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Hiebe und große Erinnerungslücken

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Dachau - Für reichlich Verwirrung sorgte eine Verhandlung am Dachauer Amtsgericht. Die Anklage gegen einen 21-jährigen Mann aus Stetten und einen 22-jährigen Dachauer lautete auf gefährliche Körperverletzung.

Die Beiden sollen in einer Nacht im August 2012 einen 19-Jährigen aus Erdweg bei einer Schlägerei in Dachau mehrfach verletzt haben.

„Wir sahen eine Gruppe von ungefähr sieben Jugendliche an der Bushaltestelle in der Ludwig-Thoma-Straße stehen,“ berichtete einer der beiden Angeklagten vor Gericht. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die zwei Männer gerade auf dem Heimweg, nachdem sie ausgiebig gefeiert hatten. „Ich fragte einen aus der Gruppe, ob sie an der Bushaltestelle auf einen Shuttlebus warteten. Dann hätten wir miteinsteigen und uns am Bahnhof absetzen lassen können. Mir wurde auf meine Frage allerdings nur mit einem flapsigen ,Dir sog i goa nix’ geantwortet,“ fuhr der Angeklagte fort.

Als der 19-Jährige, der diese Antwort gegeben haben soll, den Gerichtssaal betrat, wurde das erste Mal aufgehorcht: Er sprach eindeutig nicht mit bayerischem, sondern Berliner Akzent. Außerdem beharrten sowohl er, als später auch ein weiterer Zeuge darauf, dass der Angeklagte nicht nach einem Shuttlebus gefragt habe, sondern nach einer Zigarette - und das nicht gerade höflich. Nachdem der 19-Jährige sich geweigert habe, dem Angeklagten eine Zigarette auszuhändigen, sei ein Wort zum anderen gekommen, und die Situation habe im Tumult geendet.

Die Angeklagten sollen zu zweit auf den 19-Jährigen eingeschlagen haben; sogar Tritte will dieser an seinem Schienbein und seiner Hüfte gespürt haben. Von diesen habe er auch einen blauen Fleck am rechten Bein davon getragen, berichtete der Erdweger entrüstet. Hier stutzte Richter Daniel Dorner erneut: „Im Polizeibericht stand, dass es das linke Schienbein war.“ - „Naja, so genau kann ich mich daran nicht mehr erinnern“, erwiderte der 19-Jährige.

Dieser Satz sollte während der Verhandlung noch öfter fallen. Nicht weiter verwunderlich, denn kurz nach der Rangelei an der Bushaltestelle fuhr ein Streifenwagen vorbei. Die Beamten erkannten die brenzlige Situation und nahmen die Personalien aller Beteiligten auf. Auch Alkoholtests wurden durchgeführt. Dabei stellte sich heraus: Die beiden Angeklagten hatten jeweils 1,7 Promille, das mutmaßliche Opfer 1,3.

„Also die Sache mit den Tritten an die Hüfte kann eigentlich kaum stimmen“, empörte sich einer der beiden Angeklagten, der sich aber ebenfalls nicht genau an die Vorfälle erinnern kann. „Wir konnten ja kaum noch gerade gehen.“ Dem 19-Jährigen aus Erdweg fiel auch noch ein, zu einem späterem Zeitpunkt in dieser Augustnacht das Dachauer Krankenhaus aufgesucht zu haben. Er habe plötzlich schlimme Kopfschmerzen bekommen. Trotz Röntgenaufnahmen konnte aber nicht eindeutig festgestellt werden, ob diese Schmerzen von der Auseinandersetzung an der Bushaltestelle oder dem hohen Alkoholgehalt in seinem Blut stammten.

Nach Rücksprache mit der Staatsanwältin kam Richter Dorner schließlich zu der Auffassung, die Anklage fallen zu lassen. Die Verletzungen des 19-Jährigen seien nicht gravierend genug für eine Verurteilung der beiden Angeklagten. Außerdem habe sich während der Verhandlung herausgestellt, dass der Erdweger selbst kräftig beim Raufen mitgemischt habe.

(pz)

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