte Dachauer Osterbräuche: Herrgottbussln statt Fensterln

Dachau - Heute dreht sich Ostern vor allem ums Eiersuchen und Zusammenkommen mit der Familie. Früher war das anders. Inge Bortenschlager erinnert sich an Osterbräuche aus ihrer Jugend. 

Girgl steigt in der Nacht zum Ostersamstag in Feldgeding die Leiter zu seinem geliebten Hannerl hinauf. Er kann es gar nicht mehr erwarten – denn Fensterln in der Karwoche war strengstens verboten. Am Ostersamstag aber ging es wieder auf – entweder zum Fensterln oder „Oabettln“. Inge Bortenschlager (67), Heimatforscherin aus Feldgeding, erinnert sich an die vergessenen Bräuche in der Osterzeit. Beim „Oabetteln“ (Eierbetteln) am Ostersamstag nach dem Jaudusfeuer gingen Burschen zu ihrer Herzensdame und hofften auf Zuneigung: „Manchmal ist nicht nur ein junger Bursch gekommen, sondern ein ganzer Pulk, und die haben dann Schnaps und Eier von der jungen Dame gekriegt.“ Das mag in vielen Gemeinden auch heute noch so sein.

Aber früher ging es beim Eierbetteln auch darum, sich einen Überblick über den Besitz der Angebeteten zu schaffen und: „Man hat eben die besucht, die man gerade sehen wollte.“ Denn (junge) Frauen durften damals nicht beim Osterfeuer mit der Judas-Verbrennung am Ostersamstag dabei sein. Anstatt ihren Liebsten abzuschmatzen, blieb den Damen am Karfreitag nur das „Herrgottbussln“ oder das „Himmivaterschmatzn“. Inge Bortenschlager denkt an den Karfreitag zurück, der damals noch kein gesetzlicher Feiertag war und an dem auch keine Messe stattfand. Trotzdem ging sie mit ihrer Familie in die Kirche: „Früher haben wir dann als Kinder die Wundmale vom Jesus am Kreuz abgeküsst. Er lag damals in einem Holzgewölbe, wie in einer kleinen Höhle drin.“

Die Kirchgänger durften den Gekreuzigten beim „Graberlschaun“ bewundern, denn um ihn herum waren in der Bergkirchner Pfarrkirche mit Wasser gefüllte Kugeln aufgehängt, die in bunten Farben leuchteten. „Für uns Kinder war es einfach mystisch, in der Kirche war es ganz dunkel, die Kruzifixe waren abgehängt und die Kerzen leuchteten.“ Nach dem Graberlschauen hat die alte Wirtin in Bergkirchen dann noch kostenfrei Bratheringe an alle kleinen Kirchenbesucher verteilt.

Der Ostergockel brachte damals die gefärbten Eier

In den Tagen bis zum Ostersonntag durften sich die Kinder dann auf den Ostergockel freuen, denn der Gockel brachte damals die gefärbten Eier und andere Leckereien. Inge Bortenschlager weiß noch aus ihrer Kindheit in den 50er Jahren: „Bei mir war es dann schon zwiespältig, da hat man zwar noch vom Ostergockel gesprochen, aber gleichzeitig schon an den Osterhasen geglaubt.“ Die Osternester haben die Kinder damals aus Dachplatten zu einem Dreieck gestellt und mit Moos ausgelegt.

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Doch damit die Kinder auch Geschenke in ihrem Nest fanden, mussten sie zuvor ihren Beichtzettel beim Pfarrer abgeben, denn: „Beichten war am höchsten Kirchenfest Pflicht“, so die Heimatforscherin. Den Beichtzettel bekamen die Sünder dann nach der abgelegten Buße als Bestätigung.

Später gaben die Gläubigen dann ihren Beichtzettel beim Pfarrer ab und mussten auch ein paar Eier oder Mehl mitbringen. Denn viele Pfarrer konnten damals nur schwer von ihrem Beruf leben und waren auf die Gaben angewiesen. Außerdem betrieben viele Pfarrer bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts meist noch eine kleine Landwirtschaft, um sich über Wasser zu halten.

Während des Gottesdienstes in der Osternacht um fünf Uhr morgens weihte der Pfarrer – wie auch heute – die mitgebrachten Speisen der Kirchgänger: Schmalzgebäck, Osterlämmchen, Geräuchertes oder Eier. Später haben die Bauernleute geweihte Eierstücke oder auch Palmbuschen unter das Futter der Kühe im Stall gemischt, erklärte Inge Bortenschlager: „Damit auch im Stall Glück war.“

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