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Die Hexen stürmten das Rathaus

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Hexentag in Indersdorf

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Indersdorf - Wenn es jemand schafft, mit wenig Utensilien ganz große Unterhaltung zu präsentieren, dann die Indersdorfer Hexen. Gestern haben sie wieder locker hundert Zuschauer amüsiert.

Indersdorf – Er hat schon keine Stimme mehr, bevor es überhaupt losgeht. Macht aber nichts, heute hat Bürgermeister Franz Obesser ohnehin nichts in seinem Sitzungssaal zu sagen, denn: Heute regieren hier die Indersdorfer Hexen.

Na ja, so ganz stimmt’s nicht, ein bisserl was darf Obesser schon von sich geben. Die Hexengebote zum Beispiel, die er seit letztem Jahr auswendig lernen musste. Oder ein paar „Jas“, wenn es um ein paar Wünsche wie ein großes Fest für die Hexen ging.

Auch am heutigen Unsinnigen Donnerstag  bewiesen die Hexen wieder eines: Sie brauchen keine großartigen Utensilien, um die rund 100 Zuschauer im Sitzungssaal blendend zu unterhalten.

Indersdorfer Hexen übernehmen das Rathaus: Bilder

So zum Beispiel bei der kleinen Theatereinlage. Man nehme fünf unfreiwillige Mitspieler (drei Bürgermeister, einen Geschäftsleiter, einen Bauhofmitarbeiter), ganz wenig Text, eine möglichst dümmliche Verkleidung und heraus kommt: ein Brüller. Wer sich fragt, wie witzig es ist, wenn der Bürgermeister zig mal sagt, wie schön er ist, der dritte Bürgermeister 20 Mal wiederholt, dass er die gute Fee ist, rechnet sicher nicht damit: sauwitzig sogar. Das Stück „Aschenputtel à la Indersdorfer Hexen“ brachte die Zuschauer zum Johlen.

Ähnlich die Einlage von Hexe Chris, die als RTL-Einrichtungs-Umstyling-Expertin gekommen ist, um das Bürgermeisterbüro umzugestalten. „Hat ja nur den Charme einer Ausnüchterungszelle in Stadelheim“. Doch die Umgestaltungshexe schafft es sogar, mit Dekogegenständen süffisant zu kritisieren: Sie überreicht eine gerahmte Postkarte. Hexe Chris erklärt: „Die ist von 1903. Aber damals war der Marktplatz genauso leer wie heute.“ Der Seitenhieb sitzt, denn den leeren Marktplatz kritisierten noch ein paar Hexen in ihrem Programm.

Denn beim Hexentag geht’s nicht nur um seichte Unterhaltung – es geht auch um handfeste Kritik. Die Besenweiber haben ihre Ohren das Jahr über nämlich überall und sammeln alles, was ihnen im Gemeindeleben nicht gefällt.

Zum Beispiel, dass „der Weg am Friedhof gemacht gehört“, oder dass es „keinen wundern braucht, dass alle Indersdorfer denken, dass wir hier nur zwei Bürgermeister haben, nicht drei“. Letzter Seitenhieb ging an den zweiten Bürgermeister Hubert Böck. „Aber von dir hört man nix und sieht man nix.“ Zudem sollte das Marktfest endlich auf einen Samstag verschoben werden und für familienfreundliche Preise gesorgt werden. Auch so manche Bausünden wie meterhohe Mauern in Rathausnähe gefallen den Hexen gar nicht. Umso mehr gefällt ihnen dafür die Hexentorte, die sie von Franz Obesser geschenkt bekamen. Vielleicht ja eine Anzahlung fürs Hexenfest.

Christiane Breitenberger

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