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Zwei Helfer holen eine Kröte aus dem Eimer und bestimmen das Geschlecht.

Bund Naturschutz

Kröten-Lebensretter gesucht

Dachau – Wenn es Frühling wird und das Thermometer zwischen fünf und acht Grad anzeigt, begeben sich die Kröten aus dem Stadtwald auf eine Reise: „Sie kommen im Wasser zur Welt und gehen wieder dahin, wo sie geboren sind, um dort abzulaichen“, erklärt Martina Demel vom Bund Naturschutz Dachau. Eine gefährliche Reise.

Über den Winter haben sich die Amphibien tief im Boden der Wälder gegenüber der Gröbenrieder Straße und der Schinderkreppe vergraben. Nun müssen sie die zwei stark befahrene Straßen überqueren. „Die Kröten sind sehr langsam unterwegs“, sagt Martina Demel. Einige Männchen springen auf den Rücken der Weibchen und lassen sich von ihnen zum Geburtsweiher tragen. 

Beiden droht der Tod, auch wenn sie nicht überfahren werden. „Allein die Druckverhältnisse, wenn ein Auto mit 30 Stundenkilometern vorbeifährt, reichen, dass es den Kröten die Eingeweide herausdrückt und sie sterben.“ Deshalb stellt der Bund Naturschutz seit rund zehn Jahren einen ein Kilometer langen Amphibienschutzzaun an der Gröbenrieder Straße auf, und seit zwei Jahren auch einen dreihundert Meter langen Zaun an der Schinderkreppe – um die Kröten auf ihrer jährlichen Reise zu beschützen.

Auf dem Weg zum Laichgewässer versperrt ihnen der Zaun den Weg, die Amphibien laufen daran entlang und fallen schließlich in einen der Eimer. Alle 20 Meter ist einer im Boden vergraben. Erdkröten und andere Amphibien sind besonders nachts aktiv. Deswegen leeren freiwillige Helfer die Sammeleimer nach der Kernphase der Nachtwanderung um etwa 22 Uhr aus. Danach setzen sie Kröten an ihrem Laichgewässer aus: „Besonders wenn es nachts feucht und warm ist, ist eigentlich die perfekte Krötennacht“, sagt Martina Demel. 

Wie viele Kröten unterwegs sein werden, ist aber ungewiss: „Das ist immer wie ein Pokerspiel. Letztes Jahr haben wir die 2000 geknackt, aber in einem anderen Jahr waren es nur 800.“ Um den aktuellen Krötenbestand zu kennen, zählen die rund 30 bis 40 Helfer die Amphibien aus den Sammeleimern und stellen ihre Art und ihr Geschlecht fest. Auch wie lange die Kröten-Rettungsaktion dauern wird, hängt von den Temperaturen ab. Denn wenn es kälter wird, vergraben sich die Kröten wieder im Boden und der Schutzzaun bleibt länger aufgebaut. 

Dabei ist die Hauptzeit der Wanderung vor allem nachts. Um auch die Nachzügler zu erwischen, leeren die Kröten-Lebensretter die Eimer auch morgens und bringen die grünen Froschlurche zu ihren Laichgewässern. Dafür werden noch einige freiwillige Helfer gesucht, so Martina Demel: „Gerade die morgendlichen Frühaufsteher sind heuer sehr knapp gesät. Wenn Sie Lust haben auf einen frühen Spaziergang, normalerweise zu zweit, wer will, aber auch gerne alleine, kann sich bis bei uns melden."

Freiwillige Helfer 

Der Zaun wird vermutlich morgen schon aufgebaut. Helfer können sich bis zum morgigen Dienstag an die Familie Demel unter 0 81 31/32 60 58 oder per E-Mail an mdemel@freenet.de wenden.

Anna Schwarz

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