Zwischen Tegernsee und Gütersloh, Edelweiß und Leberkäs bewegen sich Hasemanns Töchter thematisch mit ihrem musikalischen Kabarettprogramm. Foto: HAB

Herrlich abstrus

Schwabhausen - Ihr Witz beinhaltet die Summe von Alltäglichkeiten und ist höchst amüsant. Verbrämt mit Dichtung, Musik und bestrickender Performance verstehen es Hasemanns Töchter ganz hervorragend, ihr Publikum zu begeistern. Ihr Mundartauftritt im Dirndlkleid ist wie ein Wetterleuchten, das vom Tegernsee bis Gütersloh den Horizont erhellt.

Nett und adrett, die Haare züchtig aus dem Gesicht frisiert, stehen sie auf der Kleinkunstbühne im Schwabhauser Gasthaus Zur Post, präsentieren Bayern-Look und bayerische Seele. Fernab jeder Volkstümelei und weit weniger naiv, als es der erste Blick vermuten lässt. Hasemanns Töchter. Sie sprechen sich mit Hase eins und Hase zwei an, heißen im wahren Leben Maria Hafner und Julia Loibl und sind zwei Volkssängerinnen, wie man sie besser nicht erfinden könnte. Sie sprechen und fühlen bayerisch, sie haben Gold in der Kehle, virtuose Hände am Akkordeon und verfügen über eine herrlich abstruse Sicht auf die Dinge. Griffig verpackt in trockenem Humor lassen die beiden, die ursprünglich in Straubing beheimatet sind, ihr Publikum an der Komik des Alltags teilhaben. Kritik wird nicht ausformuliert, sie schwingt unmissverständlich unhörbar unterschwellig mit und steht doch greifbar im Raum.

Etwa bei „Isarsplitter“, einem Lied, das die Badefreuden am Münchner Isarstrand beschreibt. Den renaturierten Flusslauf, den Kostenfaktor, die ambitionierten Griller, das verhängnisvolle Bad im Glassplitternest: Blut fließt in einer roten Straße, Gliedmaßen sind abgetrennt und als Höhepunkt kommt eine volle Flasche Augustiner von draußen an den Kopf geflogen...

Eine kaum zu übertreffende Aneinanderreihung unglücklicher Umstände - und die tragischen Ereignisse kippen zur herzerfrischenden Satire in Liedform. Vorgetragen mit zwei herrlich voluminösen Stimmen, flankiert von einer Mimik, die Bände spricht, sowie einem Rhythmus, der wirkungsvoll unterstreicht, was der Text gerade vorgibt: Grabesstimmung oder Hochgefühl.

Sie singen vom Edelweiß bis es schwarz blüht, von Leberkäs in Varianten, von Franz Josef Strauß, der Hase zwei im Schlafzimmer besucht - im Körper einer Laus und deswegen mit einem Biernoagerl ohne Schwierigkeiten entsorgt werden kann - und vom Bionudelauflauf ohne Tier auf dem Oktoberfest im September. Sie können auch englisch, bayerisch mit preußischem Zungenschlag und berlinern.

Und fabulieren. Märchenreif. Von Hans und Liese, die füreinander bestimmt aus zwei Eiern schlüpfen, einem blau-weißen und einem weiß-blauen. In Tegernsee am See. Und weil sie niemandem gehören, hat sie der Trachtenverein im Griff. Sie tragen also, wie fast jeder am Tegernsee, Trachtengewand, aus dem eines Tages Flügel wachsen. Flügel, die sie fortbringen. Nach anderswo, vielleicht Gütersloh. Weil aber der Förster es nicht zulässt, dass ein Trachtler davonfliegt, fallen Hans und Liese auf die grüne Wiese - in Tegernsee.

Da ist er also wieder, der Hang zur Dramatik. Insofern sind sie auch beim Fernsehen gut aufgehoben. Kostproben ihrer Vorschläge für die Trailer einer Heimatkrimi-Reihe als Straubing-Cops, Cham-Cops, Furth-im-Walde-Cops etc. gab es ebenso wie gereimte Philosophien dazu, wie sich spezielle Berufstalente ins Zirkusleben integrieren lassen.

Kein Zweifel: Hasemanns Töchter wollen hoch hinaus - und steigen dazu auch mal auf einen Stuhl.

(don)

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